Frachter Ruby mit russischem Ammoniumnitrat vor Kent gestrandet

Der Frachter Ruby, beladen mit 20.000 Tonnen russischem Ammoniumnitrat, liegt weiterhin vor Kent vor Anker, nachdem er von mehreren Häfen abgewiesen wurde. Sein Schlepper ist verschwunden.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Frachter Ruby mit russischem Ammoniumnitrat vor Kent gestrandet
Der Frachter Ruby, beladen mit 20.000 Tonnen russischem Ammoniumnitrat, liegt weiterhin vor Kent vor Anker, nachdem er in mehreren Ländern abgewiesen wurde

Was macht ein Schiff mit 20.000 Tonnen Ammoniumnitrat – derselbe Stoff, der Beirut 2020 verwüstete – vor der britischen Küste festgemacht, ohne Schlepper und mit beschädigtem Rumpf? Die Ruby, unter maltesischer Flagge fahrend und mit russischer Ladung, ist seit Wochen ein diplomatisches und logistisches Problem, das niemand übernehmen will. Risse in den Ballasttanks und der Bruch einer Propellerwelle ließen sie in der Nordsee treiben. Seitdem wurde sie von verschiedenen Häfen abgewiesen, und ihr Begleitschlepper verschwand über Nacht. Die britische Küstenwache hält Kontakt zum Schiff, aber eine Lösung bleibt aus.

Was ist Ammoniumnitrat und warum ist es besorgniserregend?

Ammoniumnitrat ist ein häufiger Düngemittelstoff, aber auch ein potenzielles Sprengmittel, wenn es mit Kraftstoff gemischt wird. Der Vergleich mit Beirut ist unvermeidlich: Dort verursachten 2.750 Tonnen desselben Stoffes eine Explosion, die mehr als 200 Todesopfer forderte. Hier sprechen wir von 20.000 Tonnen, dem Siebenfachen. Eine Berechnung, die in der Analyse des Falls kursiert, besagt, dass die Detonation im schlimmsten Fall einer kleinen Atombombe entsprechen könnte. Das ist kein unbegründeter Alarmismus: Die Zahl steht im Raum und erklärt, warum kein Hafen sie in der Nähe haben will.

Das rechtliche und diplomatische Labyrinth eines Schiffs mit intransparenten Eigentumsverhältnissen

Die Ruby ist ein Rätsel in Bezug auf die Eigentümerstruktur. Maltesische Flagge, russische Ladung, eingetragener Eigentümer in Dubai mit Sitz in Syrien, vermietet an ein anderes dubai-basiertes Unternehmen mit russischen Verbindungen. Bequemlichkeitsflaggen wie die maltesische dienen dazu, Verantwortlichkeiten zu umgehen, und hier zeigt sich dies deutlich. Norwegen betrachtete sie als seetüchtig, wies sie aber aus Tromsø aus. Die Ostsee versperrte den Zugang. Großbritannien lässt sie vor Kent ankern, akzeptiert sie aber nicht im Hafen. Währenddessen verschwand der sie begleitende Schlepper. Die Frage ist, wer die Rechnung für ein Schiff zahlt, das niemand beansprucht.

Das Risiko eines Sabotageakts und der Schatten des hybriden Krieges

Im Kontext des Ukraine-Krieges schwebt die Möglichkeit einer russischen Sabotage über dem Fall. Es gibt keine Beweise, aber die Kombination aus intransparenter Flagge, explosiver Ladung und „zufälligen“ Schäden nährt die Theorie. Ein steuerloses, treibendes Schiff kann zur Waffe werden, wenn jemand beschließt, es zu sprengen. Die britische Küstenwache überwacht, aber die Hypothese eines False-Flag-Angriffs wird in Diskussionen nicht ausgeschlossen. Die Ironie besteht darin, dass, wenn es explodiert, niemand wissen wird, ob es ein Unfall oder Vorsatz war.

Optionen auf dem Tisch: Ladung löschen oder verrotten lassen

Die logischste Lösung wäre, die Ruby in einen Hafen zu bringen, das Nitrat zu löschen und dann den Rumpf in einer Dockanlage zu reparieren. Aber niemand will das Risiko einer Explosion während des Manövers eingehen. Eine andere Option ist die Reparatur auf hoher See, was Wochen dauern und enorme Kosten verursachen würde. In der Zwischenzeit bleibt das Schiff in britischen Gewässern vor Anker, mit leistungsstarken Schleppern in der Nähe für alle Fälle. Die internationale Seegemeinschaft schaut weg. Das Problem ist nicht technischer, sondern politischer Natur.

Das Präzedenzfall des Cabo Machichaco und anderer schwimmender Bomben

Die Geschichte kennt Beispiele von Schiffen mit explosiver Ladung, die schlecht endeten. Das Cabo Machichaco explodierte 1893 im Hafen von Santander und forderte hunderte Tote. Die Ever Given blockierte den Suezkanal und legte den Welthandel lahm. Die Ruby blockiert keine Route, aber sie ist eine schwimmende Bombe in einer der verkehrsreichsten Regionen der Welt. Der Unterschied ist, dass wir jetzt wissen, was sie trägt, und dennoch will niemand sie löschen. Bürokratie und Angst können gefährlicher sein als das Nitrat selbst.

Die Ruby liegt dort, gewiegt von den Wellen, mit ihrer tödlichen Ladung und Besatzung an Bord. Niemand will die Verantwortung übernehmen. Und während die Regierungen diskutieren, wartet das Schiff. Wenn etwas schiefgeht, wird es nicht an mangelnden Warnungen liegen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (108 Antworten).

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