Fertigmodule auf einem Stahlskelett: Wohnung als Steckdose

Ein Skelett aus Trägern und Stützen ohne Wände, in das jeder Mieter sein Fertigmodul einsteckt: die Idee, die 1972 in Tokio bereits scheiterte.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Fertigmodule auf einem Stahlskelett: Wohnung als Steckdose
Modulares Wohnen: das Modul kaufen und ins Skelett einstecken

Der Vorschlag klingt nach billiger Science-Fiction: Nur Fundamente, Träger und Stützen bauen, die Geschosse ohne Boden lassen, und jeder Mieter kauft sich ein Fertigmodul, das an die Tragstruktur angeschlossen wird, als würde man eine Waschmaschine einstecken. Keine Wände, keine Deckenplatten zwischen den Etagen —außer in den Verkehrsflächen— und ein Kran oder eigens angefertigter Aufzug, um jede Box an ihren Platz zu setzen. Der Urheber des Konzepts fasst es so zusammen: „Das ist kein öffentlicher Wohnungsbau, das ist Raum, in den jeder sein Modul nach eigenem Geschmack einbaut.“ Die Idee wird als schnelle und billige Übergangslösung für das Wohnungsproblem verkauft, mit faltbaren Modulen, die auf E-Commerce-Plattformen für 429 Euro angeboten werden.

Die Begeisterung hält genau so lange, bis jemand die Nachbarn erwähnt. Und danach die Genehmigung. „Dieses Wohnprojekt muss vom Stadtrat für Bauordnung oder von den Ingenieuren der Gemeinde genehmigt werden“, warnt ein Teilnehmer und erinnert daran, dass ohne das Okay der Kommune nichts zu machen ist. Die Antwort des Vorschlagenden: All das sei „bürokratische Hürden, die man bei politischem Willen beseitigen kann“. Dort beginnt der eigentliche Machtkampf.

Was die Vorschriften verlangen und dieses Skelett nicht bietet

Die technische Front ist die vernichtendste. Die Module erfüllen, wie beschrieben, weder die Vorgaben zur Energieeffizienz noch bieten sie Schallschutz. Dazu kommt die übliche Flut an Anforderungen: Solaranlagen, Solarwarmwasser, ab bestimmten Höhen zwei Aufzüge, barrierefreie Gemeinschaftsflächen, Notausgänge. Alles teuer. Und ein Detail, das übersehen wird: Eine ungeschützte Struktur im Freien ohne verkleidende Hülle verfällt durch Regen, Wind und Sonne innerhalb weniger Jahre.

Beim Kostenpunkt ist die Skepsis kompromisslos. „Allein Grundstück und das von dir erwähnte Tragwerk würden schon ein Vermögen kosten“, lautet der Einwand, bevor das Problem der Abfallrohre für Schmutzwasser hinzugefügt wird. Die Verteidigung setzt auf Industrialisierung: in Serie gefertigte Träger und Stützen, die vor Ort montiert werden, wie beim World Trade Center in New York. Das Problem: Ein Bürohochhaus mit modularem Wohnungsbau für die Mittelschicht zu vergleichen, ist ein Taschenspielertrick.

Keine neue Idee: Habraken hat sie schon 1961 benannt

Hier kommt die Faktenlage, die die Neuheit entwertet. Der niederländische Architekt John Habraken schlug genau das 1961 vor: ein festes „Tragsystem“ (Struktur, Treppen, Hauptinstallationen) und „Einheiten“, die jeder Bewohner selbst wählt und austauscht. Daraus entstand die Open-Building-Bewegung, mit Bauten in den Niederlanden, Japan und der Schweiz. Archigram zeichnete 1964 seine Plug-in City mit Kapseln, die per Kran eingesteckt wurden, und der Nakagin-Turm in Tokio (1972) brachte das Konzept in die Realität: 140 Kapseln, an zwei Betonkerne geschraubt und darauf ausgelegt, alle 25 Jahre ersetzt zu werden. Keine einzige wurde je ausgetauscht. Extrem teuer und kompliziert.

Die Lehre von Nakagin ist die, die kein Prospekt für Faltmodule erzählen will: Wartung und Austausch der Einheiten sind die Schwachstelle des Systems, nicht der ursprüngliche Bau.

Den Preis macht der Ziegel, nicht die Fabrik

Es gibt ein ökonomisches Argument, das wie eine Nadel trifft: Modulbau verbilligt nichts, weil sich sein Preis am traditionellen Wohnungsbau orientiert. Kostet eine 90-Quadratmeter-Wohnung aus Ziegel 100, verlangt die modulare 95 oder 98. Steigt der Ziegel im Folgejahr auf 120, steigt die modulare auf 115 oder 118, „unabhängig von Herstellungs- und Montagekosten“. Mehr noch: Die Schnelligkeit wird berechnet. Die Zeitersparnis landet im Preis, nicht beim Käufer.

Die internationale Erfahrung stützt das Misstrauen. In Frankreich wurden vor Jahrzehnten ganze Viertel aus Fertighäusern hochgezogen, und Kataloge für Wohnungen aus Porenbeton kursieren seit Jahren, ohne den Markt revolutioniert zu haben. Der Modulbau hat den Ziegelbau nirgends verdrängt, wo es einen freien Bodenmarkt gibt.

Wo der Vorschlag hängen bleibt

Das offene Skelett löst die Tragstruktur, aber nicht die Stadt. Es fehlen das erschlossene Bauland, die Genehmigung, der Netzanschluss, die Eigentümergemeinschaft, die die Wartung der Megastruktur übernimmt, und die rechtliche Regelung für Module, die woandershin verbracht werden können. Keines dieser Teile taucht im Konzept auf. Die Idee funktioniert auf dem Papier und scheitert am Schalter. Unter diesen Voraussetzungen wird das Wohnungsproblem weiter warten müssen auf mehr als einen Korb voller Module, die an einen Träger gesteckt sind.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (20 Antworten).

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