Die Image-Politik, die Obama und Macron verkörperten, ist erschöpft: Ihre Erben überzeugen nicht, und das System zieht die Besten nicht mehr an. Was kommt, wird daran gemessen, was es aufbaut – nicht daran, wie gut es es erzählt.
Es gibt eine These, die in sozialen Medien kursiert und in diesen Tagen immer wieder am Esstisch auftaucht: Der Höhepunkt des Globalismus hatte zwei Gesichter, das von **Barack Obama** und das von **Emmanuel Macron**. Zwei Kontinente, dasselbe Casting. Jung, poliert, brillante Redner, makellose Lebensläufe und eine vollendete Souveränität vor der Kamera. Imstande, in derselben Woche eine Kundgebung in Ohio zu elektrisieren und einen Saal voller Vorstandsvorsitzender in Davos zu bezaubern. Als Schauspieler sind sie ausgezeichnet, und das sei ohne Ironie gesagt: Öffentliches Charisma ist ein echtes Talent, und sie hatten es auf seltenem Niveau.
## Der Friedensnobelpreis, der ein Image belohnte
Obama gewann den **Friedensnobelpreis** im Oktober 2009, **neun Monate** nach seiner Vereidigung. Man belohnte keine Bilanz; man belohnte ein Bild: das einer postnationalen Welt, geführt von Institutionen und Experten. So wurde es damals gelesen, und so wird es bis heute gelesen. Der Preis kam, bevor es überhaupt etwas zu belohnen gab – und das sagt viel darüber, wie das System funktionierte.
Macron ist die europäische Version desselben Produkts. Eine Bewegung, gegründet ein Jahr vor der Wahl, ohne historische Basis in der Bevölkerung, getragen von den wirtschaftlichen, medialen und administrativen Eliten. „Weder links noch rechts“. Übersetzung: an kein Volk und keine Geschichte gebunden. Nur das effiziente Management der Globalisierung.
Ihre gesamte Software passte in einen einzigen Satz: Der Weltmarkt, die supranationalen Institutionen und die Experten wissen besser als die Nationen, was gut für sie ist. Uneingeschränkter Freihandel. Deindustrialisierung als Modernisierung verkauft. Grenzen als Anachronismus behandelt. Souveränität als Populismus abgetan. Sie waren nicht die Architekten dieses Projekts. Sie waren seine Gesichter. Die besten Verkäufer, die es je hatte. Wenn man Millionen Menschen beibringen will, dass ihre Fabrik ans andere Ende der Welt zieht und das zu ihrem eigenen Besten sei, schickt man keinen grauen Technokraten. Man schickt jemanden, der reden kann.
## Die Magie verblasst, und die Bank ist zu dünn
Deshalb wirken die Bilder von Obama auf Kundgebungen heute so hohl. Gleicher Ton, gleiche Intonation, gleiche Inszenierung. Aber das Publikum hat sich verändert. Es hat den Film gesehen und weiß, wie er ausgeht. Und das Projekt, das sie trugen, stirbt überall: Die USA sind zu Zöllen und Reindustrialisierung zurückgekehrt, Europa spricht endlich über energetische, militärische und technologische Souveränität, Grenzen sind wieder ein legitimes Thema, und die Lieferketten kehren heim. Die Pandemie hat bewiesen, dass ein Land, das keine eigenen Masken produzieren kann, nicht modern ist: Es ist verwundbar.
Macron liegt bei **15 % Zustimmung**, seinem tiefsten Stand seit **2017**, und Obama ist mit verblasster Magie auf den Kundgebungszirkus zurückgekehrt. Der aufschlussreichste Teil ist das, was danach kam. Das System kann keinen Obama oder Macron mehr hervorbringen. Niemand so charismatisch, so poliert, so glatt. Dafür gibt es zwei Gründe. Der erste ist Arroganz: Fünfzehn Jahre lang gewannen sie, ohne wirklich zu kämpfen, mit den Medien auf ihrer Seite und einem Gegner, der im Voraus dämonisiert wurde. Wer zu leicht gewinnt, wird faul, vernachlässigt das Casting – und es zeigt. Der zweite ist tiefer: Wirklich brillante Menschen wollen in dieses System nicht mehr eintreten. Vor fünfzehn Jahren zielte ein ehrgeiziges Jungtalent auf Harvard, auf den höheren Staatsdienst, auf die großen internationalen Institutionen. Heute gründet es ein Unternehmen, baut etwas auf, geht dorthin, wo sich etwas bewegt. Niemand geht an Bord eines sinkenden Schiffes.
## Biden, Harris, Attal, Glucksmann: Erben und Imitatoren
Sehen Sie sich die Bank an. In den USA präsentierten sie **Joe Biden**, einen Präsidenten, dessen kognitiver Verfall für alle offensichtlich war – außer für seinen engsten Kreis, der ihn monatelang vertuschte. Dann tauschten sie ihn in Panik gegen **Kamala Harris** aus, die eine einfache Frage nicht beantworten konnte, ohne in einen Wortsalat abzudriften. Nach Obama ist das ein steiler Absturz.
In Frankreich läuft derselbe Film. **Gabriel Attal** ist Macron vom Fotokopierer: dieselben Codes, dieselben Zeilen, keinerlei Tiefe. Er verkündete seine Präsidentschaftskandidatur auf einem Dorfplatz im ländlichen Frankreich, um vergessen zu machen, dass er ein reines Produkt der reichsten Viertel von Paris ist. Alle sehen das Bühnenbild, und keiner kauft es. Und auf der Linken ist die neue große Hoffnung **Raphaël Glucksmann**: Sohn eines berühmten Philosophen, Europaabgeordneter in Brüssel, Liebling der Pariser Salons. Er spricht über die Nation und die Arbeiterklasse mit der Korrektheit eines Abendessens in Saint-Germain-des-Prés. Die Worte stimmen; die Stimme nicht.
Alle klingen daneben, wie verstimmte Instrumente. Man erkennt noch die Partitur, aber niemand will das Konzert hören. Das ist das erste Zeichen eines sterbenden Systems: Es zieht die Besten nicht mehr an. Geblieben sind ihm nur Erben und Imitatoren. Charisma reicht nicht, wenn die Realität der Geschichte widerspricht. Was danach kommt, wird nicht unbedingt besser sein, aber es wird anders sein: Führer, gemessen an dem, was sie aufbauen, nicht daran, wie gut sie es erzählen. Die Ära der gepflegten Schaumschläger ist vorbei; macht Platz für die Builder. Man sollte diese These nehmen, was sie ist: eine politische und ökonomische Interpretation, keine verbindliche Prognose.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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