Feijóos gescheiterte Wahl wird zur persönlichen Abrechnung

Alberto Núñez Feijóo verfehlte in Spanien die absolute Mehrheit mit nur 172 Stimmen. Der sozialistische Abgeordnete Óscar Puente wurde für seine aggressive Gegenrede kritisiert.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Feijóos gescheiterte Wahl wird zur persönlichen Abrechnung
Óscar Puente verwandelt Feijóos Wahl in eine persönliche Abrechnung

Die Debatte um die Wahl von Alberto Núñez Feijóo endete, bevor sie richtig begann. Mit 137 Abgeordneten der PP, 33 von Vox und zwei von kleineren Parteien verfehlte der Kandidat der Volkspartei die absolute Mehrheit, die nötig gewesen wäre, um Pedro Sánchez aus dem Amt zu drängen. Die Sitzung, die mittags begann und über neun Stunden dauerte, bestätigte das bereits Bekannte: Es fehlten die Zahlen. Was niemand erwartet hatte, war das Spektakel, das der ehemalige Bürgermeister von Valladolid, Óscar Puente, inszenierte, der mit der sozialistischen Gegenrede betraut war.

Puente ging nicht zum Debattieren. Er ging, um zu vernichten. Sein Auftritt, eine Aneinanderreihung von Witzen, Imitationen und Sticheleien, verwandelte den Plenarsaal in eine Bühne für Nachbarschaftskomödie. Die Szene hinterließ ein unvergessliches Bild: Der Kandidat der Volkspartei saß da und hörte sich immer wieder sagen, dass er nicht regieren werde. „Herr Sánchez, Sie haben im Wahlkampf sechs Duelle gefordert, und jetzt schaffen Sie es nicht einmal zum zweiten?“ sagte Feijóo in seiner Erwiderung, wie aus Forenkommentaren hervorgeht. Die Realität ist, dass der Schaden bereits angerichtet war.

Der „Rundumschlag“, der selbst Verbündete empörte

Puentes Intervention löste eine unerwartete Reaktion aus: Fremdschämen innerhalb des eigenen politischen Lagers. Nicht nur die Rechte schlug sich an den Kopf. Normalerweise PP-kritische Stimmen beschrieben die Rede als „vulgär, kleinbürgerlich, aneinandergereihte billige Witze wie ein plumper Stand-Up-Komiker“. Die Kritik war nicht politisch, sondern ästhetisch. „Selbst Beleidigungen brauchen Stil, etwas, das dem Abgeordneten aus Valladolid fehlt“, urteilte ein anderer Kommentar.

Das Kernargument war einfach: Wenn sich deine gesamte Verteidigung auf „peinlich, du wirst nicht regieren“ beschränkt, sind wir schlecht dran. Die häufigste Kritik lautete, dass Puente Feijóos Programm nicht entkräftet, keine Zahlen widerlegt und keinen Vorschlag inhaltlich angegangen habe. Er hat den Gegner lediglich demütigen wollen. Und das hat in der Politik seinen Preis. Die Szene, wie der Ex-Bürgermeister nach einer Quadrizepsverletzung bei einer Einweihung schreiend und weinend zusammenbrach, wurde zum wiederkehrenden Meme, um ihn lächerlich zu machen. Spaniens Politik entscheidet sich nicht mehr über Programme, sondern über Clips.

Der Lebenslauf, an den Puente sich nicht erinnern wollte

Die sozialistische Gegenrede wandte sich schnell Puenten eigener Vergangenheit zu. Die Vorwürfe waren direkt: Er wurde mit angeblichem Vermögen bei der andorranischen Bank Sarracena in Verbindung gebracht, einem Konto über eine Million Euro, dessen Herkunft laut Berichten durch sein Gehalt nicht erklärbar sei. Auch die Episode mit dem Mercedes im Wert von 200.000 Euro, den er nutzte, angeblich geliehen von einer Firma, die während seiner Amtszeit als Bürgermeister Aufträge erhielt, wurde erinnert. Zudem wurde seine Begleiterin erwähnt, eine 20-jährige Frau, während seine Ehefrau dies über soziale Medien erfuhr.

Keine dieser Anschuldigungen ist fest bewiesen. Es handelt sich größtenteils um Medienberichte, die ohne unabhängige Überprüfung weitergegeben wurden. Aber der Imageschaden ist real. „Ein Dieb, der einen anderen Dieb nennt“, fasste ein Kommentar zusammen. Die Paradoxie ist offensichtlich: Derjenige, der die schärfste Gegenrede gegen die Korruption der PP halten soll, bringt einen Lebenslauf mit, der ihn zum am wenigsten geeigneten Boten macht. So ist die spanische Politik.

Die Amnestie, die Puente nicht erwähnen wollte

Der unangenehmste Moment kam mit der Frage der Amnestie. In seiner Rede hatte Puente Carles Puigdemont attackiert: „Er ist ein verantwortungsloser Politiker. Man kann die Regierbarkeit nicht von separatistischen Parteien abhängig machen. Hör auf, dieses Spektakel zu veranstalten.“ Minuten später deutete derselbe Puente an, dass die PSOE die Amnistie „prüfen wird, wenn die Zeit gekommen ist“. Der Widerspruch lag in der Luft. Die Opposition wies sofort darauf hin: Eine Partei, die verspricht, nicht von Separatisten abzuhängen, öffnet gleichzeitig die Tür für deren Amnestierung.

Diese Episode fasst die innere Spannung der PSOE zusammen. Feijóos gescheiterte Wahl war nicht nur ein parlamentarischer Formalakt, sondern das Vorspiel zu einer viel komplexeren Verhandlung. Und Puente legte mit seiner Redefülle genau die Debatte auf den Tisch, die die Partei lieber begraben hätte. Über die Amnistie wurde nicht abgestimmt, aber sie wurde genannt. Und in der Politik ist das schon der halbe Sieg.

Das Ergebnis: 172 Stimmen und eine noch ungeschriebene Legislaturperiode

Der PP-Block sammelte 172 Stimmen bei der Wahl, zu wenig für die absolute Mehrheit. Auch die zweite Abstimmung mit einfacher Mehrheit hätte ihm das Präsidentenamt nicht eingebracht. Feijóo präsentierte seine Einsamkeit in einer Sitzung, die zum Scheitern verurteilt war. Die 137 Abgeordneten seiner Partei, die 33 von Vox und die zwei von UPN und Coalición Canaria reichten nicht aus. Die Arithmetik war stur.

Währenddessen feierte die PSOE das Spektakel. „Pedro, mach dich warm, du bist dran“, fasste ein Kommentar zusammen. Feijóos Wahl wurde zu einer Art vorgezogener Wahlkampagne, mit Puente als Rammbock und Sánchez als Nutznießer. Die offene Frage bleibt, ob der Stil Puente – näher an der Beleidigung als am Argument – langfristig tragfähig ist. Die spanische Politik ist in eine Dynamik geraten, in der die Schlagzeile mehr zählt als der Vorschlag. Und das rächt sich auf Dauer.



Schlüsselzahlen

  • Feijóo vereinte 137 PP-Abgeordnete, 33 von Vox und 2 von UPN und Coalición Canaria.
  • Die Wahlsitzung dauerte über neun Stunden.
  • Puente erwähnte ein mutmaßliches Millionen-Euro-Konto bei Sarracena.
  • Der von Puente genutzte Mercedes hatte einen Wert von 200.000 Euro.
  • Die Begleiterin des Ex-Bürgermeisters war 20 Jahre alt.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (108 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver