Feijóo verteidigt Spaniens Gender-Gesetze gegen Vox

Feijóo erklärt die spanischen Gesetze zur geschlechtsspezifischen Gewalt und zum Einverständnis für unverhandelbar bei einer Koalition mit Vox.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Feijóo verteidigt Spaniens Gender-Gesetze gegen Vox
Feijóo verteidigt Spaniens Gender-Gesetze gegen Vox

Alberto Núñez Feijóo hat das, was wie Verhandlungsmasse für eine zukünftige Koalition aussah, in eine Mauer verwandelt. Wenn er mit Vox regiert, bleiben die Geschlechterpolitiken unangetastet: weder das Gesetz gegen geschlechtsspezifische Gewalt noch das „Nur Ja ist Ja“-Gesetz. Die Aussage, verbreitet über einen Tweet von @Juan Soto Ivars, traf jene hart, die erwartet hatten, dass die PP das legislative Gerüst abbauen würde, das die PSOE und ihre Verbündeten jahrelang errichtet haben. Die Paradoxie ist fein: Die Partei, die verspricht, den Sánchez-Stil abzuschaffen, verpflichtet sich, dessen symbolträchtigste Gesetze zu bewahren.

Die Ankündigung überraschte nicht alle. Manche behaupten seit Langem, dass die PP sozial gesehen eine Kopie der PSOE mit anderer Verpackung sei. Der Ausdruck „blaue PSOE“ kursiert seit Jahren, und dieses Ereignis liefert Munition dafür. Für einen Teil des konservativen Wählerspektrums ist Feijóos rote Linie kein taktisches Zugeständnis: Es ist der Beweis, dass der versprochene Wandel nie durch die Wahlurne kommen wird.

Was bedeutet Feijóos rote Linie genau?

Die Formulierung ist präzise, und deshalb schmerzt sie. Es geht nicht darum, das Gesetz gegen geschlechtsspezifische Gewalt aus rechtlichen Gründen oder internationalem Konsens beizubehalten: Es geht darum, es als unantastbar zu erklären. Dasselbe gilt für das „Nur Ja ist Ja“-Gesetz, die Norm, die sogar innerhalb der Regierung, die sie vorantrieb, Spaltung erzeugte. Feijóo sagt nicht, dass er sie mangels Unterstützung nicht anfassen kann. Er sagt, dass er sie nicht anfassen wird.

Die wahltaktische Kalkulation ist offensichtlich. Der durchschnittliche PP-Wähler, der sich als moderat definiert, will nicht, dass seine Partei in einen Kulturkampf um Gender eintritt. Und der Wähler, der diesen Kampf will, hat bereits Vox. Die Konsequenz ist, dass die PP darauf verzichtet, diesen Raum mit der harten Rechten zu teilen, und sich darauf konzentriert, die Mitte nicht zu verlieren. Eine Strategie, die von außen betrachtet die Partei ohne eigenes Angebot im sozialen Bereich lässt.

Reaktion des konservativen Wählers: zwischen Resignation und Wahl-Drohung

In Kreisen, die diese Angelegenheit genau verfolgen, war die Antwort eine Mischung aus Enttäuschung und Kalkül. Manche behaupten, dass die PP zu wählen, um diese Gesetze aufzuheben, ein Erwartungsfehler sei: Wer echte Änderungen in der Geschlechterpolitik will, muss Vox wählen, weil die PP es nicht tun wird. Andere gehen weiter und sagen, Feijóo sage dies jetzt, werde aber das Gegenteil tun, wenn er an die Macht kommt, ähnlich wie es ihrer Meinung nach bei anderen Zusagen geschehen sei.

Das am häufigsten wiederholte Argument ist die Kohärenz: Wenn Geschlechterpolitiken eine rote Linie sind, dann ist die PP keine Alternative zur PSOE im sozialen Bereich, sondern deren Fortsetzung. Und wenn sie keine Alternative ist, verliert das nützliche konservative Wählen seinen Sinn. Es ist die Paradoxie dessen, der Wandel verspricht und schwört, das nicht zu ändern, was man am meisten ändern möchte.

Der Pakt mit Vox: Wer braucht wen?

Die Frage, die alles überschattet, ist, ob Vox diesen Ansatz akzeptieren wird. Abascals Partei hat die Aufhebung dieser Gesetze zu einem ihrer Fahnen gemacht. Wenn Feijóo sie abschirmt, wird die Regierungsvereinbarung kompliziert. Oder vielleicht doch nicht: Vox könnte den Kompromiss akzeptieren, denn Macht, auch geteilte, ist immer noch Macht. Die Geschichte der Koalitionen ist voll von roten Linien, die im Kleingedruckten verschwimmen.

Klar ist, dass Feijóo seinen Zug machte, bevor die Verhandlungen begannen. Er legte sein Minimum fest. Nun bleibt abzuwarten, ob Vox sein Minimum festlegt oder sich mit dem Zufriedengibt, was er bekommt. Die Antwort liegt nicht im Tweet, sondern darin, was passiert, wenn Ministerposten verteilt werden.

Gesetz gegen geschlechtsspezifische Gewalt und „Nur Ja ist Ja“: Was die PP riskiert

Das Gesetz gegen geschlechtsspezifische Gewalt beizubehalten, ist keine Nebenentscheidung. Es ist die Norm, die die institutionelle Antwort auf Machismo-Gewalt strukturiert, und die damals breite parlamentarische Unterstützung fand. Aber es ist auch die, die Debatten über ihre Anwendung und darüber ausgelöst hat, ob der Gender-Ansatz der einzige mögliche ist. Feijóo hat entschieden, sich nicht auf diese Debatte einzulassen. Er bevorzugt den Status quo.

Mit dem „Nur Ja ist Ja“-Gesetz verhält es sich ähnlich. Die vom Gleichstellungsministerium vorangetriebene Norm führte zu Strafmilderungen, die die PSOE selbst korrigieren musste. Es ist eine leichte Flanke für die Opposition. Und dennoch sagt Feijóo, dass er es nicht anfassen wird. Die Frage ist warum. Die plausibelste Antwort ist, dass er keinen Kulturkampf eröffnen will, der ihm moderate Stimmen kostet. Die zynischste Antwort ist, dass er den Kern der Norm teilt.

Riveras Präzedenzfall und die Angst vor Verschleiß

Die spanische Politik hat ein selektives Gedächtnis. Vor einigen Jahren versuchte Albert Rivera eine ähnliche Wende und scheiterte. Die Reaktion des gemäßigten Wählerspektrums war so negativ, dass er binnen Stunden zurückruderte. Feijóo, der das Video gesehen hat, will den Fehler nicht wiederholen. Er bevorzugt Stillstand gegenüber schlechter Bewegung.

Diese Kalkulation erklärt die rote Linie besser als jede Überzeugung. Es ist nicht so, dass Feijóo glaubt, diese Gesetze seien unantastbar: Er glaubt, dass ihr Anpacken mehr Stimmen kostet als bringt. Politik als Risikomanagement. Das Problem ist, dass die PP durch das Nichtbewegen ihre eigene Erzählung in dem Bereich verliert, wo der Kulturkampf am härtesten geführt wird.

Was bleibt von der Rede des Wandels?

Feijóos rote Linie bringt die PP in eine merkwürdige Position: Sie verspricht, den Sánchez-Stil abzuschaffen, bewahrt aber dessen emblematischste Gesetze. Der Wähler, der einen sozialen Wandel wollte, geht leer aus. Derjenige, der Stabilität wollte, atmet auf. Währenddessen schärft Vox seine Rhetorik als einzige echte Alternative.

Die offene Frage ist, ob diese Strategie Feijóo reicht, um La Moncloa zu erreichen, oder ob er unterwegs jene verliert, die glaubten, der Wandel beginne hier. Wie immer werden die Wahlurnen die Antwort geben. Oder auch nicht.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (82 Antworten).

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