Feijóo nennt sich Feminist und will Spaniens Gleichstellungsministerium auflösen

Alberto Feijóo bezeichnet sich als Feminist und kündigt an, das Gleichstellungsministerium in andere Ressorts zu integrieren – ohne zu specifics, welche Zuständigkeiten neu verteilt würden.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Feijóo nennt sich Feminist und will Spaniens Gleichstellungsministerium auflösen
Feijóo nennt sich Feminist und will das Gleichstellungsministerium auflösen

Alberto Feijóo hat gesagt, dass er Feminist ist. Das sagte er im selben Atemzug mit der Ankündigung, das Gleichstellungsministerium in andere Ministerien zu integrieren, und begründete es mit einer hausbackenen Formel: „Wie sollte ich kein Feminist sein, wo ich in meinem Zuhause mit viel mehr Frauen als Männern aufgewachsen bin?“ Die Erklärung, verbreitet über einen Tweet von El País, fasst den Widerspruch zusammen, der die spanische öffentliche Debatte durchzieht: ein konservativer Führer, der sich das Etikett zu eigen macht, während er das Ministerium abbauen will, das es institutionalisiert.

Was es heute bedeutet, sich Feminist zu nennen

Die erste Folge ist semantisch. Wenn der Vorsitzende der PP (Spaniens konservative Volkspartei) sich Feminist nennt, hört das Wort auf, eine linke Position zu bezeichnen, und wird zu einem umkämpften Zeichen. Manche halten das für eine Entleerung; dagegen steht das Argument, dass es den Schirm erweitert. Fest steht: Der Gestus kommt ohne programmatische Substanz – die einzige konkrete Maßnahme ist die Aufsaugung des Gleichstellungsministeriums durch andere Ressorts.

Die Ankündigung ist in der Strategie der spanischen Rechten nicht neu, wohl aber im Mund dessen, der die Regierungsführung anstrebt. Die Operation hat zwei Adressaten: den gemäßigten Wähler, dem der Ton der harten Rechten unangenehm ist, und die eigene Wählerschaft, die Gesten gegen das verlangt, was sie als institutionelle Übertreibung wahrnimmt.

Die Reaktion: vom Witz zur Wahlkalkulation

Die Reaktion ist nicht einstimmig ausgefallen. Ein Teil der Öffentlichkeit hat den Satz mit Spott aufgenommen und mit jenen Bekenntnissen verglichen, man gehöre einem Klub an, weil man in seiner Nähe geboren wurde. Andere haben darin schlicht eine Beleidigung der Intelligenz der Wähler gesehen.

Aber es gibt eine dritte Lesart, und sie ist die häufigste: Die Antwort bringt Stimmen. Nicht aus feministischer Überzeugung, sondern weil sie normalisiert, dass ein Kandidat der Rechten den Begriff ohne Komplexe verwenden kann. In einem Land, wo das Etikett als Trennlinie fungiert hat, entwaffnet die Aneignung den Angriff des Gegners.

Das Detail, das am meisten aufgefallen ist, ist das Fehlen der klassischen Formel „Ich habe schwule Freunde“, ersetzt hier durch „Ich bin mit Frauen aufgewachsen“. Der rhetorische Mechanismus ist identisch: Identität wird durch Nähe bewiesen, nicht durch Programm.

Das Gleichstellungsministerium in der Schwebe

Der Vorschlag, das Gleichstellungsministerium in andere Ministerien zu integrieren, ist der am wenigsten diskutierte Teil und hätte die größten Konsequenzen. Nicht erklärt wurde, welche Ressorts seine Zuständigkeiten übernehmen und welche Haushaltsmittel neu zugewiesen würden. Ebenso unklar ist, was mit den nachgeordneten Behörden geschehen soll.

Manche sehen darin einen politisch billigen Schachzug: Das Ministerium hat ein hohes Medienprofil, aber ein begrenztes Budget im Gesamt der öffentlichen Ausgaben. Es symbolisch abzuschaffen bringt mehr ein, als es kostet, es zu erhalten.

Vox' Kalkül und das Investiturszenario

Auf dem rechten Flügel ist die Lesart taktisch. Würde Vox bereit sein, Feijóo zu stützen, ohne in die Regierung einzutreten, könnte es die Investitur mit einer einfachen Drohung konditionieren: Entweder die Forderungen werden erfüllt, oder es geht zurück an die Urnen und der Gegner regiert. Das ist das klassische Spiel des externen Partners, mit dem Risiko, dass die Wählerschaft das Ausbleiben von Resultaten bestraft.

Die Vorhersage mit Vorbehalt: Bleibt die Ankündigung eine Erklärung und mündet sie nicht in einen Erlass zur Ministerialstruktur, sind die Kosten null und der Nutzen vorübergehend. Tut sie es, hört die Debatte darüber, was institutioneller Feminismus ist, auf, rein rhetorisch zu sein.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (18 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver