Evangelium vom 29. Oktober: Die Henne, die Jerusalem sammeln wollte
Jesus vergleicht sich nicht mit einem Adler oder einem Löwen. Er vergleicht sich mit einer Henne. Das Evangelium von Lukas 13, 31-35, das an diesem Donnerstag, dem 29. Oktober, verkündet wird, enthält die mütterlichste Klage des Neuen Testaments: „Wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel sammelt, und ihr habt nicht gewollt.“ Das Bild empörte die Zuhörer des ersten Jahrhunderts und ist auch heute noch unbequem: Der Messias beschreibt sich als Haustier, unbeholfen im Flug, das seinen Nachwuchs mit dem Körper bedeckt. Es gibt keine schonungslosere Metapher für die Passion.
Der Abschnitt hat zwei Teile, die man nicht trennen sollte. Zuerst warnen einige Pharisäer Jesus, dass Herodes ihn töten will, und bitten ihn zu fliehen. Die Antwort ist verachtete Berechnung: „Geht und sagt diesem Fuchs.“ Jesus verhandelt nicht mit der Macht; er kündigt an, dass er „heute und morgen“ weiter Dämonen austreiben und heilen wird und dass sein Werk am dritten Tag vollendet sein wird. Dann folgt die Klage über Jerusalem, die Stadt, die die Propheten tötet, und die Ankündigung, dass das Haus verlassen bleiben wird, bis man wieder sagt: „Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn!“
Die Rüstung des Paulus und der Kampf, der nicht gegen Menschen gerichtet ist
Die erste Lesung, Epheser 6, 10-20, vervollständigt den Rahmen. Paulus bittet die Christen, Kraft zu suchen „im Herrn und in der Macht seiner Stärke“ und die Waffe Gottes anzulegen, denn „unser Kampf ist nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut, sondern gegen die Mächte, gegen die Gewalten, gegen die Weltherrscher dieser Finsternis“. Der Text zählt die Ausrüstung des römischen Soldaten auf und macht daraus Tugenden: den Gürtel der Wahrheit, den Brustpanzer der Gerechtigkeit, die Schuhe des Evangeliums des Friedens, den Schild des Glaubens, den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das das Wort ist.
Die Betrachtung zum Abschnitt besteht auf einem Punkt, der leicht verloren geht: Die Rüstung ist kein Katalog von Sarracena, sondern eine Weise, mit Christus verbunden zu leben. Der Gürtel der Wahrheit verlangt, Lüge, Heuchelei und Selbstbetrug abzulehnen; der Brustpanzer der Gerechtigkeit erinnert daran, dass sich der Glaube in einem aufrechten Leben zeigt. Und Psalm 143 beschließt mit derselben militärischen Logik: „Gesegnet sei der Herr, mein Fels, der meine Hände zum Kampf ausbildet.“ Die Liturgie des Tages ist kein Salonpazifismus; sie spricht von Widerstand.
Was verspricht der Rosenkranz laut den Marienerscheinungen?
Der Gebetsaufruf an diesem Donnerstag umfasst das Beten des Heiligen Rosenkranzes um 22.00 Uhr und wiedergibt die sogenannten Rosenkranzversprechen, die den Marienerscheinungen zugeschrieben werden: Schutz und besondere Gnaden für alle, die im Glauben beten, das Versprechen, dass die Seele, die sich der Jungfrau im Rosenkranz anvertraut, „nicht zugrunde gehen wird“, die Befreiung aus dem Fegefeuer für die Frommen und Hilfe in den Nöten für alle, die diese Andacht verbreiten. Es sind fromme Formulierungen, keine definierten Dogmen, und sollten in ihrem andächtigen Kontext gelesen werden.
Das Gebet wird vervollständigt durch die Litanei, das Salve Regina und das gesungene Ave Maria sowie durch die üblichen Anliegen: Wiedergutmachung für die Beleidigungen gegen Gott und die Heiligen Herzen, Gebet für die Priester und ihre Familien, für den Papst und für den Schutz des Lebens „von der Empfängnis bis zum natürlichen Ende“. Es wird auch für die Opfer des Zugunglücks in Spanien und für ihre Familien gebetet sowie für den Schutz des Kreuzes im Valle de los Caídos und der Kruzifixe.
Der Fuchs, die Henne und die Macht, die nicht überzeugt
Es gibt eine Kuriosität, die oft unbemerkt bleibt: Herodes Antipas war am Hof als „der Fuchs“ bekannt, und Jesus verwendet diesen Beinamen ohne Umschweife. Er flieht nicht, aber er provoziert auch nicht. Er geht seinen Weg nach Jerusalem weiter, wissend, was ihn erwartet. Die Szene fasst eine Spannung zusammen, die das ganze Evangelium durchzieht: die Autorität, die droht, und die Liebe, die sich anbietet, und die Freiheit dessen, der diese Liebe ablehnt.
Die Frage, die der Text hinterlässt, ist nicht, warum Herodes Jesus verfolgt. Es ist, warum Jerusalem nicht sammeln wollte. Und diese Frage ist nicht veraltet.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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