Russland in der EU: Der Block, den niemand zulassen will

Ein eurasischer Block vom Atlantik bis zum Pazifik mit 150 Millionen Menschen und Rohstoffen wäre unaufhaltsam, doch USA und Großbritannien würden dies verhindern.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Russland in der EU: Der Block, den niemand zulassen will
Russland innerhalb der EU: Der Block, den niemand zulassen will

Die Idee, dass Russland der Europäischen Union beitritt, klingt auf den ersten Blick wie eine Stammtischprovokation. Aber die Überlegung hat ihre Logik: Ein Block, der sich vom Atlantik bis zum Pazifik erstreckt, mit 150 Millionen zusätzlichen Menschen, Rohstoffen, militärischen und weltraumtechnischen Kapazitäten sowie fast vollständiger Kontrolle über die Arktis. Die These, die das Thema durchzieht, ist, dass ein solches Konglomerat unaufhaltsam wäre. Und genau deshalb wird es nach Ansicht vieler Analysen niemals erlaubt werden.

Der Ausgangspunkt ist eine unbequeme Prämisse: Russland ist Europa, oder zumindest ebenso sehr wie jedes andere Land des Kontinents. Gegen diese Idee lautet der wiederkehrende Einwand, dass Russland schon immer mehr Asien als Europa gewesen sei und man asiatischen Ländern nicht trauen sollte. Die Diskussion verheddert sich dort zwischen Geografie, Geschichte und Misstrauen.

Was würde Europa mit Russland darin gewinnen

Das wirtschaftliche Argument ist das am häufigsten genannte. Mit Russland in der EU würde Europa aufhören, bei Energie und Mineralien von Dritten abhängig zu sein, würde zum Herzstück der Handelsrouten zwischen Asien, Europa und Afrika und seine Technologie würde sich rasant entwickeln. Es würde nichts fehlen, behaupten die Enthusiasten. Der resultierende Block wäre der mächtigste der Welt, mit militärischen und weltraumtechnischen Fähigkeiten, die er heute nicht besitzt.

Hinzu kommt der demografische Faktor: 150 Millionen Menschen, die plötzlich hinzukommen würden, was vermeiden würde, auf andere Regionen zurückgreifen zu müssen, um den Bevölkerungsrückgang auszugleichen. Auf dem Papier geht die Rechnung auf. Die Politik ist eine andere Sache.

Das Hindernis, das niemand bestreitet

Hier herrscht breiter Konsens: Die Vereinigten Staaten und Großbritannien würden jede Annäherung sabotieren. Die Idee eines eurasistischen Blocks wird als direkte Bedrohung ihrer Position wahrgenommen, und manche vertreten die Ansicht, sie würden eher Atombomben abwerfen, als solche Zusammenschlüsse zu dulden. Das gleiche Muster, das nach einigen Analysen in Lateinamerika angewandt wurde, sobald der Verdacht auf regionale Integration aufkam.

Der Krieg in der Ukraine wird aus dieser Perspektive als Instrument gelesen, genau das zu verhindern: Russland von Europa zu entfremden und jegliche beginnende Bindung zu zerreißen. Die Sabotage von Nord Stream und die Feindschaft zwischen der EU und Russland werden als Teile desselben Designs interpretiert, von dem jene profitieren, die Energie und Waffen an beide Seiten verkaufen.

Der fundamentale Einwand: Souveränität und Modell

Es gibt einen zweiten Block von Argumenten, die nichts mit Washington zu tun haben, sondern damit, was die EU selbst ist. Die Union wird als eine Erfindung beschrieben, die entstand, um einen gemeinsamen Markt zu harmonisieren, und die letztlich die Souveränität der Staaten ausgehöhlt hat, mit einem Parlament, das wenig zählt, und Regierungsorganen, die nicht demokratisch gewählt sind. Warum sollte sich Russland diesem Spiel unterwerfen?

Russland fügt sich weder dem Pogre noch den Vorgaben Brüssels und ist sehr wachsam gegenüber seinem Territorium. Das macht es undenkbar, dass es externe Diktate akzeptiert. Umgekehrt bestehen auch Zweifel daran, dass die EU einen Partner dieser Größe mit seinem eigenen Modell und seinen eigenen Interessen wollen würde.

Das übersehene interne Problem Russlands

Das Bild Moskaus überlagert den Rest des Landes. Russland ist weniger homogen, als es scheint: In einigen Gebieten stehen die Kulturen Afghanistan oder Pakistan näher als Europa. In Tschetschenien setzt sein Anführer die Scharia in einer Republik durch, die ein integrierender Teil der Föderation ist. Diese Vielfalt zu managen, ist bereits für den Kreml ein Problem, geschweige denn aus Sicht Brüssels.

Die multikulturelle Natur Russlands ergibt sich zudem aus der Aufnahme von Territorien über Jahrhunderte hinweg. Die europäische Multikulturalität wird hingegen als erzwungen und neu empfunden. Diese Asymmetrie wird sowohl für als auch gegen jede Integration als Argument verwendet.

Das sich abzeichnende Szenario

Gegenüber der Dichotomie EU-Russland gewinnt die These einer tripolaren Weltordnung an Gewicht: Die Vereinigten Staaten und Großbritannien auf der einen Seite, Eurasien auf der anderen und die BRICS ohne Russland als dritter Block. In dieser Aufteilung würde Europa in einer unbequemen Position landen, ohne eigene Rohstoffe und mit Nachbarn, die auf beiden Seiten spielen.

Die am häufigsten wiederholte Schlussfolgerung ist, dass die beste theoretische Option auch die undenkbarste ist. Niemand weiß, wie man den Knoten löst. Und genau dort bleibt die Analyse stehen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (107 Antworten).

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