Euro fällt auf 1,05 Dollar: EZB verliert Handlungsspielraum

Der Euro notiert bei 1,05 Dollar ohne Erholung nach Zinserhöhung. Die EZB stößt an ihre Grenzen und ihr Bilanzrisiko steigt bei Rückkehr zur Parität.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Euro fällt auf 1,05 Dollar: EZB verliert Handlungsspielraum
Euro fällt auf 1,05 Dollar: EZB verliert Handlungsspielraum

Der Euro notiert um 1,05 US-Dollar und sinkt weiter, ohne dass die Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) auch nur den Ansatz einer Erholung bewirkt hat. Die Parität, diese Schwelle, die vor einem Jahr mit Mühe nach oben durchbrochen wurde, rückt wieder in greifbare Nähe. Diesmal tritt die Zentralbank jedoch mit leerem Patronenmagazin an: Sie kaufte europäische Staatsanleihen zu hohen Preisen, deren Wert nun sinkt, während die Renditen steigen. Jeder Euro, der über der Parität gekauft wurde, verwandelt sich in einen Buchverlust, falls der Wechselkurs diese Marke erneut unterschreitet.

Die Diagnose, die derzeit die wirtschaftliche Analyse bestimmt, ist unbequem: Die EZB kann nicht nur die Währung nicht stützen, sondern ihr eigenes Bilanzblatt ist es, das exponiert wird. Die Frage lautet nicht mehr, ob der Euro fällt, sondern wie lange es dauert, bis er die Staatsverschuldung mit sich reißt.

Warum der Euro trotz steigender Zinsen nicht erholt

Das häufigste Argument besagt, dass Kapital in die USA abfließt. Wenn die Federal Reserve ihren Kurs Richtung 7 % beibehält – ein Niveau, das einige Banken bereits ins Spiel bringen –, zwingt das Zinsdifferential die EZB zum Handeln oder dazu, zuzusehen, wie der Euro auf 0,80 Dollar abstürzt. Die Logik ist gnadenlos: Bei geringerer Verzinsung will niemand Euro halten.

Das Problem ist, dass Europa unter Lasten leidet, die keine Zinserhöhung beheben kann. Ein schwacher Euro sollte Exporte verbilligen, aber wenn Energie und Rohstoffe in Dollar bezahlt werden, verdampft dieser Vorteil noch bevor die Ware das Werk verlässt. Die deutsche Industrie produziert zu explodierenden Kosten und zudem nur mit halber Kraft. Mehr und schneller zu niedrigeren Preisen zu exportieren ist keine Strategie: Es ist Rudern gegen die Flut, bis sie sich legt.

EZB verliert Spielraum und schreibt Verluste in der Bilanz

Die zentrale These lautet, dass die Zentralbank ausgetrocknet ist. Sie kaufte europäische Staatsanleihen, als sie teuer waren, und nun sind diese Anleihen weniger wert. Falls der Euro wieder unter die Parität fällt, führen diese Käufe zu Buchverlusten. Das ist kein Detail: Eine Zentralbank mit Verlusten hat weniger Glaubwürdigkeit für weitere Interventionen.

Manche behaupten, Zentralbanken gehen nie buchstäblich das Geld aus, doch dieses Argument prallt auf die Marktrealität: Die Munition ist nicht unbegrenzt, wenn jeder Schuss das Loch vergrößert. Die Zinserhöhung am Donnerstag löste nicht einmal eine kümmerliche Rally aus. Dieses Schweigen des Marktes sagt mehr als jede Pressemitteilung.

Deutschland, Energie und der kommende Winter

Der deutsche Motor trägt viel zum Pessimismus bei. Der Krieg in der Ukraine war der letzte Stoß für eine Wirtschaft, die ohnehin angeschlagen war. Ohne billige Energie verliert die Industrie Wettbewerbsfähigkeit, und das Land, das die europäische Architektur trug, beginnt zu wanken.

Hinzu kommt ein Cocktail, den mehrere Analysen ungeschminkt auflisten: explodierende Energiekosten, eine alternde Bevölkerung, Regierungen, die spät und falsch handeln, sowie eine EZB, die bei jeder Entscheidung im Rückstand ist. Die Geldpolitik, so heißt es, habe stets hinter den Ereignissen hergehinkt.

Stagflation, 6 % Schuldenzinsen und das Oktober-Gespenst

Das Szenario deutet auf harte Stagflation hin: hartnäckige Inflation bei stagnierendem Wachstum. Die aggressivsten Prognosen sprechen von T-Bills und Anleihen bei 6 % und Einlagen bei 7 %. Trifft dies ein, schießen die Finanzierungskosten für Haushalte und Unternehmen in die Höhe und der Kreditmarkt trocknet aus.

Die schwebende Frage ist, wann es knallt. Manche tippen auf Oktober, andere verschieben den Ausbruch auf 2024 oder sogar Januar 2025. Niemand kennt das Datum, aber fast alle sind sich einig, dass das Konstrukt strukturelle Designfehler hat. Keine Währungsunion funktionierte je ohne dahinterliegende Fiskalunion.

Was Europa verkauft und was der Euro wirklich wert ist

Das stärkste Argument betrifft nicht die Zinsen, sondern die Produktion. Der Wert einer Währung hängt davon ab, was man damit kaufen kann, und in Europa verschwindet zunehmend das, was produziert wird. Was verkaufen wir, das für andere Länder interessant ist? Was erhalten jene, die uns Rohstoffe oder Waren verkaufen, im Gegenzug? Das ist der reale Wert des Euro, und ihn legt nicht die EZB fest.

Währenddessen sehen die Gesichter in der Supermarktschlange traurig aus. Die Gesellschaft hält ein Konsumtempo durch, das sie nicht mehr tragen kann. Ölpreise steigen, der Euro fällt, und das Gefühl ist das einer Armut, die einen zurückwirft.

Wie lange braucht eine Zentralbank, um zuzugeben, dass sie ihre eigene Währung nicht mehr kontrolliert?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (144 Antworten).

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