Ende der Preisbindung lässt argentinische Lebensmittelpreise um bis zu 180 % steigen

Das Auslaufen des Programms Precios Justos in Argentinien führt zu Preissprüngen von bis zu 180 %, besonders bei Öl, Mehl und Backwaren.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ende der Preisbindung lässt argentinische Lebensmittelpreise um bis zu 180 % steigen
Ende der Preisbindung lässt argentinische Lebensmittelpreise um bis zu 180 % steigen

Am Montag fiel die Fessel. Die Lebensmittel- und Konsumgüterunternehmen, befreit von den Vereinbarungen mit Sergio Massa, begannen Listen mit Preissteigerungen zwischen 20 % und 25 % für Artikel zu versenden, die noch unter dem Programm Precios Justos fielen. Das Argument der Hersteller ist einfach: Supermärkte hatten ihre Preise monatelang gedrückt, während dasselbe Produkt im lokalen Tante-Emma-Laden oder im chinesischen Selbstbedienungs-Markt deutlich teurer verkauft wurde, da dort keine offiziellen Kontrollen griffen. Nun muss ausgeglichen werden. Und das bedeutet, die Einkaufskörbe der Verbraucher zu belasten.

Die Daten der Vorwoche deuteten bereits an, was kommen würde. Die Beratungsfirma EcoGo berechnete einen durchschnittlichen Anstieg von 8,2 % bei Lebensmitteln, während Massa nach der Stichwahl eine Erhöhung von 12 % und weitere 8 % für die erste Dezemberwoche vereinbart hatte. Die Realität sprengte jedoch beide Szenarien: Bei Großhändlern und Selbstbedienungsmärkten stiegen die Preise um 35 % bis 50 %. Die großen Ketten jagen nun dieser Referenz hinterher.

Warum Speiseöl von 800 auf 2.000 Peso pro Liter springt

Hier trifft es am härtesten. Produkte, die über Treuhandfonds (Fideicomisos) subventioniert wurden – Öl, Nudeln, Mehl, Backwaren –, profitierten von Zuschüssen durch Exporteure und den Staat. Diese Mittel sind nun erschöpft. Ohne diese Hilfe und angesichts künstlich niedriger Preise führen Anpassungen zu Steigerungen zwischen 100 % und 180 %. Laut Branchenketten steigt der Ölpreis von 800 auf 2.000 Peso pro Liter. Toastbrot verteuert sich um 80 %. Auch Reis wird einen Sprung machen.

Und es ist nicht die einzige Front. Listen von Herstellern von Bier, Wasser, Softdrinks, Milchprodukten und Toastbrot zeigten Steigerungen zwischen 45 % und 80 %. Eine Anpassung, die zwei Dinge kombiniert: den Wegfall der Subventionen und die Nachholung eines Preises, der monatelang eingefroren war, während die Inflation weiterlief.

Die 45-%-Lücke zwischen Supermarkt und Selbstbedienungsmarkt

Der Plan der Hersteller sieht vor, dass die Preise im Supermarkt und im chinesischen Markt gleich sein sollen. Die Ketten warnen, dass diese Lücke – die bis zu 45 % betragen kann – kein natürliches Phänomen sei. Sie entstand, weil viele Lieferanten ihre Verluste im Supermarkt durch höhere Preise im Selbstbedienungsgeschäft ausgleichen mussten. „Der Preis im Laden oder im chinesischen Markt ist aufgebläht, er wäre logisch nicht gerechtfertigt“, fasst eine Quelle zusammen. „Aber alles deutet darauf hin, dass die Hersteller diesen Unterschied angleichen werden.“

Währenddessen spannt sich die Lieferkette. In einer anderen Kette gibt man zu, dass man „durchhält und so wenig wie möglich einkauft“, und einige Lieferanten haben die Lieferungen direkt eingestellt. Der Teil der Anpassung, der noch nicht umgesetzt wurde, wird in den nächsten Tagen in den Regalen sichtbar werden.

Gas für 80 Cent monatlich: Ein Beispiel aus der Debatte

Ein Detail hilft zu verstehen, warum diese Anpassung als Schock empfunden wird. Manche argumentieren, dass Energie- und Kraftstoffpreise so lange gedämpft waren, dass ein Durchschnittsnutzer nur 80 Cent pro Monat für Gas und 35 Cent pro Liter für Benzin zahlte. Dieses Bild bricht nun zusammen. Auf der anderen Seite wird argumentiert, dass Lebensmittel auf einem globalen Markt gehandelt werden: Niemand verkauft ein Produkt für ein Viertel dessen, was er in einem anderen Land erzielen könnte. Diese Lücke drückt den argentinischen Lohn. Es kursiert die Legende, dass spanisches Olivenöl in Argentinien billiger sei als in Jaén. Mit den neuen Preislisten hat diese Anomalie bald ein Ende.

Warum Preisbindungen oft zu Engpässen führen

Das theoretische Argument ist alt: Setzt man eine Obergrenze für ein Grundnahrungsmittel unter dessen Kosten, verschwindet es aus den Regalen und wandert in Parallelmärkte. Die oft zitierte Referenz ist fast siebzehn Jahrhunderte alt: das Edikt von Diokletian. Der jüngste Präzedenzfall in der Debatte betrifft Antigentests: Als die Regierung deren Preis auf 2,94 Euro deckelte, blieben die prognostizierten Engpässe und Schwarzmarktaktivitäten aus, weil die Produktionskosten weit unter dieser Grenze lagen. Bei Öl oder Mehl sieht die Gleichung anders aus, denn die Obergrenze lag tatsächlich unter den realen Kosten.

Das venezolanische Spiegelbild taucht auf, sobald über regulierte Produkte gesprochen wird: leere Regale bei kontrollierten Artikeln, während alles zum Marktpreis im informellen Kanal verfügbar ist. Die Diskussion, ob dies eine Warnung oder eine Übertreibung ist, zieht sich durch das gesamte Thema.

Was Milei zur Inflation sagte und was noch offenbleibt

Die Warnung stand schon vor den neuen Listen im Raum. Javier Milei hatte angekündigt, dass die Preisanpassung die Inflation kurzfristig hochtreiben würde. Sein Argument: Es nütze nichts, Lebensmittel oder Transport billig zu halten, wenn dies den Haushalt belaste oder zu Engpässen führe. Das Kernproblem sei die Geschwindigkeit: Bei einer monatlichen Inflation von rund 15 % halbiert sich jeder Einkommenswert innerhalb von drei Monaten. Diese Spirale zu brechen habe Vorrang, bevor andere Themen diskutiert würden.

Vergangenheitsbeispiele helfen kaum. Als Macri Präsident wurde, führte die Abwertung unter Prat Lgtb dazu, dass der Wechselkurs bei etwa 15 Peso pro Dollar lag, fast gleichauf mit dem Parallelmarkt. Damals wurde versprochen, dass die Lebensmittelkosten nicht weitergegeben würden. Der Rest der Geschichte ist bekannt.

Der Punkt, an dem alles feststeckt, ist derselbe wie immer: Wie lange dauert es, bis eine Anpassung zu sinkenden Preisen führt? Manche behaupten, der Markt stabilisiere sich nach einigen Monaten der Schwankungen von selbst; andere erinnern daran, dass in Argentinien steigende Preise selten wieder fallen. Dazwischen steht die Warnung, dass jene, die sich den Warenkorb nicht mehr leisten können, reagieren werden. Genau dort bleibt die Diskussion unbeantwortet.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (326 Antworten).

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