Disney verliert die Krone: Vier Flops im Jahr 2023
Das Jubiläumsjahr endete ohne Triumph. Disney, das Unternehmen, das fast ein Jahrzehnt lang die weltweiten Kinocharts dominierte, schloss das Jahr 2023 hinter Universal ab. Vier der teuersten Produktionen blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Kein Titel des Studios landete auf dem Podium des Jahres, das von Barbie, The Super Mario Bros Movie und Spider-Man: Across the Spider-Verse besetzt wurde. Die Micky-Maus-Fabrik platziert zwar noch vier Filme unter den Top Ten der umsatzstärksten Werke, doch der Druck, den Thron zurückzuerobern, war nie deutlicher.
Erstmals seit Jahren kein Disney-Film auf dem Treppchen
In den USA sicherte sich Warner Bros mit Barbie und 636 Millionen Dollar den ersten Platz vor Universal und Columbia. Disney hatte keinen Film unter den drei Besten. Das Unternehmen führt die Differenz auf weniger Veröffentlichungen zurück — 17 im Vergleich zu Universals 34 — und behauptet, dies erkläre die Lücke von 80 Millionen zwischen den beiden Studios, die beide das Jahr mit knapp 5 Milliarden Dollar Umsatz beendeten.
Dieses Argument hat jedoch einen offensichtlichen Haken: Es erklärt nicht, warum die tatsächlich veröffentlichten Titel so schlecht abschnitten. Indiana Jones und das Rad des Schicksals erreichte weltweit nur 383 Millionen Dollar bei Produktionskosten von 300 Millionen. Ant-Man and the Wasp: Quantumania kam auf 476 Millionen. The Marvels erzielte 205 Millionen, obwohl die Kosten für Produktion und Marketing über 300 Millionen lagen. Und das Remake von Arielle, die Meerjungfrau, siebtplatzierte des Jahres mit 569 Millionen, blass im Vergleich zu König der Löwen (1,6 Mrd.), Die Schöne und das Biest (1,3 Mrd.) und Aladdin (1,05 Mrd.).
Wie viel muss ein Film einspielen, um profitabel zu sein?
Hier liegt die Falle bei der Betrachtung der Roh-Einspielergebnisse: Vom Ticketpreis lebt nicht nur das Studio. Nach Berechnungen einiger Branchenbeobachter erhält der Produzent etwa 40–45 % der Einnahmen; der Rest wird zwischen Verleihern, Kinos und in Spanien auch dem Finanzamt (Hacienda), das rund 10 % einbehält, aufgeteilt. Hinzu kommt, dass das Werbebudget oft die Produktionskosten verdoppelt: Je teurer der Film, desto mehr muss für Promotion ausgegeben werden. Die Bilanz kippt schnell. Nach dieser Logik bräuchte ein Film wie Indiana Jones fast 700–800 Millionen Dollar, um keine Verluste zu machen. Er machte 383.
Daher ist die schnelle Rechnung, die kursiert — Einspiel durch Investition teilen und eine Rendite von 27 % ausrufen — eine buchhalterische Scherzfrage. Auf dem Papier sind 383 gegenüber 300 rentabel. In der Praxis nicht. Und es bleiben die späteren Fenster, Videotheken und TV-Rechte, deren Erlöse immer geringer ausfallen.
Der Verschleiß der Franchises: Star Wars, Marvel und verbrannte Nostalgie
Für viele Beobachter haben einst sichere Wetten ihre Anziehungskraft verloren. Star Wars habe seit Jahren eine Kluft zu einem großen Teil seiner Fangemeinde, und die Sättigung mit Superheldenfilmen habe ihren Tribut gefordert. Marvel funktioniere, so die These, nicht mehr aus Trägheit: Während Guardians of the Galaxy Vol. 3 und Deadpool & Wolverine gut liefen, scheiterten andere Fortsetzungen. Im Gegensatz dazu wird Andor als Ausnahme angeführt, die zeigt, dass man Star Wars für Erwachsene produzieren kann, was dann auch funktioniert.
Ein weiteres Problemfeld ist die Animation. Elemental war der zweitschlechteste Start in der Geschichte von Pixar, ein Umstand, der besonders schmerzt, wenn man ihn mit der Ära vergleicht, in der fast jeder animierte Neustart des Hauses zum Kassenschlager wurde. Das Gefühl eines erschöpften Katalogs — die Klassiker sind ausgeschlachtet, die Sequels gedreht — beginnt die strategische Planung zu belasten.
Die These vom ideologischen Wandel
Viele Kritiken am Einbruch beziehen sich nicht auf Drehbücher oder Budgets, sondern auf einen ideologischen Kurswechsel bei den Inhalten, zusammengefasst im Slogan go proge, go broke: Die Idee, dass Disney Diversitäts-Agendas über Unterhaltung gestellt habe und das Publikum mit Gleichgültigkeit oder Ablehnung reagiert habe. Hier spaltet sich die Diagnose. Manche sehen darin die direkte Ursache für den Zuschauerverlust; andere argumentieren, das Problem liege in mangelnder Qualität und Franchise-Sättigung, und dass das Publikum keine vielfältigen Charaktere ablehne, sondern schlecht gemachte Filme ohne gutes Skript. Über diese Kluft lässt sich keine Zahl festlegen.
Disney+, 7.000 Entlassungen und Igers Rückkehr
Auch die finanzielle Seite sieht düster aus. Bob Iger kehrte 2022 nach der Entlassung von Bob Chapek an die Spitze zurück und setzte einen Sparplan mit 7.000 Entlassungen um. Die Plattform Disney+ meldete im letzten Quartal 387 Millionen Dollar Verlust, eine deutliche Reduktion gegenüber den 1,4 Milliarden im Vorjahreszeitraum, aber dennoch Verluste. Der monatliche Abopreis stieg von 8,99 auf 11,99 Euro, und Inhalte wurden zur Kostensenkung entfernt, was wenig beliebt war. Hinzu kommen sechs Monate Streiks der Autoren und Schauspieler, Spannungen mit dem Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, sowie der Druck des Aktionärs Nelson Peltz, der überzeugt ist, dass das Unternehmen einen Kurswechsel braucht, um den Aktienkurs wiederzubeleben.
Hat das Franchise-Modell von Disney Zukunft?
Die Frage ist nicht, ob Disney 2024 den Thron zurückgewinnt, sondern ob das Modell aus extrem teuren Franchises plus subventionierter Streaming-Plattform ein weiteres Jahr mit lauwarmen Starts übersteht. Der Einzug der künstlichen Intelligenz in die Animationsproduktion — so einige Stimmen — würde die Einstiegshürden senken und die Konkurrenz vervielfachen; die klassischen Franchises haben ihr Potenzial ausgeschöpft; und weder Fluch der Karibik noch Indiana Jones stehen heute für bahnbrechende Erfolge. Die vollständige Berechnung dessen, was jeder Film einspielen müsste, um schwarze Zahlen zu schreiben, ergibt eine schockierende Zahl, und hier herrscht völliger Dissens: Einige legen den Schwerpunkt auf die Ideologie, andere auf Ideenmangel. Niemand bestreitet die Kosten.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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