Die Kürzungen am subventionierten Kultursektor in Argentinien und den USA haben nicht den vorhergesagten Kollaps ausgelöst. Was passiert ist: Ein Teil des offiziellen Narrativs wird nicht mehr ausgestrahlt, und das öffnet die Tür, den Rest des staatlichen Diskurses in Frage zu stellen.
Die Kürzung des öffentlichen Rundfunks in **Argentinien** und den **USA** hat nicht das Ende der Zivilisation gebracht, das viele prophezeit hatten. Sie hat etwas Leiseres und Tieferes gebracht: Ein Teil des Hintergrundrauschens verstummt. Und diese Stille ist, weit davon entfernt, ein Vakuum zu sein, ein Raum, in dem die Realität ihren Platz zurückerobert.
## Was in Argentinien und den USA passiert ist
Präsident **Javier Milei** hat die Geldzufuhr zum subventionierten Kultursektor in Argentinien gekappt. In den **USA** hat Washington den Geldhahn für den öffentlichen Rundfunk zugedreht. In beiden Fällen sind die versprochenen sozialen und kulturellen Kollapse ausgeblieben. Niemand ist gestorben, weil ein staatliches Fernsehen oder Radio nicht mehr finanziert wird. Was passiert ist: Ein Teil des Diskurses, der täglich mit dem Geld aller ausgestrahlt wurde, wird nicht mehr gesendet.
Das ist kein Detail am Rande. Jahrelang hat dieser Diskurs wie ein ständiges Trommeln gewirkt: eine Version der Realität, die jede Abendnachricht, im öffentlichen Radio, in den Subventionen für Kino und Theater wiederholt wurde. Dieses Trommeln war nicht unschuldig. Es diente dazu, ein bestimmtes Narrativ über die Wirtschaft, über die Gesellschaft und darüber zu stützen, was man denken darf.
## Die Dissonanz, die das Narrativ trägt
Millionen Menschen leben seit Jahren mit einer kognitiven Dissonanz, die sie kaum auszusprechen wagen. Was sie auf ihrer Straße, auf ihrem Gehaltszettel, in ihren Rechnungen, in ihrem Krankenhaus, in der Schule ihrer Kinder sehen, stimmt nicht mit dem überein, was man ihnen um neun Uhr abends erzählt. Diese Kluft bleibt bestehen, solange das offizielle Narrativ ohne Pause wiederholt wird. Die Aufgabe des subventionierten Kultursektors ist nicht die Information: Sie besteht darin, diese Kluft mit einer Schicht von Erklärungen zu überdecken, die immer am Markt, am Unternehmer oder an denen schuld sind, die das Märchen nicht glauben.
Wenn dieses Trommeln aufhört, wird die Dissonanz nicht mehr überdeckt. Die Realität findet ihren Platz zurück. Und dann stellt sich die Frage, die niemand stellen will: Wenn man mir eine Geschichte über die Kultur, über die Gesellschaft, über das erzählt hat, was ich denken darf – worüber hat man mich sonst noch belogen?
## Dasselbe System auf beiden Seiten
Die Antwort kommt schnell: die Wirtschaft. **Fünfzig Jahre lang** wurde erklärt, der Sozialstaat sei ein Vorbild, Staatsausgaben seien Investitionen, Steuern seien Solidarität, und Schulden seien kein Problem. Die Daten zeigen jedoch etwas anderes: Rekord bei den Zwangsabgaben, verfallende öffentliche Dienstleistungen und erdrosselte Mittelschichten. Das Narrativ hält sich nur, weil ein ganzer Kultursektor es glaubwürdig macht.
Da liegt der Punkt, den niemand sehen will: Kultureller Etatismus und wirtschaftlicher Etatismus sind keine zwei getrennten Themen. Sie sind dasselbe System. Das eine produziert die Misserfolge; das andere das Narrativ, das sie entschuldigt. Ein Staat, der schlecht ausgibt, braucht einen Kultursektor, der erklärt, dass alles gut läuft und das Problem immer der Markt ist. Nimmt man das Narrativ weg, wird der Misserfolg sichtbar. Der Wirtschaftsdiskurs der Linken wird unhörbar – nicht, weil er verboten wurde, sondern weil niemand mehr dafür bezahlt, ihn hörbar zu machen.
## Die Welle, die Europa erreicht
Europa ist der nächste Vorführraum. In **Frankreich** lebt das System aus **France Télévisions**, **Radio France** und dem **CNC** von öffentlichen Geldern und erklärt jede Nacht, wie man zu denken hat. An dem Tag, an dem dieses System seine Gelder verliert, stirbt es nicht plötzlich. Es hört einfach auf zu senden. Und dort beginnt alles.
Die politische Frage ist unbequem für jeden, der ihr ins Gesicht blicken will. Man kann die ideologische Hegemonie über die Kultur nicht abbauen und gleichzeitig den wirtschaftlichen Etatismus erhalten. Kappt man das eine, stürzt das andere dahinter ein. Den öffentlichen Rundfunk privatisieren zu wollen, während man immer mehr Umverteilung, mehr Ausgaben und mehr Staat verspricht, heißt, an dem Ast zu sägen, auf dem man sitzen will. Wähler, die in Kulturfragen die Augen geöffnet haben, werden sie auch in Wirtschaftsfragen öffnen. Und sie werden von allen Rechenschaft fordern, auch von denen, die ihnen beim Aufwachen geholfen haben.
Der Etatismus existiert nicht ohne die Lüge des Etatismus. Und die Lüge des Etatismus existiert nicht ohne die Kontrolle über die Kultur. Zieht man an einem Faden, kommt der ganze Pullover mit. Die Welle kommt. Die einzige Frage ist, wer bereit ist, wenn sie Europa erreicht.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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