Freundschaften im Büro: Lebensretter für Frauen in einer patriarchalischen Welt

Zwischen 37 % und 46 % der Beschäftigten in Spanien berichten von Stress, Depressionen oder Ängsten wegen des Jobs. Freundschaften im Büro wirken als Stütznetz.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Freundschaften, die bei der Arbeit entstehen, wirken als emotionales Stütznetz gegen fordernde und oft toxische Arbeitsumgebungen. Die verfügbaren Daten weisen bei den spanischen Erwerbstätigen sehr hohe Zahlen psychischer Belastung durch den Job aus.

Freundschaften, die man im Büro schließt, sind kein Schmuck. Sie funktionieren als Stütznetz, das hilft, die eigene Identität zu bewahren, wenn der Job zu viel verlangt. Die Metapher vom Rettungsring ist nicht zufällig: In einer Umgebung, die feindselig werden kann, verändert es das Arbeitserleben, jemanden in der Nähe zu haben, der versteht, was los ist, ohne dass man es erklären muss.

## Die Belastung am Arbeitsplatz in Zahlen

Laut dem Bericht „Salud Mental y Trabajo“, den die **UGT** (eine große spanische Gewerkschaft) **2025** veröffentlichte, berichten zwischen **37 %** und **46 %** der Beschäftigten in Spanien von Stress, Depressionen oder Ängsten im Zusammenhang mit dem Job. Das sind Zahlen, die von einer weitverbreiteten Belastung zeugen, nicht von Einzelfällen.

Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz kam in der Umfrage **OSH Pulse 2025**, die sich mit psychischer Gesundheit im Arbeitsleben befasste, zu ähnlichen Ergebnissen. Rund **65 %** der Beschäftigten litten in den letzten zwölf Monaten unter gesundheitlichen Problemen, die durch die Arbeit verursacht oder verschlimmert wurden. Und **29 %** nannten konkret Stress, Depressionen oder Ängste, die durch ihren Job verursacht oder verschärft wurden.

Dieser Kontext zeichnet eine unbequeme Realität: Die Arbeit, die eigentlich Einkommen und Erfüllung bieten sollte, wird für viele Menschen zu einer Quelle psychischer Abnutzung. Und in diesem Szenario gewinnen die Bindungen, die im Büro entstehen, eine andere Dimension.

## Konkurrenzdenken als Verschärfung

Manche Unternehmen fördern die Rivalität unter den Beschäftigten. Die Journalistin **Beatriz Serrano**, Autorin des Romans *El descontento*, beschreibt, wie diese Dynamik in eine Entmenschlichung führen kann, bei der der andere einfach nur als Konkurrent wahrgenommen wird. Wenn der Knopf der Empathie ausgeschaltet werden muss, können Freundinnen in diesem feindseligen Umfeld ein Rettungsring sein.

In ihrem Buch zeichnet Serrano die generationelle Müdigkeit derer nach, die viel geopfert haben und sich trotzdem jeden Tag weiter anstrengen, um eine unbefriedigende Gegenwart zu leben. Bei der Arbeit, sagt sie, steckt eine Generation in Einstiegspositionen fest, immer an der Schwelle zum Erwachsenenleben, ohne jemals über die Treppenstufe hinauszukommen. Draußen erzeugen die Mieten, die teurer werdende Einkäufe und das Fehlen von Gemeinschaft ein zunehmend spürbares Gefühl der Isolation.

Das Büro wird damit zu einem der wenigen Orte, an dem man jemanden findet, mit dem man teilen kann, was los ist. Nicht nur das Berufliche: auch Schwangerschaften, Umzüge, Trennungen, Krankheiten, Geldsorgen. Dinge, die nichts mit den Projekten der Firma zu tun haben, aber zum Leben gehören.

## Die Gefahr, sich selbst zu verlieren

Die Psychologin und Neurowissenschaftlerin **Mar Ricart** erklärt, dass Bürofreundschaften das Arbeitserleben zu etwas Gemeinsamem machen, das niemand verstehen kann, der es nicht selbst vor Ort erlebt. Und sie warnt vor einer konkreten Gefahr: Wir können das Gefühl haben, uns selbst zu entfremden, wenn fast unsere gesamte Energie der Arbeit gewidmet ist.

Wir kapseln uns ab, um weiter funktionieren zu können, und haben keinen Raum mehr, uns zu fragen, was wir brauchen oder was uns lebendig fühlen lässt. Das führt zu einem Zustand der Depersonalisation, weil man zu lange im Autopiloten funktioniert hat.

Der französische Anthropologe **Marc Augé** prägte den Begriff der Nicht-Orte für diese Durchgangsräume ohne eigene Identität: Rolltreppen, U-Bahn-Gänge, Supermärkte. Ob ein Büro zu einem Nicht-Ort wird oder nicht, hängt von den Menschen darin ab. Die Freunde, die man dort findet, sind eine Abkürzung, wenn man den Weg zurück zu sich selbst nicht findet.

## Bündnisse mit langer Tradition

Diese Bündnisse sind kein neues Phänomen. Serrano erinnert daran, dass unsere Großmütter und Mütter sich in sehr sens Kontexten mit deutlich schlechteren Arbeitsbedingungen behaupten mussten. Auch wenn arbeitsrechtliche Rechte erkämpft wurden, war in jenem Kontext der verständnisvolle Blick genauso wichtig wie heute.

Die Populärkultur hat diese Verbundenheit vielfach dargestellt. **1980** spielten **Jane Fonda**, **Lily Tomlin** und **Dolly Parton** in *Nine to Five* unter der Regie von **Colin Higgins** drei Angestellte, die die sens Attitüden ihres Chefs ertragen. Nach einem Unfall, der den Vorgesetzten beinahe das Leben kostet, verbünden sie sich und setzen Maßnahmen durch, die die Bedingungen ihrer Kolleginnen verbessern. Als der Chef zurückkehrt, stellt er fest, dass diese Maßnahmen beim CEO selbst wegen ihrer guten Ergebnisse Anerkennung finden, was ihn zwingt, sie zu respektieren. Der Film war für die Oscars nominiert.

Die Serie **Severance**, erschaffen von **Dan Erickson**, führt diese Idee ins dystopische Extrem: Die Beschäftigten löschen alle Erinnerungen an ihr Außenleben, solange sie im Büro sind. Die Flure und Räume sind so gestaltet, dass diese Dissoziation von den eigenen Emotionen verstärkt wird. Erst als sich echte Beziehungen zwischen den Kollegen entwickeln, beginnen sie zu begreifen, dass sie da heraus müssen.

Ricart bringt es auf den Punkt: Freundinnen und Freunde, ob aus dem Büro oder von anderswo, wirken als Stütznetz und sind manchmal sogar ein Anker, der hilft, man selbst zu bleiben in einer Umgebung, die verlangt, immer hundert Prozent zu geben. Auf einem Arbeitsmarkt, der isolieren kann, ist diese Verbundenheit kein Luxus. Für viele Menschen ist sie das, was den Alltag erträglich macht.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (8 Antworten).

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