Die peruanische Zwei-Meter-Theorie: Anatomie eines historischen Hoaxes

Ein Bild schreibt den Peruanern eine Körpergröße von zwei Metern gegenüber den Konquistadoren zu. Die verfügbaren Daten deuten auf das Gegenteil hin: 168-170 cm im Durchschnitt…

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die peruanische Zwei-Meter-Theorie: Anatomie eines historischen Hoaxes
Die peruanische Zwei-Meter-Theorie widerlegt sich selbst

Ein in sozialen Netzwerken kursierendes Bild behauptet, die peruanischen Indigenen seien bei der Ankunft der spanischen Konquistadoren über zwei Meter groß gewesen, und die Spanier hätten mit ihrer geringen Körpergröße ihre Herrschaft durchgesetzt. Die als wissenschaftliche Erkenntnis präsentierte Behauptung stützt sich auf eine Illustration aus dem 19. Jahrhundert und eine sehr freie Lesart der Chroniken. Das Ergebnis ist eine Erzählung, die mehr über die Gegenwart als über das 16. Jahrhundert aussagt.

Die zentrale Zahl hält dem Vergleich mit einfacher Arithmetik nicht stand. Die Spanier des 16. Jahrhunderts lagen den in der Diskussion verwendeten Berechnungen zufolge im Durchschnitt bei 168-170 Zentimetern. Die Andenvölker hingegen gehören zu den kleinstgewachsenen des Kontinents. Der Unterschied beträgt nicht zwei Meter, sondern Zentimeter, und in manchen Fällen zugunsten der Europäer.

Woher die Legende von den patagonischen Riesen stammt

Die Verwechslung hat einen konkreten Ursprung. Die Chroniken von Magellans Expedition beschreiben die Völker Patagoniens als Männer von großer Statur, und daraus entstand der Mythos der Riesen. Diese Beschreibung, die sich auf einen bestimmten Stamm am äußersten Süden bezog, wurde ohne Hemmungen auf den gesamten Kontinent übertragen und in der kreativsten Version auf die Anden.

Manche argumentieren, die durchschnittliche Körpergröße der Indigenen sei sehr unterschiedlich gewesen und habe in einigen Stämmen Nordmexikos oder Patagoniens die der Spanier übertreffen können. Das Argument ist vernünftig, stützt aber weder die Zwei-Meter-These noch die einer allgemeinen körperlichen Überlegenheit. Die Variabilität existiert; die Übertreibung auch.

Die Ernährung als Erklärung der Körpergröße

Die solideeste Angabe in der Diskussion hat nichts mit Riesen zu tun, sondern mit Proteinen. Die Einführung von Huhn, Schwein, Rind, Schaf und Ziege auf dem amerikanischen Kontinent fiel mit einer Zunahme der Körpergröße der in die Armee eingegliederten Einheimischen um 8 Zentimeter in 100 Jahren zusammen. Das heißt: Die Körpergröße war kein Wesensmerkmal, sondern eine Folge der Ernährung.

Diese Angabe entkräftet die rassistische Lesart des Themas. Wenn die Körpergröße von der Genetik abhinge, wäre sie nicht um acht Zentimeter in einem Jahrhundert gestiegen. Sie stieg, weil sich änderte, was gegessen wurde. Die Theorie von den zwei Meter großen Peruanern ist nicht nur falsch: Sie ist überflüssig, um irgendetwas zu erklären.

Die Erzählung, die die Eroberung zu einer Heldentat von Zwergen macht

Die Diskussion driftet ins Ironische ab. Man scherzt, Isabella die Katholische habe die kleinsten Spanier geschickt, um die Einheimischen nicht zu erschrecken, und die Pinzón-Brüder aus dem Lied seien keine Brüder, sondern Zwerge gewesen. Der Spott ist nicht harmlos: Er zielt auf eine weit verbreitete Vorstellung, dass die Eroberung Amerikas eine Heldentat weniger gegen Millionen war.

Die immer wiederkehrende Rechnung ist die von 14 Spaniern, die ein Reich unterwerfen konnten. Die Zahl, eher symbolisch als wörtlich, fasst das Erstaunen zusammen. Und daraus entsteht die defensive Reaktion: Waren die Einheimischen Riesen, ist die Heldentat größer; waren sie klein, ist die Heldentat noch unerklärlicher. In beiden Fällen wird die Erzählung konstruiert, um dasselbe zu rechtfertigen.

Warum der Hoax besser funktioniert als die Daten

Die Zwei-Meter-Theorie kursiert, weil sie zu einer bereits bestehenden Erzählung passt. Manche schreiben sie einer angeblichen Strömung französischer Historiker zu, die Spanien diskreditieren wollen, andere reduzieren sie auf Ressentiment-Propaganda. Keine der beiden Erklärungen hält einer Prüfung stand, aber beide schüren dasselbe Feuer.

Das eigentliche Problem ist nicht historisch, sondern psychologisch. Wenn jemand sein mentales Gebäude auf einer Idee errichtet hat, vermeidet er, in das einzudringen, was sie zerstört. Das gilt für die peruanischen Riesen und für fast alles andere. Das Bild kursiert weiter, weil die Daten, die es widerlegen, Lesen erfordern, und der Hoax nur Teilen verlangt.



Die Diskussion steckt an demselben Punkt fest, an dem sie begann: Niemand hat ein einziges Grab, ein einziges Skelett oder einen einzigen Beleg vorgelegt, der die zwei Meter bestätigt. Die verfügbare Archäologie stützt die Legende nicht. Und dennoch wird das Bild weiter kursieren, weil die Erzählung unterhaltsamer ist als die Realität.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (103 Antworten).

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