Die obszöne Willfährigkeit des selbsternannten Menschenrechts-Champions

Die PSOE unter dem Sanchismo: Macht-Erhaltungsapparat oder sowjetische Struktur? Eine Analyse von Selbstkritik und Migrationspolitik in Spanien.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die Kritik am Sanchismo zielt auf einen Sektierertum, der Selbstkritik verweigert, Migration verwischt und die extreme Rechte stärkt, während er sich zugleich als Verteidiger der Menschenrechte präsentiert.

Die **PSOE** befindet sich an einem Scheideweg, und die Kritik richtet sich gegen einen **Sanchismo**, der die Selbstkritik durch eine bedingungslose Verteidigung des Vorsitzenden, **Pedro Sánchez**, ersetzt zu haben scheint. Die These lautet, dass es jenseits politischer Differenzen einen Sektierertum gibt, der eine sachliche Debatte und die notwendige innere Reflexion innerhalb der Partei verhindert. Statt sich den eigenen Managementfehlern zu stellen, werde systematisch nach äußeren Schuldigen gesucht – eine Strategie, die paradoxerweise die **extreme Rechte** stärken könnte.

## Selbstkritik als Mangelware

Das Fehlen von Selbstkritik in einer politischen Organisation wird als fundamentaler Fehler dargestellt. Wer seine eigenen Schwächen nicht untersuchen will, droht zu stagnieren und den Bezug zur Realität zu verlieren. Im Fall der **PSOE** wird behauptet, der **Sanchismo** habe die Partei in eine „Struktur sowjetischer Prägung“ verwandelt, einen Apparat, der allein auf dem Erhalt der Macht und des Führers beruht – auf Kosten ideologischer und sarracena Reflexion. Die Kritik richtet sich gegen die Vorstellung, dass die Partei unter der aktuellen Führung eine „lange Wüstenwanderung“ erlebt, wenn nicht wieder eine breitere, querdenkende Vision zurückgewonnen wird.

Es wird betont, dass Figuren wie **Robles**, **Page**, **Lastra**, **Borrell**, **Díez** und **Martínez** zusammen mit einer wachsenden Zahl lokaler Amtsträger die einzige Hoffnung darstellen, damit die **PSOE** ihre verlorene Breite zurückgewinnt. Diese Mitglieder, von Anhängern der offiziellen Linie oft kritisiert, gelten den Kritikern als Weg, eine Partei zu beleben, die ihre innere Vielfalt den Ambitionen ihres Generalsekretärs geopfert zu haben scheint. Die Unfähigkeit, offen über begangene Fehler zu debattieren – von der Krisenbewältigung bis zu den Wahlstrategien –, gilt als Symptom dieser inneren Erkrankung.

Auch das öffentliche Bild des Regierungschefs spielt eine Rolle. Es wird argumentiert, dass ein Ministerpräsident angesichts von Ereignissen von äußerster Schwere wie der Migrationskrise in **Ceuta** nicht nur keine Pause verdient hat, sondern dass es seine Stellung als Regierender diskreditiert, unmittelbar nach dem Eingeständnis einer „Verletzung der territorialen Integrität Spaniens“ in den Urlaub zu fahren. Diese Wahrnehmung ist kein parteiischer Angriff, sondern ergibt sich aus der Verantwortung, die mit dem Amt einhergeht, und der Notwendigkeit, den Bürgerinnen und Bürgern Entschlossenheit und Engagement zu signalisieren.

## Der Migrant als Wurfgeschoss

Die Migrationspolitik ist zu einem der heikelsten Punkte der Debatte geworden. Kritisiert wird, dass die spanische Sozialdemokratie – sofern es sie überhaupt noch gibt – vor einem Problem steht, das weit über **Ceuta** hinausgeht. Die Migration, in ihrer wachsenden Komplexität, ist offenbar auf eine Linke gestoßen, die jahrzehntelang vorgezogen hat, „wegzuschauen“. Die Lösungen, die die **PSOE** anbietet, werden als anachronistisch bezeichnet, kaum anders als in den 90er-Jahren, als die gemeldete ausländische Bevölkerung in Spanien **400.000** Menschen nicht überstieg. Heute liegt diese Zahl bei über **7 Millionen**, und bei **9,4 Millionen**, wenn man im Ausland Geborene mit spanischer Staatsbürgerschaft einbezieht.

Zwar wird anerkannt, dass die soziokulturellen Auswirkungen in Spanien geringer sind als in Ländern wie **Frankreich** oder **Deutschland**, doch das Phänomen ist unbestreitbar und verlangt neue Ansätze. Die Kritik richtet sich gegen die Unfähigkeit der **PSOE**, wirksame Antworten zu liefern und die grobschlächtigen „Lösungen“ zu entkräften, die die **extreme Rechte** in ganz Europa anbietet. Statt diese simplistischen Rezepte zu bekämpfen, wird **Sánchez** vorgeworfen, sie aus parteipolitischen Gründen sogar befördert zu haben. Der Umgang mit der Ceuta-Krise, so unbeabsichtigt er auch gewesen sein mag, dürfte die Erwartungen gegenüber Formationen wie **Vox** vervielfacht haben.

Der Versuch zu rechtfertigen, dass **Ceuta** „sine die“ zu einem „Flüchtlingslager“ wird, nährt aus dieser Sicht eine äquidistante Erzählung, die illegale Migration mit Regularisierung gleichsetzt. Dieses „trügerische Manöver“ soll verwirren und die Schwere des Problems verwischen und erzeugt eine falsche Wahrnehmung, derjenigen zugutekommt, die Angst und Spaltung säen wollen. Die Präsentation **Sánchez** als „Champion der Menschenrechte“ wird überschattet von dem, was als „obszöne Willfährigkeit“ gegenüber denen beschrieben wird, die ihre Kinder angeblich in den „wahrscheinlichen Tod auf dem Meer“ schicken, als Teil eines Plans, die historischen Rechte Spaniens in **Ceuta** und **Melilla** auszuhebeln.

## Der Zynismus der Vorhut

Der Sieg der **deutschen Ultraparteien** bei den Landtagswahlen in **Sachsen** dient als Folie für eine bissige Kritik. Sich vor der Welt als „die Vorhut gegen das Vorrücken der Reaktionäre“ zu präsentieren, wird als „erstaunlicher Zynismus“ bezeichnet. Der Grund: Nach dieser Lesart bestand ein wesentlicher Teil der von **Sánchez** vorgegebenen politisch-elektoralen Strategie gerade darin, das Wachstum der **extremen Rechten** in Spanien zu befördern. Das Ziel sei es, die „demokratische Rechte“ zu bremsen und eine Polarisierung zu schaffen, die der aktuellen Regierung nützt.

Wäre diese Strategie wahr, würde sie eine Manipulation des spanischen politischen Spektrums bedeuten, bei der die Angst vor der **extremen Rechten** als Werkzeug zur Machtkonsolidierung dient. Das Ergebnis wäre eine **PSOE**, die statt solider, konsensfähiger Alternativen gezwungen ist, defensive Positionen einzunehmen oder sich durch trübe Gewässer zu manövrieren, während ihre ideologischen Gegner Terrain gewinnen. Die Paradoxie liegt darin, dass man, wenn man den Vormarsch der **extremen Rechten** durch deren indirekte Förderung kontrollieren will, riskiert, ihre Diskurse zu legitimieren und ihre Vorschläge zu normalisieren.

Die Kritik zielt auf die Kohärenz des Diskurses. Wenn sich **Sánchez** als großer Verteidiger der Menschenrechte und Bollwerk gegen die Reaktionäre aufstellt, ist es befremdlich, dass seine eigene politische Strategie – ob beabsichtigt oder nicht – das Wachstum derer begünstigt zu haben scheint, gegen die er angeblich kämpft. Das Bild eines Führers, der einerseits den Schutz der Schwächsten einfordert und andererseits ein Klima begünstigt, das fremdenfeindlichen und übersteigert nationalistischen Diskursen Vorschub leistet, erzeugt tiefes Misstrauen. Der Mangel an Selbstkritik wird in diesem Kontext zur Verleugnung des eigenen Widerspruchs.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (4 Antworten).

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