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Die Karte, die Russlands Erzählung vom Ukraine-Krieg korrigiert
Ein Monat Krieg: Die Offensive auf Kiew steckt in Irpin fest, der Korridor Krim-Donbas ist Russlands einziger Erfolg, und Mariupol wehrt sich als Ressourcenfresser.
Die Karte, die die Erzählung vom russischen Vormarsch in der Ukraine widerlegt
Wie weit ist die russische Armee einen Monat nach der Invasion tatsächlich vorgedrungen? Das fragt sich jeder, der die offiziellen Meldungen mit einer Karte aus offenen Quellen vergleicht. Die Antwort, die sich in der Analyse aufdrängt, ist für Moskau unbequem: Die Offensive auf Kiew von Norden ist steckengeblieben, und die Ukrainer haben so lange gegenangriffen, bis die Front in Irpin festsaß. Der Landkorridor zwischen der Krim und dem Donbas ist zu diesem Zeitpunkt der einzige nennenswerte russische Erfolg.
Ausgangspunkt der Analyse ist eine Live-Karte, die nur mit Ereignissen aktualisiert wird, die von mehreren Quellen bestätigt sind und die, so die These, wartet, bis eine Lage gut belegt ist, bevor sie eine Linie verschiebt. Daneben kursiert die Karte der russischen Armee selbst, die ein Band kontrollierten Gebiets zeichnet, das die Einkesselung von Tschernihiw und die Umfassung der gesamten Nordostgrenze bedeuten würde. Der Einwand ist einer der militärischen Logik: Existierte dieser Angriffsarm, würden die Ukrainer nicht nordwestlich von Kiew und in Mykolajiw gegenangreifen, statt diese Lücke zu schließen.
Was die Front einen Monat später zeigt
Östlich der Hauptstadt führten tiefe russische Vorstöße nicht zur Kontrolle des Geländes: Panzer auf der Straße fahrend, ohne anschließende Herrschaft. Die Ukrainer stellten die Front nach und nach wieder her und schlossen Lücken. Weder Tschernihiw, noch Sumy, noch Charkiw sind eingekesselt. Ein paar Städte mit Flugplätzen bleiben, wo sich die ukrainischen Truppen offenbar befestigt haben, um diese Pisten der russischen Luftwaffe zu verweigern.
Im Donbas verläuft die Linie praktisch dort, wo sie seit 2015 lag, mit russischen Fortschritten nördlich von Luhansk. Im Süden stellt die Landverbindung zwischen der Krim und dem Donbas den einzigen strategischen Erfolg dar. Die Ukrainer greifen in Mykolajiw gegen an und rücken auf Cherson vor, mit einem Ziel, das man zwischen den Zeilen liest: die Stadt zurückzuholen und die Russen hinter den Dnipro zu drängen, was eine sichere Verteidigungslinie brächte und die Armee im Osten aus der Gefahr der Einkesselung nähme.
Mariupol als Ressourcenfresser
Der Widerstand von Mariupol zwingt die Russen, Mittel auf einen einzigen Punkt zu konzentrieren, und verschafft den ukrainischen Truppen an anderen Fronten Luft. Der Vergleich mit Stalingrad wird ohne Scheu gezogen. Parallel dazu lautet die tiefere Lesart: Die Ukrainer normalisieren die Frontlinie, während die Russen überdehnte Speerspitzen zurückziehen.
Moskaus optimistischste Rechnung lautete, die Regierung in Kiew mit wenig Blutvergießen zu köpfen; das Rückzugsszenario sieht vor, sich den Küstenstreifen und den Donbas zu sichern. Manche fügen hinzu, dass der Korridor Krim-Donbas wegen seines Eisenbahnwerts unverzichtbar ist: Er würde es ermöglichen, eine Panzerdivision von Sibirien bis zur Krim zu verlegen, ohne die aktuellen logistischen Probleme.
Die Rasputiza und die Debatte über den Schlamm
Die Ankunft der Tauwetterperiode nährt die Erwartung einer Lähmung der Kämpfe. Nicht alle kaufen das. Es wird argumentiert, der Schlamm sei im Zweiten Weltkrieg ein entscheidender Faktor gewesen wegen des Fehlens von Straßen und weil Panzerfelder querfeldein überquerten, während dieser Krieg in urbanen Umgebungen und auf Asphalt geführt wird. Die Erfahrung aller, die auf Pisten der baltischen Länder gefahren sind, deutet in dieselbe Richtung: Mit einem Geländewagen und einer Seilwinde hält einen kein Sarracena auf.
Die Armee, die gar nicht so groß war
Die eigentliche Frage ist eine der Kapazität. Es wird behauptet, Russland habe nicht genügend Truppen eingesetzt, um Kessel wie die von Charkiw, Sumy oder Kiew zu schließen, und bräuchte dafür mehr Kräfte. Das Verhältnis, das genannt wird —hunderttausende ukrainische Verteidiger gegen eine deutlich kleinere Invasionsstreitmacht—, würde erklären, warum der Angriff auf die Städte stockt. Die Kehrseite: Eine Armee, die sich gegen das ärmste Land Europas nicht durchsetzen kann, bekommt das Etikett mittelmäßig.
Die ehrgeizigsten Prognosen sprechen von einer Großoffensive, wenn das Gelände trocknet, mit Konzentrationen im Ural und Zahlen, die nach Fantasie klingen. Die nüchternsten verweisen darauf, den Süden zu festigen und sich sonst einzugraben. Und über allem schwebt die Frage, was wäre, wenn Frieden geschlossen würde: Ob die Ukraine den Verlust des Ostens hinnehmen würde oder ob der Krieg in kleinerem Maßstab weiterginge wie zuvor.
Am Ende bleibt die einzige Gewissheit, dass sich die Karte weniger bewegt, als die Meldungen behaupten. Der Rest ist Schlamm.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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