Die Europapokal-Nostalgie, die die Champions League nicht kaufen kann

Der Europapokal im reinen K.-o.-System wurde durch einen Modus ersetzt, der Teams belohnt, die ihre Liga nicht gewinnen. Die Debatte über den Fußball als Geschäft.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die Europapokal-Nostalgie, die die Champions League nicht kaufen kann
Die Europapokal-Nostalgie, die die Champions League nicht kaufen kann

Der Europapokal, der im reinen K.-o.-System gespielt wurde, mit den Landesmeistern aller Länder im selben Lostopf, wurde durch einen Modus ersetzt, der Teams belohnt, die ihre Liga nicht gewinnen. Das ist die These, die sich durch eine 200-tägige Diskussion über den Fußball als Geschäft zieht. In einem Punkt ist die Diagnose einstimmig: Das Turnier ist nicht mehr das, was es einmal war. Uneinig ist man darüber, ob das eine Verbesserung oder ein Betrug ist.

Was sich mit dem Champions-League-Modus geändert hat

Seit der Saison 1997/98 lässt das Turnier auch Mannschaften zu, die nicht Meister ihrer Liga geworden sind. Das ist der Bruchpunkt, der in der Diskussion immer wieder auftaucht. Früher trat der Meister aus Belgien oder Rumänien im selben Lostopf an wie der aus Spanien oder Italien. Heute gibt es Schleusen für Milliardäre, Luxus-Playoffs und Setzlisten, die die üblichen Verdächtigen schützen sollen.

Das zentrale Argument lautet: Eine Mannschaft, die weder ihre Liga noch die vorherige Ausgabe des Kontinentalwettbewerbs gewonnen hat, verändert den Wettbewerb. "Das dürfte sich gar nicht champions nennen", sagt eine der Stimmen. Die Kritik ist nicht nur ästhetisch: Das System belohne die Zugehörigkeit zur finanziellen Elite, nicht die sportliche Leistung.

Nottingham Forest als Entlastungs- und Belastungsbeweis

Der Fall Nottingham Forest ist das Beispiel, das die Diskussion spaltet. Der englische Klub gewann den Europapokal zweimal in Folge, direkt nach dem Aufstieg in die höchste Spielklasse. Für die einen beweist das, dass das Turnier eine Lotterie war, die jeder mit Losglück gewinnen konnte. Für die anderen ist es der Beweis, dass der heutige Modus ein geschlossener Wettbewerb für ein Dutzend Franchises ist.

Der Forest schaltete den amtierenden Titelträger Liverpool im Sechzehntelfinale aus und im Halbfinale den 1. FC Köln, den deutschen Meister. Ein Spaziergang war das nicht. Im Achtelfinale warf er AEK Athen raus, im Viertelfinale den Schweizer Grasshopper Club, der zuvor Real Madrid ausgeschaltet hatte. "Hätte der Europapokal, als der Forest ihn gewann, den heutigen Modus gehabt, hätte er keinen der beiden Titel geholt", entgegnet die andere Seite.

Der Europapokal der Pokalsieger und der UEFA-Pokal als verschwundene Wettbewerbe

Der Europapokal der Pokalsieger, in dem die nationalen Pokalsieger aufeinandertrafen, war "das Turnier der Killer, der Prädatoren". Der UEFA-Pokal, für die Zweiten und Dritten der Ligen, war "der schwerste zu gewinnende", wegen der Qualität der Gegner. Beide sind verschwunden. An ihrer Stelle gilt die Conference League als Erfindung, um mehr Geld herauszuholen.

Das klassische System hatte drei Wettbewerbe mit klaren Kriterien: Die Meister in den Europapokal, die Pokalsieger in den Pokalsiegerwettbewerb, die übrigen Qualifizierten in den UEFA-Pokal. "Es war ein perfektes System, so einfach und logisch", lautet das Argument. Die heutige Kritik: Die UEFA hat alles in eine Ligaphase verwandelt, in der Teams spielen, die in ihren Ländern nichts gewonnen haben.

Auch WM und EM wurden aufgebläht

Die Klage beschränkt sich nicht auf die Vereine. Die WM mit 16 Teams und die EM mit 8 werden als Vorbilder vermisst. "Auch die Qualifikationsturniere haben sie kaputtgemacht, die früher richtig spannend waren", heißt es. Der 17. November 1993 wird als einer der besten Tage der Fußballgeschichte zitiert.

Nicht alle teilen die Diagnose. Manche halten dagegen, dass 1970 die Verbände der Dritten Welt im Nachteil waren und die Welt eine andere war. Die Nostalgie stößt an dieser Stelle auf die Tatsache, dass der globalisierte Fußball auch den Zugang erweitert hat.

Das Geld als einziges Qualifikationskriterium

Der Thread deutet an, dass das Qualifikationskriterium nicht mehr sportlich, sondern wirtschaftlich ist. "Wenn das einzige Kriterium das Geld ist, würde mich es nicht wundern, wenn am Ende asiatische und afrikanische Teams in die Champions League kommen", wird spekuliert. Das Bosman-Urteil wird als der Wendepunkt genannt, der den Fußball endgültig kaputtgemacht hat.

Der Vergleich mit anderen Sportarten kehrt immer wieder. "Das Beste wäre, Madrid und Liverpool jedes Jahr achtmal hintereinander spielen zu sehen, NBA-Superleague-Stil", heißt es ironisch. Der tiefere Vorwurf: Der internationale Vereinsfußball war ein Wettbewerb zwischen Städten, nicht zwischen Unternehmen. "Das ist kein Fußball, das ist Show. Das ist kein Sport, das ist Geschäft."

Der Vorschlag, zum klassischen Modus zurückzukehren

Manche schlagen eine Rückkehr zum reinen K.-o.-System vor. "K.-o.-Runden mit Hin- und Rückspiel von Anfang an, ohne Lostöpfe", lautet der Vorschlag. Andere setzen auf ein Zwischenmodell: 8 Gruppen mit je 4 Teams, die Meister der großen Ligen direkt qualifiziert, der Rest spielt im Sommer eine Qualifikationsrunde.

Die UEFA hat 55 Mitgliedsverbände. Von diesem Ausgangspunkt aus, so das Argument, sei ein 32-Team-Format machbar, ohne Koeffizienten und Setzlisten. "Sport gegen den globalisierten Markt", fasst ein Beitrag zusammen. Der Vorschlag ist nicht nur nostaligisch: Er ist eine konkrete Alternative zum heutigen Modell.



Der europäische Vereinsfußball hat sein Kriterium gewechselt: von der sportlichen Leistung zur finanziellen Macht. Die Diskussion klärt nicht, ob das ein Gewinn oder ein Verlust ist. Klar ist: Den Europapokal im reinen K.-o.-System gibt es nicht mehr – und die einen vermissen ihn nicht, die anderen haben ihn nie verwunden.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (99 Antworten).

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