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Der Priester, der in Urda vor den Rettungswagen eintraf
Ein Priester erreichte Urda vor den Rettungswagen, sprach eine kollektive Absolution und zählte über dreißig Leichen, die aus dem verunglückten Zug geborgen wurden.
Der Priester, der in Urda vor den Rettungswagen eintraf
Der erste zivile Bericht über das Zugunglück von Urda in Spanien stammt nicht von einem Krisenstab, sondern von einem Pfarrer mit Termin zur Blutabnahme. Ein Priester aus der Gegend erfuhr von dem Unglück, als er in dem Gesundheitszentrum einen Termin machen wollte, hörte den internen Alarm, nahm sein Auto und war vor den Sanitätern am Unglücksort, so seine eigene Aussage. Als die Rettungswagen noch gar nicht entladen hatten, spendete er bereits die Krankensalbung und eine kollektive Absolution den im Feld sterbenden Verletzten.
Was der Priester bei seiner Ankunft in Urda vorfand
Der Bericht des Geistlichen, den er selbst verbreitete, beschreibt aufgerissene Zugwracks und ein Feld, übersät mit Leichen. Sein Zeugnis spricht von über dreißig Leichen, die aus dem roten Zug geborgen wurden, dem haltenden Iryo, vom Bug des AVE Sevilla durchbohrt. Die Guardia Civil (spanische Paramilitärpolizei) und die Feuerwehr hätten, so seine Version, alle weggeschickt, um mit Maschinen das Metall durchtrennen zu können. Er blieb innerhalb des Absperrbereichs, mit zwei Kanistern Kochsalzlösung, und begleitete zwei Sterbende. Einer starb ihm zu Füßen.
Die Szene liest sich für jedes Notfallhandbuch unbequem: Der erste Trost kam nicht mit einem Protokoll, sondern mit einem Mann, der die Absperrung überwand, weil zwei Guardia-Civil-Beamte des Ortes ihm den Weg über den Bahndamm freimachten. Die Logistik der Seele funktionierte vor der der Sanitäter, stets nach seinem Bericht.
Die kollektive Absolution und die Debatte über das Leid
Die zentrale Geste des Berichts ist die allgemeine Absolution, die der Priester laut rief, bevor er die Verletzten einzeln aufsuchte. Dort beginnt die eigentliche Diskussion: Hat eine Massenvergebung in einer Tragödie überhaupt Sinn? Manche verteidigen, das Sakrament sei genau für solche Momente da; andere halten dagegen, dass religiöser Trost nicht den Platz der medizinischen Versorgung einnehmen dürfe. Die häufigste Antwort, und die schwerste zu widerlegen, lautet: Wenn nichts mehr zu machen ist, bleibt nur das Beten.
Der Faden driftet bald in die Wohnzimmertheologie ab. Eine Strömung verlangt von der göttlichen Allwissenheit Erklärungen für den Massentod; eine andere kontert mit dem freien Willen und erinnert daran, dass der Mensch Gott nicht zur Rechenschaft zieht, wenn es ihm gut geht. Der Austausch hat etwas von alten Schützengräben: dieselben Argumente wie immer, diesmal mit frischen Leichen dazwischen.
Die Rolle der Kirche im Notfall
Abgesehen von der Kontroverse liefert der Bericht eine betriebliche Tatsache: Der Erzbischof, der Bezirksvikar und die Pfarrer der Umgebung erschienen sofort. Die Kirche funktionierte als Netzwerk der Nähe in einer Gemeinde, die nicht das sanitäre Epizentrum war. Die Schwerverletzten wurden laut dem Zeugnis nach Urda, Toledo und Alcázar verlegt; in die örtliche Sporthalle kam niemand.
Bleibt das Bild der großen Kräne, die zum Schluss eintrafen, als man bereits damit rechnete, die Waggons anzuheben und weitere Leichen zu finden. Der Priester ging gegen zwei Uhr. Vor den Rettungswagen, nach der Feuerwehr.
Eine Prognose, mit allen Vorbehalten: Der Bericht des Priesters wird zum meistzitierten Zeugnis der Tragödie werden – und zum meistumstrittenen. Und zwar nicht wegen dessen, was er sah, sondern wegen dessen, was er tat, bevor jemand ankam.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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