Vom klassischen Kino zum Blockbuster: wann die Botschaft durchsickerte
Der erste Film, bei dem jemand bemerkte, dass ihm etwas untergejubelt wurde, war kein aktueller Kinostart. Dem am häufigsten wiederholten Zeugnis im Thread zufolge war es Jurassic Park 1993: das clevere, mutige Mädchen, der nutzlose Junge und eine Besetzung, die nicht mehr die alte war. Ein Zuschauer, der Michael Crichtons Roman gelesen hatte, bemerkte die Umkehrung der Rollen mit neun oder zehn Jahren. Für ihn war das kein Zufall, sondern der Anfang von etwas.
Die Diskussion darüber, wann das Kino aufhörte, Unterhaltung zu sein, und zum Vehikel einer Botschaft wurde, hat ihre eigene Archäologie. Und die Archäologie beginnt nicht 2015 oder mit Me Too. Sie beginnt viel früher, so die Teilnehmer.
Das Appartement (1960) und Billy Wilders Wendung
Manche verorten den Wendepunkt bei Das Appartement von 1960. Im Hollywood der 30er-, 40er- und 50er-Jahre war die Geliebte per Definition die Bösewichtin des Films, so ein Forenmitglied. In Billy Wilders Film ist die Geliebte ein gutes, verliebtes Mädchen, und der Bösewicht ist der Mann. Die Veränderung ist subtil, fast unmerklich, aber sie ist da. Der Film war erfolgreich und gewann Oscars. Wilder fühlte sich gestärkt und baute in sein nächstes Werk, Lieber nicht lachen, einen Partnertausch ein. Totaler Misserfolg. Man hätte ihn beinahe gesteinigt.
Das Muster, das dieser Teilnehmer beschreibt: Die Botschaft kommt durch die Hintertür, mit kritischem Erfolg, und das Publikum akzeptiert sie, solange sie nicht zu explizit ist. Wenn sie offensichtlich wird, antwortet die Kinokasse.
Der rosarote Panther und der lächerliche Polizist
In Der rosarote Panther (1963) sind die Diebe verführerisch und distinguiert, während die tollpatschige, lächerliche Figur der Polizist ist. Jemand weist darauf hin, dass das nur wenige Jahre zuvor undenkbar gewesen wäre. Die Umkehrung der Rollen war nach dieser Lesart kein isolierter Zufall: Sie war ein Trend. Der revisionistische Western der 60er mit seiner ideologischen Aufladung ist ein weiteres Beispiel dafür, wie das Genre von innen umgeschrieben wurde.
Die Frage, die über allem schwebt: War das Propaganda oder einfach erzählerische Weiterentwicklung? Die Antwort hängt davon ab, wen man fragt.
Titanic, Alien und der Katalog der Verdachtsmomente
Der Katalog wächst mit den Jahren. Titanic erscheint als Paradebeispiel: Jacks Opfer auf einem Brett, auf dem angeblich Platz für zwei gewesen wäre. Alien landet auf der Liste wegen einer Protagonistin, die überlebt, während der Rest der Besatzung, einschließlich des Mannes, stirbt; und wegen eines Monsters, dessen Kopf als phallisches Symbol gedeutet wird. Auch Terminator 2: eine emanzipierte, muskulöse alleinerziehende Mutter, ein schwarzer Wissenschaftler als Schöpfer des Chips und ein frecher, krimineller, aber pazifistischer John Connor.
Die Deutung variiert. Manche sehen darin eine einfache Weiterentwicklung des Drehbuchs. Andere sehen ein bewusstes Muster.
Kino als Propaganda: die eigentliche These
Die skeptischste Strömung behauptet, das Kino sei schon immer Propaganda gewesen, es habe sich nur früher besser getarnt. Burroughs wird zitiert: Als die Tonfilme kamen und das Bild perfektioniert wurde, wurde das Kino so langweilig wie aus dem Fenster zu schauen. Der Grundgedanke: Das Medium entstand als Neuheit und wurde, einmal gezähmt, an ideologische Parameter angepasst. Daher seine Vorhersehbarkeit.
Das ist keine neue These. Es ist die Feststellung, dass Unterhaltung nie neutral war, weder in den 60ern noch heute, so ihre Verfechter. Der Unterschied ist die Lautstärke.
Das dunkle Jahrzehnt und das Erwachen des Zuschauers
Das Gespräch driftet zu jüngeren Zeiten. Ein Jahrzehnt, die 2010er, wird als Ursuppe beschrieben, aus der aufgemöbelte Produkte mit Protagonisten hervorgingen, die nicht zu dem passten, wofür der Zuschauer bezahlt hatte. Das Gefühl, dass in diesen Jahren etwas gestorben ist, setzt sich durch. Und der Verdacht, dass das Schlimmste noch kommen würde.
Der Konsens, falls es einen gibt: Das Phänomen begann nicht gestern. Es begann vor sechzig Jahren, mit einem Film von Billy Wilder und einem Oscar, so die Zeugnisse im Thread.
Vor diesem Hintergrund lautet die Frage nicht, ob das Kino Botschaften sendet. Sondern wie lange das Publikum braucht, um es zu merken. Die Antwort liegt den Zeugnissen zufolge zwischen einem und drei Jahrzehnten.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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