Der britische Friedhof in Carabanchel, den niemand so recht erklären kann
In Carabanchel, in einem ruhigen Viertel, gibt es ein Grundstück, auf dem seit Jahrzehnten Briten und Deutsche begraben liegen. Ein ausländischer Friedhof auf spanischem Boden, der den meisten Anwohnern gar nicht auffällt, bis sie zufällig darauf stoßen. Die erste Reaktion ist meist dieselbe: Was soll das denn hier? Die zweite, schon mit geöffneter Wikipedia, ist die Frage, ob dahinter nicht etwas Seltsames steckt.
Das Kuriose ist, dass die Entdeckung keine Gleichgültigkeit auslöst. Sie weckt Misstrauen. Und das Misstrauen wird, kaum dass man ein wenig kratzt, zu einer Debatte über Würde, Souveränität und die Frage, wer nach dem Tod Anspruch auf einen Quadratmeter spanischer Erde hat. Auslöser war ein Tweet mit einem Lied, das sich über Luther und Calvin lustig machte. Von dort aus driftete das Thema zum Friedhof und zu etwas viel Grundsätzlicherem.
Was ist der britische Friedhof von Carabanchel?
Es handelt sich um eine historische Anlage, gut gepflegt, wie alle sagen, die sie aus der Nähe gesehen haben, auch wenn die Wikipedia sie als etwas verwahrlost beschreibt. Sie kann unter der Woche besichtigt werden. Die Überraschung, sie in einem Arbeiterviertel Madrids zu finden, ist echt: Das ist nicht die Art von Einrichtung, die man um die Ecke erwartet.
Die plausibelste Erklärung, die kursiert, ist historischer Natur und hat mit der Konfessionalität zu tun. Früher waren spanische Friedhöfe katholisch, und wer von diesem Glauben abwich — Anglikaner, Lutheraner, Nnnn — musste separat bestattet werden. Daher die englischen Friedhöfe, die über ganz Spanien verteilt sind, wie der in Las Palmas de Gran Canaria. Das ist keine Anomalie: Es ist die Spur eines Spanien, das seine Toten nach Religion trennte.
Würde als Angriffswaffe
Die interessante Wendung kommt, wenn das Gespräch aufhört, historisch zu sein, und politisch wird. Manche behaupten unverblümt, Ausländer hätten keinerlei Rechte an diesem Land, und ein solcher Friedhof sei eine Beleidigung. Der Vorschlag, halb im Scherz geäußert, lautet, die Überreste zu exhumieren, in die Heimat zurückzuführen und auf dem Grundstück billige Wohnungen zu bauen. Der vorgeschlagene Name für die Wohnanlage hat schon seinen Witz.
Demgegenüber ist die Mehrheitsmeinung deutlich prosaischer: Die Toten stören nicht. Verstorbene Ausländer machen keine Probleme; die Lebenden schon. Und man weist darauf hin, dass es in Frankreich deutsche Friedhöfe gibt, ohne dass jemand einen diplomatischen Konflikt vom Zaun bricht. Der deutsche Soldatenfriedhof von Cuacos de Yuste, in der Nähe des Klosters, ist ein weiteres Beispiel für diese Normalität.
Der Name, der die Misstrauischsten verunsichert
Das Gespräch nimmt eine Wendung, als jemand darauf hinweist, dass einer der Bestatteten nicht Brite, sondern Deutscher sei, und fragt, wo sein Sohn einmal landen werde. Damit hört die Debatte auf, um einen bestimmten Friedhof zu gehen, und wird zu einer über die Eliten: Es wird unterstellt, dass in solchen Anlagen nicht irgendjemand bestattet wird, sondern Namen mit Gewicht, Industrielle und Familien mit Geschichte. Die Verschwörungstheorie schimmert durch, wenn auch ohne Daten, die sie stützen.
Genau an diesem Punkt stockt die Analyse. Die einen sehen ein harmloses historisches Überbleibsel; die anderen einen Beweis dafür, dass bestimmte Familien spanischen Boden weiter mit Privilegien belegen, die selbst der Tod nicht annuliert. Und dazwischen ein Anwohner, der vorbeiging, ohne zu wissen, was das war, und mit einer Frage zurückblieb. Die Frage, ob es in England Friedhöfe für Spanier gibt, bleibt in der Luft hängen, unbeantwortet.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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