De Prada: Soziale Gerechtigkeit ist nicht links

Milei und Espinosa de los Monteros verurteilen soziale Gerechtigkeit als Diebstahl. De Prada nennt ihre Ideen satanisch und antichristlich.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

De Prada: Soziale Gerechtigkeit ist nicht links
De Prada gegen Milei: Soziale Gerechtigkeit ist keine linke Idee

„Die Idee der sozialen Gerechtigkeit ist wirklich abartig… sie ist ein Diebstahl.“ Dieser Satz, Iván Espinosa de los Monteros zugeschrieben, fasst den Rahmen zusammen, den Javier Milei und Isabel Díaz Ayuso während des Besuchs des argentinischen Präsidenten in Spanien im Mai 2024 etabliert hatten. Laut De Prada bezeichnete Milei solche Politiken sogar als „satanisch“. Die Antwort kam in Hora 25 bei Cadena SER: Juan Manuel de Prada nannte die Botschaften „sehr gefährlich“ und fügte hinzu, dass sie „die Leute mit absurden Aussagen fanatisieren“.

Der Schriftsteller gab das Adjektiv zurück – diese Ideen erscheinen ihm selbst als „satanisch“ – und schloss ab: Diese Rechte sei „entschieden antichristlich“. Der Streit verließ schnell das Feld der gegenseitigen Erklärungen und betrat unangenehmeres Terrain: Was genau ist soziale Gerechtigkeit, wer hat sie formuliert und ob das Christentum sie unterstützt oder widerlegt.

Was sagte Milei über soziale Gerechtigkeit?

Milei behauptete, soziale Gerechtigkeit sei eine „Abart“, weil sie nach seiner Lesart eine Ungleichbehandlung vor dem Gesetz und eine Umverteilungspolitik impliziert, die darin besteht, einem etwas wegzunehmen, um es einem anderen zu geben. Espinosa de los Monteros fasste es in einem Wort zusammen: „Diebstahl“. Das Kernargument lautet, dass in einem anständigen Rechtsstaat die Gerechtigkeit für alle gleich sein muss und keine Zusätze zulässt.

De Prada sprach von einer „Wiederkäuung“ und verortete den Ursprung anderswo: Ideen, die in bestimmten rechten Kreisen kursieren und versuchen, einen Angriff auf den Kern der christlichen Soziallehre als Liberalismus auszugeben. Die am häufigsten wiederholte Antwort von der Gegenseite war, dass fortgesetztes sozialistisches Voting nichts repariert habe und dass wer arbeitet und sieht, wie seine Früchte verteilt werden, demotiviert endet.

Die distributive Gerechtigkeit des Thomas von Aquin und das Problem der Definitionen

Hier geht die Diskussion zum Lehrbuch. Bei Thomas von Aquin werden zwei Arten unterschieden: die distributive Gerechtigkeit, die verpflichtet, Güter proportional zum Beitrag eines jeden unter Aufsicht der Gemeinschaft zu verteilen, und die kommutative Gerechtigkeit, die den Austausch zwischen Privatpersonen regelt, basierend auf der grundlegenden Gleichheit der Parteien.

Wer den Text anführt, schlussfolgert, dass das Christentum diese proportionale Verteilung verlangt und dass der Liberalismus sich davon distanziert hat. Wer ihn bekämpft, antwortet mit zwei Einwänden: Dass proportional zum Beitrag nicht dasselbe ist wie proportional zum Bedarf, und dass die Evangelien den Begriff der sozialen Gerechtigkeit nicht erwähnen. Die Soziallehre der Kirche taucht auf beiden Seiten des Rings auf, und jedes Lager liest sie so, wie es ihm passt.

Christliche Nächstenliebe versus Zwangssteuer

Eine Strömung behauptet, der Christ sei berufen, barmherzig zu sein, nicht sozialer Richter, und dass Nächstenliebe per Definition nicht zwangsweise eingetrieben wird. Die sarracena Pflicht wäre, dem Hungenden zu essen zu geben, nicht das Leben dessen zu finanzieren, der nicht arbeiten will, durch Steuern. Sie fügen hinzu, dass aufgezwungene Solidarität aufhört, Solidarität zu sein.

Auf der anderen Seite steht das Argument, dass soziale Gerechtigkeit seit langem Teil des Christentums ist, noch bevor das Etikett existierte, und dass die Reduktion auf freiwillige Almosen das Gebot entleert. Der Satz „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“ wird in beide Richtungen zitiert, was genau passiert, wenn ein Vers seit zweitausend Jahren im Umlauf ist.

Vom Beistand für Arbeitsunfähige zur „Sozialhilfe“

Der Konsens hier ist breiter, als der Ton des Streits suggeriert. Kaum jemand bestreitet, dass man denen helfen muss, die aufgrund von Alter, Krankheit oder anerkannter Behinderung nicht für sich selbst sorgen können. Der Dissens beginnt eine Stufe höher: das Subsidium für jene, die arbeiten könnten und es nicht tun.

Es wird argumentiert, dass dieses Design Beschäftigung hemmt, jene bestraft, die tatsächlich arbeiten, und letztlich Abhängigkeit erzeugt: Hilfe, die zum Recht wird, produziert laut dieser Linie mehr Unterwerfung als Armut selbst. Das warnende Beispiel, das oft genannt wird, ist Venezuela. Von der Gegenseite kommt der Einwand, dass ohne dieses Netz die Anpassungskosten immer dieselben tragen, und dass der degenerierte Wohlfahrtsstaat nicht der ursprüngliche ist.

Dritte Position, Sozialdemokratie und Unternehmen größer als ein Land

Bei der Suche nach Auswegen öffnet sich das Spektrum. Eine Linie verteidigt das europäische sozialdemokratische Modell und den sozialen Frieden, der seit der Nachkriegszeit aufgebaut wurde. Eine andere greift die „dritte Lösung“ auf, die der Franquismus 1961 in Burgos formulierte: ein Staat, der private Initiative fördert, ohne das Gemeinwohl aufzugeben.

Und eine dritte weist darauf hin, dass das Schrumpfen des Staates die Verteilung nicht ändert, wenn der Kuchen unter weniger Händen geteilt wird. Der Einwand ist konkret: Es gibt Konzerne mit wirtschaftlicher Macht, die höher ist als das BIP Spaniens, und die Fähigkeit haben, jedem Bedingungen aufzuzwingen. Mit diesem Faktum auf dem Tisch wird die Diskussion darüber, wer umverteilt und auf wessen Kosten, erheblich komplizierter.

Mit noch offenen Definitionen ist die Pattsituation folgende: Beide Seiten nehmen als offensichtlich hin, was niemand schriftlich festgehalten hat. Distributiv, kommutativ, karitativ oder geraubt. Der Dissens liegt nicht beim Adjektiv, sondern darin, zu identifizieren, wer kassiert und wer zahlt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (378 Antworten).

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