De Prada verurteilt das Internet; die digitale Debatte zeigt auf den Like
Tötet das Internet uns wirklich, oder fühlt es sich nur so an, wenn man zwei Stunden aufs Handy starrt, ohne zu wissen, warum man es geöffnet hat? Der Schriftsteller Juan Manuel de Prada ist eindeutig und unverblümt: „Das Internet ist der Tod unseres Lebens. Es ist der Tod von allem.“ Diese Aussage, im Thread wiederholt, sorgt für Kontroversen, weil sie zwei Dinge vermischt, die fast alle trennen: das Netz als Werkzeug und soziale Medien als Falle. In dieser Lücke spaltet sich die Diskussion.
Die Aussage, die die Debatte spaltet
De Prada spricht nicht von Nuancen. Seine These ist total: Das Internet ist keine Erfindung mit Licht und Schatten, sondern das Ende von etwas. Angesichts dieser globalen Verurteilung leugnet die häufigste Antwort nicht das Problem, sondern ordnet es neu ein. Manche behaupten, das Netz sei weder gut noch schlecht, und der konkrete Schaden gehe von Plattformen aus, die darauf ausgelegt sind, uns anzufixen. Der Vergleich mit dem Messer drängt sich auf: Es kann zum Kochen oder zum Verletzen dienen, aber das Objekt entscheidet nicht, was passiert.
Die aggressivste Verteidigung geht in die entgegengesetzte Richtung. Argumentiert wird, dass das Internet ein enormer Fortschritt war und dass die dunkle Seite nicht die Kabel sind, sondern deren Nutzung. Nach dieser Lesart ist es, als würde man das Papier für den Druck verantwortlich machen.
Warum vergleicht man das Internet mit dem Buchdruck?
Das historische Gegenargument hat seinen Reiz. Wer heute das Internet verdammt, hört den Hinweis, dass man im 16. Jahrhundert Ähnliches über den Buchdruck sagte: Leute lasen in Ecken, Kopien von Texten, die zuvor wenigen vorbehalten waren, verbreiteten sich. Wieder einmal Weltuntergang. Wenn die Technikgeschichte eines lehrt, dann dass jeder Sprung die lebende Generation erschreckt, bevor die Angst vergessen wird.
Was den Charakter dieser Analogie verändert, ist die Geschwindigkeit. Eine These besagt, dass das Internet wie ein Beschleuniger wirkt: Es multipliziert Wissen und ebenso effektiv Dummheit. Der Unterschied zum Buchdruck liegt darin, dass hier alles gleichzeitig und ungefiltert passiert. Früher musste man lesen lernen, um eine Idee zu erfassen. Heute reicht ein Daumen.
Der Like: Die Droge, die nicht vom Kabel kommt
Nach der ausgearbeitetesten Kritik liegt der Kern der Diagnose nicht in der Konnektivität. Er liegt im Like. Diese Geste der Zustimmung, von Plattformen populär gemacht, verwandelt das soziale Leben in eine permanente Suche nach Validierung. Da Menschen Gruppen zur Existenz brauchen, wirkt der Mechanismus wie eine Droge: Er verspricht Zugehörigkeit und sterilisiert dafür die Kreativität.
Die Nebenwirkung ist hinlänglich bekannt. Statt Ideen auszutauschen, verkriechen sich Menschen in Gruppen, wo ihnen recht gegeben wird. Die Konversation endet als Austausch und wird zur Echokammer. Wer vom Skript abweicht, diskutiert nicht: er stellt sich entgegen. Hier greift die Internetkritik zu kurz, denn das Problem ist nicht das Dokumentarfilm-Schauen, sondern das Messen der eigenen Existenz am Beifall anderer.
Der Tag, an dem das Smartphone kam
Kaum jemand bestreitet ein Vorher und Nachher. Wer Anfang der 90er ins Netz ging, tat dies aus Hörsälen und fand eine neue Ära vor: Wissen würde sich unbegrenzt ausbreiten. Die Enttäuschung kam, als man feststellte, dass Dummheit schneller reist als Vernunft. Doch der Wendepunkt war, so sind sich viele Stimmen einig, nicht das Kabel: Es war das Smartphone.
Mit dem Handy erforderte Zugang keine Absicht mehr. Man musste sich nicht mehr hinsetzen, um zu suchen. Das Gerät war in der Tasche, samt endlosem Feed, Benachrichtigungen und Cookies. Der Nutzer hörte auf zu wählen, wann er eintreten wollte. Das Netz begann, von allein einzudringen. Über diese Chronologie gibt es kaum Diskussion; das Kabel selbst beschuldigt fast niemand.
Die Heuchelei des analogen Propheten
Hier wird die Kritik für den Autor selbst unbequem. Man wirft ihm vor, das Internet aus dem System heraus anzuklagen, das er kritisiert: Er schreibt für die Presse, arbeitet beim Radio und pflegt angeblich eigene Social-Media-Profile. Auch wird ihm vorgeworfen, eine Persona des altmodischen Mannes kultiviert zu haben, mehr Pose als Substanz. Anhänger verteidigen ihn: Er scheut sich nicht und sagt Unvorstellbares. Die Figur polarisiert, aber das Grundargument – dass das Netz ein Instrument und die Falle das Design ist – überlebt die Kontroverse um den Boten.
Hintergrundgeräusche
Eine Nuance, die kaum zitiert wird, ändert die Dimension des Problems. Behauptet wird, dass viel dessen, was wir Konversation nennen, Rauschen ist, das der Wind verweht: Wir vergessen Gesagtes wie Gelesenes und behalten nur das Gefühl. Stimmt das, hat das Netz die Oberflächlichkeit nicht erfunden, sondern industrialisiert. Früher gab es Stammtisch und Vergessen. Jetzt Notification und Vergessen. Der Unterschied ist die Frequenz, nicht die Natur.
Und hier erreicht man den unbequemen Punkt für beide Lager. Wer das ganze Internet verdammt, erklärt nicht, warum er weiterhin digital publiziert. Wer es bedingungslos verteidigt, erklärt nicht, warum er täglich Stunden damit verbringt, Anerkennung zu suchen, die keine Miete zahlt.
De Prada verurteilt das gesamte Netz; kaum jemand im Thread folgt ihm so weit. Aber wenn das Handy ausgeschaltet ist und jemand nach dem Satz des anderen sucht, findet die Diagnose ein lästiges Echo. Das Internet hat die Konversation nicht getötet. Es hat nur weniger Menschen übrig gelassen, die sie laut führen wollen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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