Das Musik-Empfehlungsspiel, das niemand gewinnen kann

Eine musikalische Herausforderung reiht La STPO, Lunophone, Catherine Ribeiro und Sprain aneinander, ohne einen erfahrenen Hörer auch nur einmal zu überraschen. Das Problem war nicht die Obskurität.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Das Musik-Empfehlungsspiel, das niemand gewinnen kann
Das Musik-Empfehlungsspiel, das niemand gewinnen kann

Gibt es eine Platte, die ein eingefleischter Musikkenner noch nicht gehört hat? Diese Frage zieht sich durch die Musikforen, seit das Internet den Weltkatalog in eine unendliche Download-Bibliothek verwandelt hat. Ein kürzlicher Versuch, einen erfahrenen Hörer zu testen, endete unentschieden: Jede Empfehlung —La STPO, Lunophone, Catherine Ribeiro, Annette Peacock— stieß auf ein „habe ich heruntergeladen“ oder ein „kenne ich gut“. Die Herausforderung bestand nicht darin, Raritäten aufzuspüren. Es ging darum, etwas Gutes zu finden, das für den anderen auch neu war.

Der Anfang versprach viel. La STPO, das französische Kollektiv für Avant-Prog und Dadaismus mit einem Album von 1995, wurde mit einem „ja, kenne ich, ein paar Mal gehört, ist heruntergeladen“ empfangen. Dann kam Lunophone, das Projekt von 2024, das Canterbury und RIO kreuzt, und die Antwort war ebenso knapp: Er kennt die Macher, Homunculus Res und Rascal Reporters, „mehrere Alben“. Das Muster wiederholte sich bei jedem Versuch.

Wenn das Problem nicht die Obskurität ist, sondern die Qualität

Die Wende kam mit Księżyc (1996), der polnischen Platte, die laut einer kursierenden Rechnung auf Platz 10 einer Onet-Auswahl steht und 77/100 auf Album of the Year erreicht. Die Selbstkritik kam sofort: „Ich habe Radikalität, Lärm und positive Kritiken mit kompositorischer Exzellenz verwechselt.“ Die Diagnose des Hörers war eine andere: Er sucht keine Raritäten, er sucht herausragende Werke. Und die kennt er ebenfalls.

Catherine Ribeiro + Alpes und ihr Paix (1972) erhielten begeisterte Anerkennung, mit Erwähnung des Basses, der Orgel und des deklamierten Schlussteils. Annette Peacock, ihre durch den Moog veränderte Stimme auf I'm the One, brachte ebenfalls niemanden aus der Fassung: Er ordnete sie als Sängerin an der Seite von Bill Bruford ein. Arthur Verocai, mit 86/100 auf Album of the Year, bekam einen Kommentar, der eher die Methode als die Platte skeptisch bewertete.

Der Lärm als Abkürzung und der Rechenfehler

Der Versuch mit Sprain und seinen 96 Minuten Dissonanz war der größte Fehlschlag. Die Beschreibung —„Punk mit Industrial-Sound“— trifft gut eine Platte, die PopMatters mit 9/10 bewertete und die der Hörer als „grauenhaft“ bezeichnete. Hier brach die Logik der Empfehlung zusammen: Positive Kritiken sind nicht gleichbedeutend mit einem großen Werk. Das Eingeständnis dieses Fehlers ist der ehrlichste Moment des gesamten Austauschs.

Die letzte Kugel war Closure in Moscow mit Pink Lemonade (2014), 60 Minuten australischer psychedelischer Prog, präsentiert als die Antwort auf The Mars Volta. Die Partie blieb offen, ohne Urteil. Und genau da zeigt das Spiel seine Falle: Im Zeitalter von Streaming und Massendownload liegt der Vorteil nicht mehr darin, das Obskure zu kennen, sondern das Obskure vom Guten zu unterscheiden. Raritäten ansammeln kann jeder. Mit dem Herausragenden liegen nur wenige richtig.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (30 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver