Einen Fluch loswerden: Glaube, Skepsis und das Angstgeschäft

Ein Mann glaubt, seit 20 Jahren von einem Fluch verfolgt zu werden. Im Forum wird über Exorzismen, Autosuggestion und das Geschäft mit spirituellen Reinigungen diskutiert.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Einen Fluch loswerden: Glaube, Skepsis und das Angstgeschäft
Einen Fluch loswerden: zwischen Exorzismus und Suggestion

Seit fast zwanzig Jahren ist ein Mann überzeugt, dass eine Frau ihn in einer Strandbar in Valencia verflucht hat, weil er ihr den Tisch weggenommen hatte. Seitdem, sagt er, passieren ihm schlechte Dinge. Im letzten Jahr fast jede Woche. Er fürchtet um seine Gesundheit und seine körperliche Unversehrtheit. Und er bittet in einem Verschwörungsforum um Hilfe. Die Antwort, die er erhält, ist eine kleine Abhandlung über die spanische Anthropologie des 21. Jahrhunderts: Exorzisten, Gebete an den Heiligen Michael, Glücksbringer gegen den bösen Blick, Weinrauten-Bäder, die Kraft der Anziehung und eine lange Liste weiterer Rezepte, um das Böse zu vertreiben.

Der Fall ist ernst, auch wenn die Diagnose jedem entgeht. Für Flüche gibt es keine wissenschaftlich belegbare Grundlage, aber das Leid der Betroffenen ist real. Und genau dort liegt das Geschäft: Anrufe bei Sonderrufnummern, Amulette, Reinigungen und Beschwörungen, die, wie eine Nachricht warnt, "ein Vermögen kosten und dann wird mehr verlangt, um den Zauber abzuschließen".

Gibt es den Fluch oder ist es Autosuggestion?

Die Mehrheit in der Diskussion verweist auf die sich selbst erfüllende Prophezeiung. "Wenn du glaubst, verflucht zu sein, bist du verflucht; wenn nicht, dann nicht", fasst ein Teilnehmer zusammen. Die Idee, immer wieder mit anderen Worten wiederholt, lautet: Die selektive Aufmerksamkeit auf das Negative macht aus einer Pechsträhne ein Muster. Ein anderer nennt es "die Kraft der Anziehung": Wer aufhört, an das Schlechte zu denken, dem schickt das Universum angeblich kein Unglück mehr. Die Psychologie würde es anders formulieren, aber der Mechanismus, den sie beschreiben — zu glauben, dass etwas schiefgeht, und sich entsprechend zu verhalten —, hat in den Lehrbüchern einen Namen.

Manche gehen weiter und sprechen von Karma: Was dir passiert, ist das, was du selbst erzeugt hast. "Das meiste, was du erhältst, ist, weil genau das das ist, was du selbst erzeugst", hält eine Stimme im Thread fest und erwähnt die Möglichkeit von Schulden aus früheren Leben. Das ist die New-Age-Version der göttlichen Gerechtigkeit, ganz ohne Gott.

Das katholische Set: Heiliger Michael, Beichte und Rosenkranz

Den religiösen Weg haben begeisterte Verfechter. Das Rezept wird immer wieder wiederholt: Gebet zum Heiligen Erzengel Michael, Beichte, Kommunion, der heilige Rosenkranz und, falls nötig, ein Befreiungsgebet durch den Pfarrer. "Bete das Vaterunser und den Heiligen Rosenkranz", rät einer. Ein anderer empfiehlt das Buch "Las seis puertas del enemigo" ("Die sechs Tore des Feindes") des Exorzisten Javier Luzón und die darin enthaltenen Selbstexorzismus-Gebete. Eine kuriose Anekdote gibt es obendrauf: Der internationale Exorzistenverband soll, so heißt es, vom Buch abgeraten haben, weil es für die breite Öffentlichkeit zu zugänglich sei.

Der Betroffene selbst berichtet, dass etwas geholfen hat: "Ich bin entspannter, zumindest zu Hause, wo ich das Gefühl hatte zu versinken, geht es mir seitdem ich mich hingekniet und das getan habe und betend einschlafe, etwas besser." Der Glaube, das Placebo oder eine Kombination aus beidem versetzt Berge.

Die Wohnung, das Grundstück und die Poltergeister

Das Gespräch driftet Richtung Immobilie ab. Angeblich sei in der Wohnung Spiritismus betrieben worden, das Grundstück sei Kriegszone gewesen und habe vielleicht "Vergewaltigungen, Morde, Bombardierung" erlebt. Ein Teilnehmer urteilt: "Die Wohnung ist sicher von Abschaum der Unterwelt befallen." Die Eskalation hält unaufhaltsam an: Vom persönlichen bösen Blick zum Spukhaus und von dort zum nationalen Fluch. "Der Fluch Spaniens ist älter, die Schlange hauste schon hier", schreibt jemand und verlinkt auf das Manuskript von Villafranca und auf Santiago. Ein anderer fordert, Francos Leichnam ins Valle de los Caídos zurückzubringen. Das Abstraktionsniveau ist bereits kosmisch.

Das Geschäft mit der spirituellen Reinigung

Zwischen Skepsis und Glaube hinterlässt der Thread einen praktischen Warnhinweis: Sonderrufnummern und Heiler, die ein Übel beseitigen "um den Preis, dich noch schlimmeren Dämonen auszuliefern". Die Warnung ist nicht trivial. Der Markt für spirituellen Schutz bewegt Geld, und nicht immer mit Skrupeln. Die am häufigsten gegebene Empfehlung ist, ironischerweise, die billigste: beten, wenn man glaubt, und wenn nicht, ignorieren.

"Niemand kann jemanden verfluchen, wenn die Person, auf die der Fluch angeblich fallen soll, ihm keine Legitimität verleiht", stellt eine Nachricht abschließend fest. Es ist die These, die den gesamten Thread zieht, zwischen Amuletten und Exorzismen: Die Macht gibt der, der an sie glaubt.



Die Diskussion führt zu keinem Konsens, und das muss sie auch nicht. Die einen beten, andere lachen und wieder andere kaufen Glücksbringer gegen den bösen Blick. Das Einzige, was klar zu sein scheint: Ein Fluch, falls es ihn gibt, lässt sich besser mit geschlossener Geldbörse und kühlem Kopf bekämpfen als mit bezahlten Beschwörungen. Allerdings muss man sich dafür natürlich frei von ihm fühlen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (100 Antworten).

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