Spanische Content-Creator und der Niedergang von YouTube
Das YouTube-Ökosystem in Spanien erlebt ein Paradox, das kaum jemand zugeben will: Kanäle, die vor einem Jahrzehnt noch Millionen von Aufrufen sammelten, sterben heute mit Zahlen dahin, die die 2.000 Aufrufe nicht einmal mehr erreichen. Die Diskussion, die seit 299 Tagen in einem wirtschaftlichen Diskussionsforum läuft, beginnt mit einem konkreten Fall: einer Creatorin, die als Alissa bekannt ist und zu ihren Glanzzeiten über eine Million Aufrufe pro Video erzielte und die nun, mit ihrem letzten vor einem Monat hochgeladenen Content, gerade einmal 3.000 Aufrufe erreicht. Das vorletzte Video, sechs Monate zuvor, blieb bei 8.000. Dieser Werdegang ist keine Ausnahme: Er ist das Muster.
Der Lebenszyklus des durchschnittlichen YouTubers ist längst zum Gegenstand einer fast forensischen Analyse geworden. Die Daten, mit denen die Beobachter des Phänomens arbeiten, deuten auf eine Kombination von Faktoren hin: die Sättigung des Marktes, die Ermüdung des Publikums und die Unfähigkeit vieler Creator, sich an eine Umgebung anzupassen, in der der Algorithmus nicht mehr die Neuheit belohnt, sondern die Verweildauer. Ein Teilnehmer fasst es schonungslos zusammen: „Der Lebenszyklus des durchschnittlichen YouTubers ist ein jämmerliches Schauspiel, das nicht einmal mehr unterhält." Der Satz enthält, unabhängig von seinem Ton, eine unbequeme Wahrheit: Ein Geschäftsmodell, das auf flüchtigem Ruhm basiert, hat ein Verfallsdatum.
Was wurde aus Alissa und anderen spanischen YouTuberinnen?
Der Fall Alissa dient als Archetyp. Den in der Diskussion genannten Daten zufolge stellte die Creatorin auf dem Höhepunkt ihrer Popularität monatelang das Hochladen von Content ein – eine Entscheidung, die sie in einem Ökosystem, in dem Inaktivität dem digitalen Tod gleichkommt, der Vergessenheit überantwortete. „Bei so vielen Kanälen haben die Leute sie vergessen", heißt es in einer Analyse. Auch von möglicher emotionaler Instabilität ist die Rede sowie von einem gescheiterten Versuch, sich als Sängerin neu zu erfinden. Ihr Instagram-Kanal, früher öffentlich, ist heute privat. Die Scham über den Niedergang scheint schwerer gewogen zu haben als die Möglichkeit eines Neuanfangs.
Es ist kein Einzelfall. Andere Creatorinnen derselben Generation ergingen es ähnlich. Inés Herranz, bekannt als Inesmellaman, hat seit sieben Jahren einen toten Kanal. Sarinha, eine der ersten spanischen Gamerinnen, musste wegen Multipler Sklerose aufhören; ihr letztes Video ist drei Jahre alt. Genia y Caballo, ein Kanal, der ebenfalls seinen Moment hatte, hat seit elf Jahren nichts mehr hochgeladen. Die Liste ist lang, und das Muster wiederholt sich: Ruhm, Aufgabe, Vergessen.
Die Ökonomie der Creator: von Millionen zu nichts
Der Niedergang ist nicht nur eine Frage des Egos. Dahinter liegt eine unbarmherzige ökonomische Realität. Die Werbeeinnahmen auf YouTube sind für Kanäle, die kein treues Publikum halten können, drastisch gefallen. Ein Teilnehmer veranschaulicht das am Fall eines Creators, der zeitweise 15 Millionen Abonnenten hatte und nach Vorwürfen von Manipulación de menores und Belästigung Minderjähriger erleben musste, wie seine Videos auf kaum noch 30.000 Aufrufe fielen. „Game over", lautet sein Fazit.
Die Pandemie und die Zeit danach spielten eine Schlüsselrolle. Viele Creator sprangen auf den Zug auf, als der Lockdown den Konsum digitaler Inhalte in die Höhe trieb. „Als die Leute zu ihrem alten Kram zurückkehrten, wussten sie nicht, wie sie mit der veränderten Lage umgehen sollten", merkt eine andere Analyse an. Das Ergebnis ist eine Generation von Creators, die eine Blase erlebte und sich nun mit dem Kater konfrontiert sieht.
Scheitern als Spektakel: der Blick des Publikums
Der Ton der Diskussion schwankt zwischen Spott und soziologischer Reflexion. Manche beschreiben das Phänomen als „Ernähren vom Tod und der Aufgabe" der Kanäle – eine Metapher, die die Schadenfreude zusammenfasst, die der Fall der einst ganz Oben erzeugt. Der Vergleich mit einem Aasfresser ist explizit: „Du bist das Gmork von YouTube, du ernährst dich von der Leere, die all diese armen Menschen hinterlassen, wenn sie ihre Hoffnungen und Träume verlieren."
Aber es gibt auch Raum für kühlere Analyse. Es wird darauf hingewiesen, dass YouTube versucht hat, gegenzusteuern, indem es KI-generierte Kanäle entfernt und eine menschliche Komponente für die Monetarisierung verlangt – eine Maßnahme, die den Aderlass nicht gestoppt hat. Die Konkurrenz ist brutal, das Publikum launisch. „Nur sehr wenige schaffen es, dauerhaft oben zu bleiben", resümiert ein Teilnehmer.
Was wurde aus den YouTubern, die in der Pandemie erfolgreich waren?
Der Fall von Jabiertzo, einem Creator, der während der Pandemie populär wurde, ist ein weiteres Beispiel dafür, wie schwer es ist, den Erfolg zu halten. Den genannten Daten zufolge stagnieren seine Videos bei rund 3 Millionen Aufrufen – eine Zahl, die zwar hoch ist, aber einen deutlichen Rückgang gegenüber seinen besten Zeiten bedeutet. Es heißt, er erkunde inzwischen verlassene Gebäude und setze dafür KI ein, um seinem Publikum etwas zu bieten. Die Umorientierung ist eine gängige Strategie unter denen, die nicht ganz verschwinden wollen.
Ein weiterer erwähnter Fall ist der einer Creatorin, die es bei Twitch versuchte und scheiterte. Das Scheitern auf einer Plattform garantiert nicht den Erfolg auf einer anderen. Das Publikum ist nicht übertragbar, und die Spielregeln ändern sich. Die gezogene Schlussfolgerung: Ruhm im Internet ist ein verderbliches Gut, und wer sich nicht diversifiziert oder keine solide Community aufbaut, hängt am Ende von einem Algorithmus ab, der keine Gnade kennt.
Die Frage, die niemand beantwortet: Warum springt das Publikum ab?
Die Diskussion führt zu keiner endgültigen Antwort. Verwiesen wird auf mangelnde Authentizität, auf die Wiederholung immer derselben Formeln, auf die Erschöpfung des Formats. Ein Beitrag deutet an, dass viele Creatorinnen ein verzuckertes Image aufbauen, das das Publikum am Ende als falsch durchschaut. „Keine Frau ist so", heißt es in einem Kommentar, der Misogynie mit Kritik an der Künstlichkeit der öffentlichen Figur vermischt. Die Verallgemeinerung ist ungerecht, aber der Kern des Arguments – die Diskrepanz zwischen projiziertem Image und Realität – findet in mehreren Beiträgen Widerhall.
Eine weitere Analyselinie verweist auf den unlauteren Wettbewerb der großen Medien und die Professionalisierung der Branche. Amateur-Creator können mit Produktionsteams, die tausende Euro in jedes Video investieren, längst nicht mehr mithalten. Das Ergebnis ist eine natürliche Auslese, bei der alle herausfallen, die sich nicht anpassen können oder wollen.
Die Diskussion hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Die Daten sind hartnäckig: Kanäle, die einst Millionen von Abonnenten hatten, erreichen heute keine 2.000 Aufrufe mehr. Ruhm auf YouTube ist ein Kredit, den man mit Zinsen zurückzahlen muss. Und niemand weiß, wie lang die Laufzeit ist.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (64 Antworten).