Das „Der Name der Rose“-Plakat, das einen Thriller als Teenie-Komödie verkaufte

Das Originalplakat von „Der Name der Rose“ stammte von Drew Struzan, der auch für Blade Runner und Indiana Jones arbeitete – und wirkt heute wie eine Teenie-Komödie.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Das „Der Name der Rose“-Plakat, das einen Thriller als Teenie-Komödie verkaufte
Das Plakat, das ein mittelalterliches Kloster als Sommerlager-Komödie verkaufte

Sean Connery zwinkert mit dem Gesicht eines Whisky-Verkäufers, Ron Perlman posiert wie ein Gangster mit Aura, und unten neben einem Kessel taucht ein Typ auf, der aussieht, als gehöre er in einen anderen Film. Es ist das Plakat von „Der Name der Rose“. Eine Geschichte von Inquisition, Pest und Morden in einer mittelalterlichen Abtei. Und das Bild verspricht stattdessen ein sommerliches Jugendabenteuer. Das musste mal jemand sagen.

Wer das Originalplakat von Der Name der Rose schuf

Der Urheber war kein Amateur. Drew Struzan, legendärer Illustrator der 80er Jahre, zeichnete auch die Plakate von Blade Runner und Indiana Jones. Sein Name stand damals für ein handwerklich perfektes Filmplakat, und genau dieses Prestige erklärt den Auftrag. Die Paradoxie: Das Ergebnis ist technisch korrekt, wirkt heute aber wie eine Kuriosität, die kaum zu verteidigen ist.

Manche sagen, das Problem sei nicht die Zeichnung, sondern das Konzept. Und da ist die Diagnose einhellig: Das Ganze wirkt wie die Werbung für einen kindischen Whodunit, ein Abenteuerplakat für die ganze Familie. Die so betonten Gesichter der Hauptdarsteller, sogar die der Bösewichte, verraten einen völlig anderen Film.

Warum ein helles Plakat für einen düsteren Film

Der häufigste Vorwurf betrifft das Licht. Im Film sieht man die Sonne ums Verrecken nicht, und seine Figuren stecken angeblich in Finsternis und Elend. Das Plakat dagegen ist hell, farbenfroh und freundlich, erinnert an „Die Reise ins Labyrinth“ oder „Die Braut des Prinzen“, und die Gruppenkomposition vergleichen manche mit einer Partie Cluedo.

Die plausibelste Erklärung verweist auf den Markt. Das Plakat war für das amerikanische Publikum gedacht, und der Auftrag wurde mit genau diesem Konzept vergeben, um den Film an möglichst viele Zuschauer zu bringen. Hätte das ideale Plakat düsterer ausfallen sollen, entschied man sich dagegen. Dass ausgerechnet Struzan auserkoren wurde, ändert nichts an der Sache: Beurteilt wird das Ergebnis, nicht der Lebenslauf.

Das andere Plakat, das es tatsächlich gab

Für den internationalen Markt holte man einen anderen Zeichner. Das Alternativmotiv stammte von Philippe Druillet, Comiczeichner eines gotisch-fantastischen Stils, der dem Ton der Vorlage viel näher kam. Für diesen konkreten Film den falschen Zeichner auszuwählen, sei ein schwerer Fehlgriff gewesen – wenn nicht schlicht ein Geschmacksverbrechen.

Erwähnenswert ist auch das Handwerk, das hinter solchen Aufträgen steckt. Handgemalt, an einem Nachmittag und mit nichts als Talent als Werkzeug, konnte sich ein Illustrator erlauben, sogar eine Pose oder Szene zu erfinden, die im Film gar nicht vorkam. Das gehörte zum kreativen Prozess. Dieser Spielraum ist heute verloren gegangen. Wenn man wählen müsste: Lieber Filme von diesem Qualitätsniveau, als das Budget in das Cover zu stecken.

Die Pointe obendrauf

Denn der Film war, so wird erinnert, seinerzeit einer der am aufwendigsten finanzierten der europäischen Filmgeschichte. Drehbuch, Szenenbild, Kamera und Filmmusik liegen über dem Durchschnitt. Eine ganze Produktionsmaschine – und dann wurde das Publikum mit einem schelmischen Connery und einem Mönch mit Kessel empfangen. Je länger man das Plakat ansieht, desto schlimmer wird es.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (63 Antworten).

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