Croissant für 5,80 € und ein Kaffee: die Madrid-Rechnung

Ein Creme-Croissant für 5,80 € und ein Nachmittagsimbiss für zwei über 16 €: Die Rechnung zeigt, was das Leben in Madrid, Spanien, wirklich kostet

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Croissant für 5,80 € und ein Kaffee: die Madrid-Rechnung
Nachmittagsimbiss für zwei über 16 Euro in Madrid

Ein Creme-Croissant für 5,80 Euro und ein Kaffee, der im Zentrum schon zwei kostet. Addiert man beides, kommt nicht Madrid heraus: etwas anderes, denn der Preis eines Kaffees misst sich längst nicht mehr am Kaffee. Die Rechnung für einen Nachmittagsimbiss für zwei über 16 Euro —zwei Getränke und zwei Gebäckstücke, kein Buffet, keine Eier, kein Speck— ist der ehrlichste Gradmesser dafür, was das Leben in der spanischen Hauptstadt kostet.

Das Geschäft, das ein Forumsnutzer als La Duquesita in Madrid identifiziert, hat dem Thread zufolge Oriol Balaguer als Inhaber: Schüler von Ferrán Adrià, sieben Jahre im El Bulli, Bester spanischer Handwerks-Konditor 1993 mit gerade mal 21 Jahren und Bester Konditor Spaniens 2008. Mit diesem Lebenslauf verkauft das Schaufenster kein Mehl. Es verkauft Handschrift.

Was ein 16-Euro-Nachmittagsimbiss in Madrid enthält

Die Aufschlüsselung zählt mehr als die Summe. Kein Brunch mit Eiern oder Speck: zwei Getränke und zwei Gebäckstücke, und die Rechnung liegt über 16 Euro. Ein Creme-Croissant für 5,80 Euro erklärt für sich allein den Rest der Rechnung. Hier liegt die feine Kalkulation, Posten für Posten, die man sich ansehen sollte, bevor man einen Umzug in die Gegend erwägt.

Der Abstand zwischen dieser Rechnung und einer Kneipe im Viertel liegt nicht am Produkt: Er liegt an der Postadresse.

Der Kaffee als Gradmesser: von 60 Cent auf 2 Euro im Zentrum

Nur wenige Indikatoren sind so demokratisch wie der Preis eines Kaffees: Er wird täglich konsumiert, bar bezahlt und lässt sich nicht mit einer Hypothek finanzieren. Nach einer Berechnung, die im Thread kursiert, kostete ein Kaffee im Zentrum im Jahr 2000 60 Cent; heute zwei Euro. Das Doppelte in 26 Jahren – genau in der Zeit, in der die Löhne, immer laut ebendiesem Forumsnutzer, nicht denselben Weg genommen haben.

An der Theke fallen die Zahlen niedriger aus. 1,40 Euro in der Calle Cerón, 1,60 in einer Bar in Jaén, mit Churros-Frühstück für 3,10. Wendet man die Dreisatzregel auf Kategorie und Lage an, kommt ein Forumsnutzer zum Schluss, dass die Preise des Lokals auf der Rechnung für sein Segment normal sind – mit dem Zusatz, dass sie eher hoch ausfallen.

Für die Kulisse zahlen: der Aufpreis als Filter

Hier kommt das unbequeme Argument. Behauptet wird, der Aufpreis kaufe kein besseres Gebäck, sondern einen ruhigen Tisch: eine Art Filter, der garantiert, dass bestimmte Kundentypen nicht neben einem sitzen. Das Argument funktioniert auch umgekehrt —wer für acht Euro frühstückt, sichert sich Gesellschaft, die acht Euro fürs Frühstück auszugeben bereit ist, so ein anderer Forumsnutzer— und manche ergänzen eine Folge: Sinkende Preise vergrößern das Geschäft nicht, sie verschlechtern es.

Die Lage schließt den Kreis. Trendige Läden, Einkäufe und ein Klientel, das nicht bis zu einer Viertelkneipe läuft. Wer zahlt, zahlt nicht für den Kaffee: Er zahlt dafür, die Theke nicht teilen zu müssen.

Vom Ritz in Paris zur Palme für 25 Peseten

Auch der Vergleich mit dem Ausland tröstet nicht. Manche würden sich mit dem Kopf voran über die Pyrenäen stürzen für den Sonntagsbrunch im Ritz in Paris: 250 Euro pro Person. Dem gegenüber steht die Nostalgie, gemessen in Peseten: Eine Palme, größer als das Gesicht eines Kindes, kostete frisch aus der Backstube 25 Peseten; heute tausend. Und noch eine Nebenklage: In Spanien sind elegante Cafés wie die nördlich der Pyrenäen selten – oder extrem selten.

Wohnen und Löhne: die Rechnung, die nicht aufgeht

Die Rechnung schließt nur den Kreis. Es wird argumentiert, dass eine Erhöhung des SMI (des gesetzlichen Mindestlohns in Spanien) um 60 % ohne Bewegung bei den höheren Gehältern —10 bis 15 % in acht Jahren— nach unten angleicht und die ärmer macht, die ihn nicht beziehen. Und die Miete: Wo früher 500 oder 600 Euro für eine Zwei- oder Dreizimmerwohnung gezahlt wurden, ist der Maßstab aus den Fugen geraten. „In einer freien Marktwirtschaft sind die Preise frei“, fasst ein anderer Forumsnutzer zusammen. Aufstehen vom Tisch ist es auch.

Ein berechtigter Zweifel bleibt: Wenn die 16-Euro-Rechnung das Signal dafür ist, dass Madrid zu einem Club mit Eintrittsgeld geworden ist, wie viele von denen, die einen Umzug planen, würden es noch tun? Die Rechnung liegt auf dem Tisch, und niemand hat sie bisher verlangt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (48 Antworten).

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