Correos: Unbefristeter Streik bedroht die Briefwahl in Spanien

Die spanische Post Correos hat einen unbefristeten Streik ab dem 3. November angekündigt – mitten im Wahlkampf und mit der Briefwahl auf dem Spiel. Auslöser: das Ende der Telearbeit.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Correos: Unbefristeter Streik bedroht die Briefwahl in Spanien
Correos stellt sich quer – sechs Wochen vor dem 23-J

Die Zentrale von Correos in der Calle Conde de Peñalver in Madrid startete diesen Montag eine Eskalation von Protesten, deren Zeitplan verdächtig genau mit dem Wahlprozess übereinstimmt. Die Sindicato Libre de Correos y Telecomunicaciones (Freie Gewerkschaft der Post- und Telekommunikationsbeschäftigten), die sich als größte Gewerkschaft in der Region Madrid präsentiert, hat tägliche Teilbestreikungen von 13:00 Uhr bis Feierabend, drei Streiktage am 27., 28. und 29. Oktober sowie einen unbefristeten Streik ab dem 3. November angekündigt. Der offizielle Grund: die Abschaffung der Telearbeit, die die Führung unter Pedro Saura beschlossen hat.

Das Problem ist der Zeitpunkt. Der unbefristete Streik würde beginnen, kurz bevor die Oficina del Censo Electoral (das spanische Wahlregisteramt) am 9. November die Unterlagen an die Wahlberechtigten verschickt, und würde während des gesamten Wahlkampfs, der am 13. beginnt, sowie während der gesamten Frist für die Briefwahl, die am 25. endet, andauern. Das heißt: Der Dienst, der die Briefwahl abwickelt, würde mitten in der Operation im Ausstand stehen.

Der IT-Ausfall, der die Alarmglocken schrillen ließ

Noch bevor die Arbeitsniederlegungen begannen, legte ein systemweiter Ausfall die Correos-Filialen in ganz Spanien lahm. Pakete konnten abgeholt werden; Anträge auf Briefwahl waren nicht möglich. Nach Gewerkschaftsangaben kümmerte sich niemand um die Störung, bis um 8:00 Uhr das Personal kam, und der Dienst erholte sich erst ab 10:00 Uhr teilweise. Fällt das System erneut mitten in der Versand- und Einreichungsphase aus, warnen sie, "kann es ordentlich krachen".

Die Gewerkschaft bringt den Ausfall mit dem Konflikt in Verbindung, schließt Sabotage aber aus. Ihre Version: Ein Großteil des IT-Personals hatte Gehälter unter Marktniveau im Gegenzug für Telearbeit akzeptiert und deckte inoffiziell Nacht- und Wochenendschichten ab. Mit dem Ende der Telearbeit ist diese Unterstützung verschwunden. Die Sorge gilt Iris, dem System, über das die Briefwahl abgewickelt wird.

Was hinter dem Ende der Telearbeit steckt

Auslöser war nach Gewerkschaftsangaben ein Besuch des Vorstandsvorsitzenden in den Büros. Er fand sie leer und schloss daraus, dass die Belegschaft nicht arbeite – tatsächlich arbeitete sie aus der Ferne. Ende Juni beschloss das Unternehmen, die Telearbeit einseitig abzuschaffen. Sechs Jahre nach ihrer Einführung ist sie bei Correos bis heute nicht geregelt. In der Zentrale gibt es keine Zeiterfassung, sodass die von zu Hause geleistete Arbeit nicht nachweisbar ist. Bislang arbeitete die Belegschaft dreieinhalb Tage pro Woche von zu Hause, und viele Beschäftigte hatten sich außerhalb von Madrid, in anderen Provinzen oder sogar auf den Inseln niedergelassen, überzeugt, das Modell sei dauerhaft. Mehrere Arbeitnehmer haben den Konflikt bereits einzeln vor Gericht gebracht.

Die Initiatoren betonen, der Protest sei "rein arbeitsrechtlich" und verweisen darauf, dass der Kalender in einer Versammlung gebilligt wurde, bevor die Wahlen angesetzt wurden. Doch die Übereinstimmung bringt Correos erneut in ein heikles Thema ins Rampenlicht: Nach den Parlamentswahlen 2023 musste das Unternehmen seine Verwahrungsverfahren für die Briefwahl bereits öffentlich verteidigen.

Wahlbetrugsverdacht und die Debatte über die Privatisierung

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Ein Teil der Kommentare sieht im Streik ein Manöver, um den Wahlprozess zu stören; andere erinnern daran, dass der Kalender vor der Wahlankündigung abgestimmt wurde und der Konflikt streng arbeitsrechtlich ist. Manche fordern die Abschaffung der Briefwahl, andere verlangen 100 % Notdienste während der Wahloperation, und wieder andere sehen in dem Ganzen den nächsten Vorwand, ein defizitäres Unternehmen zu privatisieren. Das am häufigsten gebrachte Argument: Im Zeitalter des E-Commerce, mit explodierenden Paketzahlen, kann Correos nicht konkurrieren und schleppt ein überholtes Geschäftsmodell mit sich herum.

Die Ironie liegt auf der Hand. Manche fragen mit einem Grinsen, ob die Postboten künftig von zu Hause aus fahren oder die Briefe am Telefon vorlesen. Und jenseits des Witzes gehen andere der Sache auf den Grund: Der Großteil der Belegschaft sind Zusteller und Bürokräfte, die anwesend sein müssen. Wer arbeitet bei Correos überhaupt im Homeoffice? Die Frage ist nicht trivial, denn von der Antwort hängt ab, ob der Konflikt eine berechtigte Forderung oder eine Schutzbehauptung ist.

Das Geschäft, das nicht aufgeht

Correos schleppt Verluste und ein Geschäftsmodell mit sich, das nicht so recht passt. Der Paketversand kommt gegen die private Konkurrenz nicht in Schwung, und das staatliche Unternehmen ist für einen Käufer alles andere als ein Schnäppchen. Die Paradoxe: Trotz boomenden E-Commerce findet das Unternehmen seinen Platz nicht. Währenddessen kämpft die Belegschaft um eine nie geregelte Telearbeit, und die Führung drängt darauf, die Präsenz wieder unter Kontrolle zu bringen.

Die Frage, die in der Luft bleibt, ist unbequem: Wenn das IT-System mitten im Wahlkampf erneut ausfällt – kann dann jemand mit geradem Gesicht behaupten, alles sei Zufall gewesen?

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (57 Antworten).

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