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Churchill: Mythos versus Bengalen, Irak und Rassismus
Churchills Mythos bröckelt: von rassistischen Zitaten über die Hungersnot in Bengalen bis zu willkürlichen Grenzziehungen im Nahen Osten.
Churchill: Der Mythos passt nicht zu Bengalen oder Irak
Kann «der beste Premierminister der Geschichte» ein Mann sein, der für die Hungersnot in Bengalen verantwortlich gemacht wird und Grenzen im Nahen Osten mit einem Bleistift zog? Diese Frage ist nicht neu. David Cameron lobte ihn vor einigen Jahren überschwänglich, und britische Umfragen küren ihn zum größten Briten aller Zeiten. Lehrbücher stellen ihn als den «Bulldog» dar, der Hitler stoppte. Doch es gibt eine andere Lesart, die außerhalb des angloamerikanischen Raums großen Anklang findet: Dort gilt Winston Churchill als Gesicht des skrupellosesten Imperialismus. Dies ist keine Stammtischtheorie; zeitgenössische Dokumente stützen weite Teile dieses Bildes.
Der Rassismus, den Churchill nicht versteckte
Churchill sprach von einer «arischen Rasse» und behauptete, es sei richtig, dass «eine stärkere Rasse, eine höherstehende Rasse» die indigenen Völker ersetze. Im Jahr 1911 verbot er interrassische Boxkämpfe, damit kein weißer Boxer gegen einen schwarzen verlieren würde. Er betonte die «angelsächsische Überlegenheit», die Großbritannien und die USA teilten, und beschrieb antikoloniale Aktivisten als Wilde, «bewaffnet mit Ideen». Dies waren keine isolierten Ausrutscher. Seine Zeitgenossen fanden diese Ansichten schockierend.
Der Kolonialminister Leo Amery schrieb über ihn einen selten zitierten Satz: In der Indienfrage war Winston nicht ganz bei Sinnen, und Amery sah keinen großen Unterschied zwischen dessen Meinung und der Hitlers. Dieses Zitat wiegt schwer, kommt es doch aus solchem Munde. Es erklärt teilweise, warum für viele Menschen auf der Welt das Empire, in dem die Sonne nie unterging, weniger Zivilisation und mehr Symbol des westlichen Imperialismus verkörpert. Anhänger dieser These argumentieren, dass der Mythos Churchill als Werkzeug diente, um die Verbrechen der britischen Kolonialvergangenheit schönzureden und zugleich den darauf folgenden Neokolonialismus zu verschleiern.
Welche Rolle spielte Churchill bei der Hungersnot in Bengalen und im Irak?
Während der Hungersnot in Bengalen im Jahr 1943, als Churchill an der Spitze der Regierung stand, erlebte das sogenannte «Juwel des Empire» eine der größten humanitären Katastrophen seiner Geschichte. Die harte Linie gegen die Entsendung von Hilfsgütern ist einer der am häufigsten genannten Schandflecken seiner Biografie. Hinzu kommt seine Befürwortung des Einsatzes chemischer Waffen: Während des kurdischen Aufstands von 1920, als er Staatssekretär für Krieg war, konnte er die Weigerung, Gas als «Terrorwaffe» gegen sogenannte unzivilisierte Stämme einzusetzen, nicht verstehen. Im selben Jahr entsandte er die Black and Tans zur Niederschlagung des irischen Aufstands, eine paramilitärische Truppe, die durch ihre Angriffe auf die Zivilbevölkerung traurige Berühmtheit erlangte.
Seine Spuren im Nahen Osten sind ebenso umstritten. Churchill wird zugeschrieben, Jordanien an einem Sonntagnachmittag mit einem Bleistift gezeichnet und den Irak Faisal, dem Bruder des Prinzen Abdullah, auf der Kairo-Konferenz übergeben zu haben, zu der Araber nicht eingeladen waren. Die Zick-Zack-Grenze zwischen Jordanien und Saudi-Arabien wurde wegen ihres nachlässigen Verlaufs nach einem üppigen Mittagessen als «Churchills Schluckauf» bezeichnet. Kritiker sagen, dies habe zu Jahrzehnten der Instabilität in einer Region geführt, die mit Grenzen zusammengenäht wurde, welche die dort lebenden Ethnien ignorierten. Innerhalb des Iraks, so heißt es in dieser Darstellung, zeigen viele bei der Frage nach der Schuld an der Instabilität nicht auf George Bush, sondern auf Churchill.
Erinnerungen ohne Holocaust
Ein oft wiederholtes Detail: In seinen sechs Bänden umfassenden Memoiren, mit 253 Kapiteln und fast 5.800 Seiten, erwähnt Churchill den Holocaust nicht. Wer dies kritisiert, sieht darin ein Argument, um den historischen Konsens infrage zu stellen, obwohl diese Auslassung auch bei anderen damaligen Führern vorkommt: Weder De Gaulle noch Eisenhower thematisierten ihn. Das Fehlen hat jahrelang alle möglichen Theorien genährt, die meisten ohne jegliche Beweise.
Warum er in Großbritannien weiterhin verehrt wird
Die gängigste Antwort lautet Kontext. Churchill war ein Viktorianer, geprägt von einem Empire, das Härte verlangte, und viele seiner Ideen zu Rasse und Eugenik waren im Europa seiner Zeit weit verbreitet. Dass er die Vorurteile seiner Epoche teilte, macht ihn weder außergewöhnlich… noch spricht es ihn frei. Eine weitere, unbequemere Verteidigung besagt, dass die angloamerikanische Version des Zweiten Weltkriegs so oft wiederholt wurde — in Zeitschriften, Büchern, Filmen —, dass sie sich in ein Glaubensdogma verwandelt hat, wobei Uniform und Stiefel bestimmen, wer der Bösewicht ist.
Das Bemerkenswerte ist die Asymmetrie. Der Mythos herrscht in britischen Wohnzimmern vor, wo sein Porträt den Kaminsims dominiert. Außerhalb davon lastet das Erbe in die entgegengesetzte Richtung. Seine Kritiker erinnern daran, dass Churchill nie vom Volk zum Premierminister gewählt wurde und während des Krieges ins Amt kam, ein Faktum, das seine Verteidiger ignorieren.
Bei einer solchen Historie ist es verständlich, dass sein Bildnis weiterhin britische Kaminsimse ziert. Und dass man ihm außerhalb davon keine Träne nachweint.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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