Kulturkampf um die tägliche Dusche in Spanien

Ein chinesischer Einwanderer erzählt im Podcast 'Un chino y medio' von seinem Anpassungsprozess an spanische Hygienestandards und löst eine Debatte aus.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Kulturkampf um die tägliche Dusche in Spanien
Kulturkampf um die tägliche Dusche in Spanien

Jiajun Yin hatte in seiner Heimat eine völlig normale Hygieneroutine. In Spanien wurde sie jedoch zum Problem. „Als ich nach Spanien kam, duschte ich nicht jeden Tag, auch nicht im Sommer. Ich duschte nur alle zwei Tage“, erklärte er im Podcast Un chino y medio, in dem mehrere in Spanien lebende junge Chinesen beschreiben, wie sich ihr Verhältnis zur Körperpflege mit der Ankunft hier verändert hat. Die scheinbar banale Anekdote löste eine Diskussion aus, die weit über Seife hinausgeht: Wie viel Hygiene ist Gesundheit und wie viel ist bloße soziale Pose?

Yin selbst gibt zu, dass er sich schließlich an das tägliche Duschen gewöhnt hat, nachdem er feststellte, dass dies in Spanien die Norm ist. Aber nicht ohne Widerstand. „Normalerweise duschen wir uns abends, um sauber ins Bett zu gehen und ruhig zu schlafen. Wenn du dich morgens duschst, gehst du auf die Straße und wirst wieder schmutzig, oder?“, argumentiert er. Die verbreitetste spanische Antwort, zusammengefasst von einem Mitbewohner des Podcasts, lautet anders: „Ich glaube, die Leute hier duschen sich morgens, um für die Menschen, die sie tagsüber treffen, frisch zu sein.“

Deodorant, das es in China kaum gibt

Die zweite Front des Kulturschocks ist der Geruch. Die spanische Illustratorin KALTTHER, die am Gespräch teilnahm und in Japan gelebt hat, erzählte, dass ihr asiatischer Ex-Partner „kaum roch“ und kein Deodorant benutzte. Ein weiterer Teilnehmer fügte eine Aussage hinzu, die in Spanien wie Blasphemie klingt: „In China wird meines Wissens nach gar kein Deodorant verkauft.“ Er musste seine Mutter bitten, ihm während seines Aufenthalts in Japan welches zu schicken.

Parfüm ist ein weiteres Schlachtfeld. In Spanien wird es fast als persönliche Unterschrift genutzt; in Japan hingegen, so die Illustratorin, „gilt es als schlechter Ton, Eau de Cologne zu tragen, weil es bedeutet, dass man schlecht riecht und versucht, dies zu übertünchen“. Manche verwenden es nur in bestimmten Arbeitskontexten: „Als ich Kellner war, trug ich es täglich zur Arbeit.“

Ist tägliches Duschen schlecht für die Haut?

Das Gespräch wandte sich schnell einem Argument zu, das immer wieder auftaucht: tägliches Duschen als Angriff auf die Haut. „Tägliches Duschen ist wirklich schädlich für die Haut. Wenn man sich einmal pro Woche richtig wäscht und täglich Achselhöhlen (und Leiste, wenn man unter Menschen arbeitet) reinigt, reicht das völlig“, vertritt eine der häufigsten Positionen. Die Grundidee ist, dass übermäßiger Seifengebrauch den natürlichen Fettfilm der Epidermis zerstört, was letztlich zu mehr Schweiß und Geruch führt, nicht weniger.

Dem gegenüber steht die Verteidigung des täglichen Badens, die sich weniger auf Biologie als auf Zusammenleben stützt. „Ins Bett zu gehen, ohne geduscht zu haben, ist total unhygienisch. Du bist den ganzen Tag draußen, schwitzt, gehst ins Bett und duschst dann morgens, um dich wieder schmutzig zu machen“, fasst eine Position zusammen, die认为 abendliches Duschen als einzige Möglichkeit ansieht, Keime im Haus zu vermeiden. Morgendliches Duschen wird stattdessen als eine vom US-Film importierte Gewohnheit betrachtet, die unkritisch übernommen wurde.

Deodorant unter Verdacht

Deodorant bekommt im Austausch oft die schlechteste Bewertung. Manche bezeichnen es direkt als schädliches Produkt und behaupten, es mache nur Sinn, wenn man den ganzen Tag außer Haus ist und nicht aufhören kann. Die vorgeschlagene Alternative ist die altbekannte: tägliche Reinigung kritischer Zonen und vollständiges Duschen nur bei Bedarf.

Die Frage des Körpergeruchs erzeugt mehr Reibung. Eine Strömung vertritt, dass natürlicher Geruch nicht so ekelerregend sein sollte und wer sich darüber empört, lebe in einer Blase des Wohlbefindens. Eine andere entgegnet, dass natürlicher Geruch etwas anderes sei als Verwahrlosung, und wer kein Deodorant nutze, weil er gerade geduscht habe, werde im Laufe des Tages trotzdem riechen. Dazwischen liegt die wiederholte Beobachtung, dass viele Asiaten weniger schwitzen und weniger riechen, was erklären würde, warum Deodorant für sie verzichtbar erscheint.

Was unsere Großeltern taten

Der historische Vergleich dient als Autoritätsargument. Bis vor nicht allzu langer Zeit hatten in Spanien nicht alle Häuser ein Badezimmer, und Duschen oder Baden war eine wöchentliche Angelegenheit, traditionell sonntags. „Ich bin in den 90ern geboren, aber bei meinen Großeltern aufgewachsen, die in den 20ern geboren wurden. Sie füllten sonntags nachmittags penibel die Badewanne“, erzählt jemand, der diese Erinnerung nutzt, um die angebliche Pflicht zum täglichen Baden zu relativieren. Teilweise Hygiene – Füße, Achseln, Leiste – war in den meisten Haushalten die Norm, nicht die Ausnahme.

Diese Tatsache verwirrt jene, die tägliches Duschen mit Zivilisation gleichsetzen. Wenn unsere Großeltern sich einmal pro Woche wuschen und die Welt nicht unterging, woher kommt der aktuelle Druck? Die angeführte Antwort ist weniger gesundheitlich als sozial: Tägliches Duschen fungiert als Statussymbol, eine Art zu sagen, dass man nicht zu den Riechenden gehört. Und wie jedes Statussymbol wird es übertrieben.

Das Gleichgewicht, über das niemand streitet

Abseits des Lärms gibt es einen Konsens, der fast alle Positionen durchzieht: Hygiene ist wichtig, aber Übertreibung hat ihren Preis. Saubere Kleidung, Zähneputzen und tägliche Reinigung kritischer Zonen; vollständiges Duschen, wenn der Körper es verlangt oder das Zusammenleben es erfordert. Weder dreistündige Bäder noch Wochen ohne Wasser.

Das Bemerkenswerte ist, dass die Diskussion nicht von Spaniern eröffnet wurde, sondern von Zuwanderern, die auf eine ungeschriebene Norm stießen, die in keinem Handbuch stand. Die Anekdote vom Duschen alle zwei Tage ist eigentlich die Geschichte davon, wie ein Land eine Gewohnheit in eine sarracena Verpflichtung verwandelt. Und davon, wie jene, die sie nicht erfüllen, auch wenn sie von weit her kommen, schließlich lernen, sie zu erfüllen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (164 Antworten).

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