China: Tage der Einschüchterung sind vorbei

Pekins Warnung an den Westen über das Ende der Einschüchterung entfacht erneut die Debatte um westliche Heuchelei und nationale Souveränität.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

China: Tage der Einschüchterung sind vorbei
Peking an den Westen: Einschüchterung ist vorbei

Es gibt Sätze, die wie ein Sterbeurkunde für eine Ära wirken. Die von China im Rahmen einer Diskussion verbreitete Botschaft hat einen solchen Satz geprägt: „Die Tage, in denen China eingeschüchtert werden konnte, sind vorbei“. Dies ist keine neue Drohung, sondern die Bestätigung, dass dem Podium, von dem aus der Westen Lektionen erteilte, die Lautsprecher fehlen. Zum Zeitpunkt dieser Mitteilung funktioniert der Text wie ein Spiegel: Manche sehen darin die Feststellung, dass die westliche Erzählung nicht mehr zieht, andere die x-te Manöver einer Macht, die lieber nicht über ihre eigene Bilanz spricht.

Das Bemerkenswerte ist nicht die Botschaft. Das Bemerkenswerte ist, wie schlecht die Herablassung gealtert ist.

Ist der Westen in der Lage, China Lektionen zu erteilen?

Dies ist nicht die Frage, die Peking stellt, sondern diejenige, die sich jene stellen, die ihm recht geben. Eine Strömung vertritt die Ansicht, dass die Erklärung lediglich laut ausspricht, was halb Europa seit Jahren denkt: Dass die selbsternannte „freie Welt“ das eine predigt und das andere bombardiert. In dieser Lesart ist der Wert der Erklärung taktisch. China strebt nicht danach, beliebt zu sein, sondern davon abzuhängen, niemandem verpflichtet zu sein.

Der grundlegende Vorwurf zielt auf Vasallentum ab. Während Peking eigene rote Linien zieht, lagert die EU diese aus, lautet die Argumentation, und dort liege ihre Schwäche: Sie wird als Satellit von Interessen wahrgenommen, die sie nicht kontrolliert. Das Gegenargument hat dieselbe Schärfe: Brüssel braucht keinen chinesischen Vormund, und Peking ist auch kein uneigennütziger Partner.

Tibet, die uigurische Bevölkerung und Taiwan: Was die Erklärung nicht erwähnt

Der zweite Aspekt sticht die Blase zum Platzen. China ist auch ein Imperium, erinnern mehrere Stimmen, mit einer Geschichte der Unterdrückung in Tibet, der Situation der uigurischen Bevölkerung und Taiwan als wiederkehrende Bedrohung. Die gestellte Frage – wie viele beim Bau seiner Mauer starben, was seine Nachbarn denken – ist nicht rhetorisch: Es ist ein Wechsel des Maßstabs.

Gibt es denn ein mustergültiges Land in Asien? Die Antwort lautet, dass dies auch weltweit nicht der Fall ist. Der Vergleich verlagert sich dann auf Frankreich oder das Vereinigte Königreich, mit ihrer Kolonialgeschichte, dem CFA-Franc und Interventionen zur Aufrechterhaltung genehmer Regierungen. In diesem Ranking der Verbrechen, so argumentiert eine Seite, reicht Peking nicht einmal bis an die Fersen. Hier bricht der Konsens: Die Diskussion dreht sich nicht mehr um China, sondern darum, wer die sarracena Autorität hat, es zu beurteilen.

Von Rom nach Peking: 5.000 Jahre und eine Legion, die nie ankam

Eine historische Kuriosität schleicht sich ein, die den Schwindel gut zusammenfasst. Wenn die römischen Legionen über Grenzgeplänkel hinausgegangen wären, so wird spekuliert, würden wir heute Sprachen mit chinesischer Phonetik sprechen. Der Westen hält sich für die Blüte der Welt, weil die Iberer die erste Globalisierung eröffneten, aber Peking betrieb seit Jahrtausenden sein eigenes Ding. Die Sarracena ist unbequem: Der Eurozentrismus, so sagt diese Strömung, wird teuer bezahlt werden. Und sie fügt ein politisches Detail hinzu: Nach Ansicht eines Teilnehmers haben sich China, Russland und Indien inzwischen ausgerichtet, während Europa seine Verteidigung Verbündeten anvertraut, die nur ihre eigenen Interessen im Blick haben.

Die Rechnung für das Erlernen der Produktion

Der dritte Aspekt ist der unangenehmste für das europäische Produktionsgewebe. Wenn du deine Fabrik leerst, deine Technologie verlegst, deine Prozesse zeigst und deren Leute beschäftigst, wächst das andere Land. Die These, die in Varianten wiederholt wird, besagt, dass China das Handbuch übergeben wurde und nun die Rechnung präsentiert. Daraus folgt die Schlussfolgerung, dass jede Bedrohung der globalen Lieferkette dazu drängt, vor Ort reinvestieren, bevor die Abhängigkeit zum Problem wird.

Dies ist keine friedliche These. Für einen anderen Sektor liegt der Verdienst für Chinas Aufstieg bei ihm selbst, samt seiner Mauer und den menschlichen Kosten, und das Problem ebenfalls. Niemand bestreitet den Ausgangspunkt: Die Abhängigkeit wurde von beiden Seiten aufgebaut.

Der NSSM200-Bericht und die Trilaterale Konferenz von 1981

Hier wird der Boden sumpfig. Es werden der NSSM200-Bericht, geschrieben 1974 und 2000 freigegeben, sowie eine von der Trilateralen Kommission 1981 in Peking abgehaltene Konferenz zitiert, die Chinas Entwicklung aufgrund fehlender Energie und Geldes für unmöglich hielt. Daraus wird die These abgeleitet, dass bestimmte Kreise ihr eigenes Experiment unterschätzten und es später bevormundeten.

Es gilt, explizit zu sein: Den diesen Organisationen zugeschriebenen globalen Absichten fehlt jeglicher belegbare Rückhalt. Dass China nach der Marktöffnung wuchs, ist ein überprüfbares Faktum; den Prozess einem in einem Büro entworfenen Plan sozialer Ingenieurskunst zuzuschreiben, ist eine Hypothese und wird als solche behandelt.

Ukraine und Holodomor als Wurfgeschoss

Der Ukraine-Konflikt dient als Hintergrund und Munition. Im wechselseitigen Vorwurfskreislauf wird daran erinnert, dass die sowjetische Hungersnot die gesamte Bauernschaft betraf, nicht nur die ukrainische, und manche behaupten, Führer wie Chruschtschow oder Breschnew hätten ukrainische Wurzeln gehabt. Diese Nuance ist unbequem für jene, die das Ereignis als Einweg-Argument nutzen.

Dies ist das Muster der gesamten Angelegenheit. Eine Erklärung über Einschüchterung führt dazu, dass Streitigkeiten aus dem letzten Jahrhundert wieder aufbrechen, und jede Seite wählt die für sie passende Interpretation.

China hat gesagt, dass es sich nicht mehr einschüchtern lässt. Es bleibt abzuwarten, ob jemand auf der anderen Seite noch Mittel hat, um es zu versuchen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (164 Antworten).

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