China gegen Japan: Der Kampf um asiatische Soft Power

Der Streit zwischen China und Japan um kulturellen Einfluss mündet in Debatten über Schwarzpulver, die Pandemie und soziale Hierarchien ohne vergleichbare Indikatoren.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

China gegen Japan: Der Kampf um asiatische Soft Power
China gegen Japan: Der Kampf um asiatische Soft Power

Ein Kunde betritt einen von einer chinesischen Familie geführten Lebensmittelladen, kauft Kaki und wird von der Verkäuferin als „hübsch“ bezeichnet. Die fast ethnografisch detaillierte Anekdote dient nicht nur zum Schmunzeln: Sie fasst den Konflikt zwischen der alltäglichen Wahrnehmung eines Landes und seinem tatsächlichen Gewicht auf dem globalen Parkett zusammen. Die Diskussion darüber, ob die Chinesen die Besten sind, führt schnell zu einer unbequmeren Frage: Was genau misst diese vermeintliche Überlegenheit?

Auslöser ist eine pauschale Aussage. Die Antwort kommt in Form eines regionalen Vergleichs: Japan wird als Rivale genannt, der laut einiger Teilnehmer China in kulturellem Einfluss „haushoch schlägt“. Das Argument stützt sich auf Serienkonsum, Tourismus und die Fähigkeit, ein Image zu exportieren. Es ist die alte These der Soft Power: Relevante Länder verbreiten ihre Kultur und besetzen das fremde Imaginäre. Wer diesen Maßstab verteidigt, erhält sofortige Gegenrede: Wenn Serien das Kriterium sind, sollten Venezuela und die Türkei die Welt anführen.

Soft Power als Fieberthermometer für Großmächte

Die Debatte verheddert sich in der Definition von Macht selbst. Für manche ist Popkultur der entscheidende Indikator; für andere ein Accessoire, das nichts erklärt. Mitten im Diskurs taucht Actionkino als Gegenbeispiel auf: Jackie Chan und seine Filme werden zitiert, um zu beweisen, dass China durchaus massive Kulturgüter exportiert hat, auch wenn dies jahrzehntelang aus Hong Kong geschah.

Tourismus fungiert als weiteres Schlachtfeld. Die Frage, wer China besuchen würde, wenn Japan gleich nebenan liegt, wird mit Dokumentationen über Strände und konkreten Städten beantwortet, die für manche zum Wunschziel werden. Chengdu wird als Beispiel für eine Metropole genannt, die kein offensichtliches Pendant im Westen hat. Der Vergleich wird dann geografisch statt kulturell.

Die Pandemie als Feuerprobe

Der chinesische Lockdown schleicht sich durch die Hintertür in die Unterhaltung. Ein Teil behauptet, das Ausmaß der Isolation sei deutlich höher gewesen als in Spanien und habe länger gedauert, was den Grad der Unterordnung der Bevölkerung unter die politische Macht offenbare. Die Gegenrede lässt nicht auf sich warten: In China hätten Ausländer mit Kontrolle und 14-tägiger Quarantäne einreisen können, während in Spanien das Land für Spanier geschlossen war und Ausländer problemlos einreisen durften.

Impfungen mischen sich in den Austausch. Es wird behauptet, in China habe es überall kostenlose Tests gegeben und wer sich nicht impfen lassen wollte, hatte keine Probleme. Die chinesische Impfung wird als abgeschwächter Bicho beschrieben, im Gegensatz zur spanischen, die als experimentelle mRNA-Behandlung eingestuft wird. Dies ist eine Behauptung, die im Austausch ohne dokumentarische Grundlage kursiert und als solche gelesen werden sollte: eine Meinung unter vielen.

Historischer Ursprung des Schwarzpulvers und die Erzählung des Raubs

Die Diskussion geht Jahrhunderte zurück. Man erinnert daran, dass die Chinesen das Schwarzpulver erfunden haben, dieses aber über die Muslime nach Europa gelangte, lange bevor Europäer direkten Kontakt zu China hatten. Die Engländer brauchten lange, um Asien zu erreichen; zuvor waren Spanier, Portugiesen und Niederländer dort. Zu dieser Zeit übertraf die europäische Dominanz über das Schwarzpulver die asiatische. Die Japaner, so diese Lesart schlauer, kopierten portugiesische Waffen.

Ein anderer Beitrag behauptet, China sei vor 200 Jahren von den Angelsachsen erobert worden und ihr bestes Vermächtnis, das Tibet, sei von den Handlangern des bösen Anglo-Saxon zerstört worden, einschließlich seiner Jahrtausende alten Kultur. Die Aussage mischt Geschichte, Geopolitik und eine nicht weiter ausgeführte ideologische Last. Parallel dazu wird verteidigt, dass China in der Natur Japan haushoch schlage, was den Vergleich wieder auf die physische Geografie zurückführt.

Schwarmgeister gegen Balkonköpfe

Der härteste Austausch kommt mit der Charakterisierung der Gesellschaften. Es wird behauptet, Chinesen seien „Bots, Schwarmgeister, Arbeitsbienen“. Die Antwort dreht den Spiegel um: Spanier wären „Balkonköpfe“, die um acht Uhr abends applaudieren und in den Medien wiederholte Dogmen als eigene Meinung verteidigen, um gute Bürger zu scheinen. Die daraus gezogene Schlussfolgerung lautet, dass der durchschnittliche Chinese mehr Urteilsvermögen habe als der durchschnittliche Spanier.

Der Gegenschlag unterscheidet zwischen Verallgemeinerung über eine Gruppe und der Beschreibung eines strukturellen Merkmals. Es wird argumentiert, dass Chinesen seit urdenklichen Zeiten so seien, während einige Spanier dies nicht unbedingt seien. Die Diskussion driftet zu Demografie, Geopolitik und historischen Umständen, mit der Warnung, diese nicht mit individuellem Verdienst zu verwechseln. Gelobt wird allerdings, dass der durchschnittliche Chinese sein Land liebe und verteidige, im Gegensatz zu einem durchschnittlichen Spanier, der sich mit identitären „Albernheiten“ beschäftige, während er sich invadieren lasse.

Chinas Wachstum zwischen Kopie und Hierarchie

Die wirtschaftliche Erklärung für Chinas Aufstieg wird auf drei Faktoren reduziert: billige Arbeitskräfte, Repression und Respekt vor der Hierarchie. Damit und durch Kopieren hätte China bis zum Gleichstand mit den Ersten-Welt-Mächte wachsen können, indem es die Vorteile nutzte, die ihm der Westen gewährte. Die These wird nicht mit Zahlen untermauert, prägt aber den Ton eines Teils des Austauschs.

Gegen diese Lesart beschreibt ein anderer Beitrag das Wachstum als Parasitismus: Risse und Lücken in fremden Mauern nutzen, sich darin einnisten und alles Angestoßene verderben, bis die Bewohner gehen. Das Haus bleibt ein degradierter Raum, aber bewohnbar für jene, die daran gewöhnt sind. Die Metapher ist hart und datenlos, illustriert aber den Grad der Feindseligkeit, den der Austausch erreicht.

Die Ladenbesitzer-Anekdote und das Ende der Debatte

Die Szene im Lebensmittelladen kehrt am Ende zurück. Der Kunde erinnert sich, dass die Verkäuferin ihn jedes Mal beim Betreten als „hübsch“ bezeichnete, er es für eine Verkaufsformel hielt und eines Tages, als er sah, dass ein anderer Kunde nicht so angesprochen wurde, beschloss, ein Gespräch zu beginnen. Die Anekdote bricht vor dem Ende ab und lässt die Geschichte in der Luft hängen. Es ist das konkreteste Porträt des gesamten Austauschs: eine alltägliche Geschäftsbeziehung, die dazu dient, über zwei Länder zu sprechen, die die meisten Teilnehmer nie betreten haben.

Die verwirrende Tatsache ist keine Zahl. Es ist die Feststellung, dass nach 176 Antworten und 853 Tagen Diskussion niemand einen einzigen vergleichbaren Indikator – Pro-Kopf-Einkommen, Produktivität, Lebenserwartung, Patente – vorgelegt hat, um zu entscheiden, wer „der Beste“ ist. Diskutiert wird über Serien, Strände, Schwarzpulver und Impfungen. Über alles andere herrscht Schweigen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (176 Antworten).

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