US-Warnung vor russischer Bedrohung im All

Der Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses warnt vor einer „gravierenden Bedrohung“ durch Russland im Weltraum und fordert vollständige Entklassifizierung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

US-Warnung vor russischer Bedrohung im All
US-Kongress warnt vor russischer Bedrohung im All

Am 9. Februar brachte eine Sojus-2-Rakete die Mission Kosmos-2575 in den Orbit. Parallel zu dieser seit Dezember laufenden Serie von Starts stellte der Ständige Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses allen Kongressmitgliedern Informationen über eine „schwere Bedrohung der nationalen Sicherheit“ zur Verfügung. Der Ausschussvorsitzende forderte Präsident Biden auf, alle damit zusammenhängenden Dokumente freizugeben, damit Kongress, Regierung und Verbündete offen über notwendige Maßnahmen diskutieren können. Laut einem von CNN zitierten Beamten handelt es sich um eine russische Fähigkeit, die „höchst besorgniserregend und destabilisierend“ sei. Eine demokratische Quelle teilte NBC News mit, die Lage sei „ernst“, stelle eine „potenzielle ausländische Bedrohung“ dar und gefährde die „nationale Sicherheit“. Zu Beginn war nicht klar, ob tatsächlich Russland das benannte Land war.

Atomwaffen im Orbit oder nuklear betriebene Antisatellitenwaffen?

Die vorherrschende Interpretation lautet, dass Versuche unternommen werden, Atomwaffen im Weltraum zu stationieren, um sie gegen Satelliten einzusetzen, nicht gegen Städte. Zum Zeitpunkt dieser Diskussion hatte Moskau nichts in den Orbit gebracht: Man schrieb ihm lediglich die Absicht zu, und die Sojus-2-Starts seit Dezember wurden als Zeichen gewertet, dass die Umsetzung näher rückte. Diese Nuance ist wichtig. In technischen Analysen wird argumentiert, dass es sich nicht um Sprengköpfe handele, sondern um nuklear angetriebene Antisatellitenwaffen, ähnlich dem Generator-Typ, den Russland einst in arktischen Leuchttürmen installierte und der auch in den Mars-Rovern der NASA sowie den Voyager-Sonden zum Einsatz kommt.

Der Unterschied ist nicht bloß semantisch. Wie die skeptischere technische Linie betont, braucht man keine nukleare Komponente, um einen Satelliten zu zerstören: Ein von einem Flugzeug abgefeuerter Raketenstart reicht aus, ein Test, der bereits durchgeführt wurde. Was die Kalkulation verändert, ist der Maßstab. Eine Detonation im Orbit kann vom einzelnen Satelliten bis hin zu ganzen Konstellationen alles ausschalten und dabei einen elektromagnetischen Impuls erzeugen, dessen Folgen kaum berücksichtigt werden.

Der Vertrag von 1967 und Russlands Warnung vom Oktober 2023

Der rechtliche Rahmen ist alt. Der Weltraumvertrag, gültig seit dem 10. Oktober 1967, verbietet die Stationierung von Massenvernichtungswaffen im Weltraum und militärische Aktivitäten auf Himmelskörpern. Moskau hat diesen Vertrag genutzt, um dem Westen vorzuwerfen, friedliche Weltraumaktivitäten zu gefährden, indem er zivile Satelliten für militärische Zwecke einsetzt. Am 16. Oktober 2023 warnte Wladimir Ermakow, Leiter der Abteilung für Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung im russischen Außenministerium, dass westliche Satelliten, die im Ukraine-Konflikt eingesetzt werden, zu einem „legitimen Ziel“ werden könnten.

Nach der russischen Darstellung umfasst die Orbital-Konstellation, die Kiew unterstützt, rund 450 Satelliten, überwiegend kommerzielle Systeme für Funkaufklärung und Fernerkundung. Sie identifizieren Ziele, führen Aufklärungen durch und fangen Kommunikation ab; die Daten werden von US-Streitkräften in Europa und der NATO analysiert und über verschiedene Kanäle, einschließlich Starlink, an die ukrainischen Streitkräfte übermittelt. Hier liegt das eigentliche Schlachtfeld jeder Antisatellitenwaffe.

Vom Märchen vom Wolf zum 200-Millionen-Vertrag

Es gibt eine Strömung in der Analyse, die diese Erzählung nicht glaubt. Sie erinnert daran, dass Russland eine Armee zugeschrieben wurde, die Chips aus Waschmaschinen stiehlt und Panzer aus den 60er-Jahren nutzt, und nun plötzlich die Fähigkeit besitzt, Atomraketen ins All zu bringen. Der Kapazitätssprung passt nicht ins Bild. Der Verdacht lautet, dass die Ankündigung nicht warnen, sondern legitimieren soll: Es wird erwähnt, dass die US-Rüstungsindustrie Milliardenbeträge an Verträgen riskiert und Firmen wie Rheinmetall bereits Aufträge erhalten haben, darunter angeblich einen über 200 Millionen in Spanien.

Andere blicken auf den politischen Kalender. Die Informationen kommen, nachdem das Tucker-Carlson-Interview mit Pilingui und der Kauf von Twitter die öffentliche Meinung aufgewühlt haben. Eine dritte, zynischere Linie fasst dies als das x-te Märchen vom Wolf zusammen: Zuerst war es Saddam, jetzt ist es Russland. Die Zutaten des Rezepts wiederholen sich eins zu eins.

Was es schon vor dem Alarm gab

Fast nichts von dem, was diskutiert wird, ist neu. Die Sowjetunion entwickelte in den 60er-Jahren das FOBS-System (Fractional Orbital Bombardment System), ein Fraktions-Bombardementssystem im niedrigen Orbit, das die Nutzlast durch einen retrograden Zündvorgang vor Erreichen des Ziels aus der Umlaufbahn bringt. Im Jahr 1962 erzeugte eine nukleare Detonation im Weltraum ein Spektakel, das von Hawaii aus sichtbar war, und hinterließ schwerwiegende Folgen, die oft übersehen werden. Daher lautet die Kernfrage nicht, ob Russland dazu in der Lage ist, sondern ob die Ankündigung eine neue Fähigkeit beschreibt oder eine alte Fähigkeit in neuem Gewand.

Die verfügbaren Daten klären weiterhin nicht, ob die Stationierung stattgefunden hat oder nur vorbereitet wird, und die Informationen, die der Kongress vorliegen hat, bleiben unter Verschluss. Das vorläufige Fazit ist unbequem: Die Nukleargeneratoren, die diese Antisatellitenwaffen tragen sollen, reisen seit Jahrzehnten in Sonden, die die NASA an die Grenzen des Sonnensystems geschickt hat. Damals hat niemand Alarm geschlagen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (143 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver