Carrefour-Preise 1973: Warum der Vergleich mit heute hinkt

Ein Carrefour-Prospekt von 1973 zeigt einen DYC für 82 Cent, doch das Gehalt lag bei nur 4.000 Pesetas und die Inflation überstieg 10 %.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Carrefour-Preise 1973: Warum der Vergleich mit heute hinkt
Carrefour 1973: Der DYC für 82 Cent und Gehälter von 4.000 Pesetas

Ein Preisprospekt eines Carrefour aus dem Jahr 1973 — eine Flasche DYC für 137 Pesetas, umgerechnet 82 Cent — taucht immer wieder als Beweisstück einer Nostalgie auf, die nicht ganz stimmt. Die Logik scheint unangreifbar: Wenn man damals für Münzgeld kaufte, was heute den Preis eines Kaffees kostet, muss auf dem Weg etwas schiefgelaufen sein. Die Falle liegt jedoch auf der anderen Seite des Belegs. Bei einem Gehalt, das in vielen Branchen um die 4.000 Pesetas monatlich lag, fraß diese Flasche mehr als 3 % des Monatseinkommens. Ein Vergleich der Carrefour-Preise von 1973 mit denen von heute hält nur stand, wenn man den Nenner ignoriert.

Die Marke, die nie so spanisch war

Bevor wir zu den Zahlen kommen, lohnt es sich, ein weit verbreitetes Missverständnis auszuräumen: Weder Pryca noch Continente wurden als heimatische Ketten gegründet. Pryca war seit ihrer Gründung eine Marke von Carrefour, und Continente gehörte zur französischen Gruppe Promodès. Die Fusion im Jahr 2000, die alles unter dem Namen Carrefour vereinte, war keine Übernahme eines ausländischen Unternehmens durch ein nationales, sondern die Verschmelzung zweier französischer Riesen. Berichten zufolge wurde dies vom französischen Staat vorangetrieben, um Walmart zu bremsen. Die Marke überlebte in Portugal: Dort übernahm Sonae 2004 die volle Kontrolle und behielt den Namen Continente bei.

Eine kleine Anekdote am Rande: Das Pryca-Geschäft in Madrid war bereits 1966 im Film La ciudad no es para mí zu sehen, mit Einkaufstaschen des Logos beim Verlassen des Supermarkts. Die Fassade ist bei Minute 44:03 erkennbar.

Die Rechnung, die sich selbst widerlegt

Hier kommt das Kernargument ins Spiel: Teilt man diese Preise durch vier, um sie an die heutige Kaufkraft anzupassen, stellt man fest, dass alles eigentlich viel teurer war. Ein Kilo Reis oder Olivenöl wären umgerechnet unbezahlbar gewesen. Diese Übung hat jedoch ein grundlegendes Problem: Man vergleicht einen Preis von 1973 mit einem Gehalt, das nicht aus 1973 stammt, und vergisst dabei vor allem die Inflation. Das durchschnittliche Jahresgehalt von 1974 wird in den herangezogenen Statistiken mit 264.000 Pesetas angegeben, und die Steuerlast auf Löhne war damals deutlich geringer als heute.

Die Aufschlüsselung nach Sektoren für 1974 hilft, dies einzuordnen. Der Stundenlohn reichte von 155 Pesetas im Bankensektor bis zu 61 Pesetas in der Lebensmittelindustrie, mit 93 Pesetas in der Metallindustrie und 70 Pesetas im Bauwesen. Es sind Nettozahlen für Lehrlinge und Fachkräfte, die erklären, warum das aggregierte Gehalt weder dem Bild der Nostalgie noch dem der Demagogie entspricht.

  • Banken: 155 Pesetas/Stunde
  • Kohleförderung: 138 Pesetas/Stunde
  • Strom, Gas und Wasser: 120 Pesetas/Stunde
  • Metallindustrie: 93 Pesetas/Stunde
  • Bauwesen: 70 Pesetas/Stunde
  • Textilindustrie: 63 Pesetas/Stunde
  • Lebensmittel, Getränke und Tabak: 61 Pesetas/Stunde

Feste Raten und die stille Steuer namens Inflation

Es gibt einen Faktor, der in keiner Preistabelle steht und der die gesamte Debatte neu ordnet: Zwischen 1973 und Ende des Jahrzehnts lag die Inflation mehrere Jahre lang über 10 %, mit Spitzenwerten von bis zu 15 %. Wer einen Preis von 1973 mit einem Gehalt von 1978 verglich, vermengte zwei verschiedene Welten. Die offiziellen Preise haben sich seitdem vervollneunfacht, wobei dieser Effekt über ein halbes Jahrhundert akkumulierte.

Derselbe Mechanismus erklärt die Geschichte der alten Hypotheken. Die Raten waren fixiert. Bei hoher Inflation wurde eine Rate, die bei Vertragsabschluss die Hälfte des Gehalts verschlang, innerhalb von nur vier Jahren zu einem lächerlichen Betrag. Das war keine Finanzmagie, sondern die korrosive Kraft der Preise, die zugunsten des Schuldners wirkte. Ein reales Beispiel ist eine Wohnung von 112 m² in Alcalá de Henares, die im Juli 1977 im Rohbau für 2.140.000 Pesetas (etwa 12.000 Euro) gekauft und über zehn Jahre finanziert wurde, bezahlt allein vom Gehalt eines Gymnasiallehrers. Die vollständige Berechnung, Posten für Posten, zeigt eine Differenz zur heutigen Zeit, die schwer zu verdauen ist.

Arbeiter in der Peripherie, damals und heute

Der Kontrast beim Wohnen hat seine eigenen Tücken. Auch die Arbeiter damals lebten nicht im Zentrum. Die Peripherie von Madrid begann fast schon am Plaza de España, und Familien drängten sich in Schlafstadtvierteln. Der Unterschied besteht nicht darin, dass man früher zentral wohnte, sondern darin, wie weit die Peripherie heute reicht — inzwischen umfasst sie Getafe oder Segarro — und zu welchem Preis.

Das Bild wird durch regionale Unterschiede ergänzt. Während auf Mallorca mitten im Tourismuboom ein Hotelhilfelehrling 8.000 Pesetas verdiente, inklusive Unterkunft, Wäsche und Verpflegung, wuchsen Menschen in weiten Teilen des Südens auf dem Land in Häusern ohne Strom und Bad auf. Es waren mehrere Länder innerhalb eines einzigen Landes, und dieses Foto lässt sich durch kein Prospekt eines Hypermarktes schönreden.

Die Daten, die verwirren

Das aktuelle Durchschnittsgehalt liegt bei etwa 27.000 Euro jährlich, und zwei Drittel der Arbeitnehmer verdienen weniger als 22.000 Euro. Der Mindestlohn (SMI) schwankt je nach Zählweise von zwölf oder vierzehn Monatsgehältern zwischen 1.134 und 1.323 Euro. Seit 2011 sind die Gehälter zudem nicht mehr automatisch an die Inflationsrate gekoppelt. Mit diesen Fakten hält die Nostalgie für die 137 Pesetas des DYC keiner Prüfung stand, aber auch das gegenteilige Narrativ nicht: Die städtische Kaufkraft war damals für Festangestellte tatsächlich höher als heute. Beides ist wahr. Nur eine Seite auszuwählen, ist Betrug.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (262 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver