200 € Bußgeld für Fahren auf der mittleren Spur

Spanische Autofahrer melden Verstöße gegen die mittlere Spur. Es geht um 200 € Strafe, rechtliche Zweifel an Dashcams und hohe Erfolgsquoten bei Einsprüchen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

200 € Bußgeld für Fahren auf der mittleren Spur
Bußgeld von 200 € für die mittlere Spur und ein Rechtsstreit um Dashcams

In den spanischen Straßen kehrt eine Diskussion immer wieder zurück, die nun unangenehme Folgen hat: Ist es sinnvoll, Fahrer zu filmen und anzuzeigen, die auf der mittleren oder linken Spur fahren, obwohl die rechte frei ist? Der Auslöser ist ein Autofahrer, der angibt, Fotos und Videos von Verstößen, die er aus seinem Fahrzeug aufzeichnet, an die DGT (Dirección General de Tráfico) zu senden. Im Austausch wird über eine Sanktion von 200 € gesprochen. Die zugrunde liegende Regelung ist klar: Man muss auf der rechten Spur fahren und diese nur zum Überholen verlassen.

Das Problem beginnt früher. Wer während der Fahrt filmt, riskiert laut den Teilnehmern der Diskussion Anzeigen wegen der Verwendung von Aufnahmegeräten ohne Einwilligung. Der Autor verteidigt sich damit, dass er selbst fährt und seine Beifahrer aufnehmen, und dass das Bild nur den Verstoß, die Straße und das Fahrzeug zeigt. Die Debatte über Dashcams in Spanien – was darf im öffentlichen Raum aufgezeichnet werden und zu welchem Zweck – ist zum Kern des Streits geworden, noch wichtiger als die Frage der Fahrspur.

Was sagt die Regel zur Nutzung der mittleren Spur?

Die Pflicht, auf der rechten Spur zu fahren, außer beim Überholen, ist in der Verkehrsordnung festgelegt und lässt keinen Spielraum für persönliche Vorlieben. Wer dagegen verstößt, riskiert laut den genannten Zahlen ein Bußgeld von 200 Euro für das Fahren auf der linken oder mittleren Spur, wenn die rechte frei wäre. Das häufigste Argument sind Staus und ungewöhnliche Manöver, die durch das „Ankleben“ an die mittlere Spur entstehen: Es zwingt andere, zwei Spuren zu wechseln, um zu überholen, erhöht die Zahl der Spurwechsel und lenkt ab.

Auffällig ist die Asymmetrie. Ein Nutzer beschreibt 20 Kilometer auf der A2 zwischen Madrid und Alcalá, auf denen er nur zwei Autos auf der rechten Spur findet, während alle anderen mit 90 km/h auf der mittleren oder linken Spur fahren. Ein anderer berichtet von einem Abschnitt der Autobahn Santander-Bilbao bei Hoznayo: vier Kilometer, drei Spuren, keine Einfädelungen, und die rechte Spur war genauso gut befahrbar wie die anderen. Trotzdem fuhren fast alle in der Mitte.

Warum manche das Fahren in der Mitte verteidigen

Nicht alles ist Nachlässigkeit. Einige Teilnehmer argumentieren, dass auf Straßen mit vielen Einfädelungen die mittlere Spur das Einordnen anderer Fahrzeuge erleichtert und starkes Bremsen verhindert. Ein weiterer Grund ist weniger offen: der schlechte Zustand der Fahrbahn auf der rechten Spur. Abschnitte der A2 werden aufgrund von Schlaglöchern als drittweltlich beschrieben. Wenn die rechte Spur kaputt ist, sucht der Fahrer die glatte Fläche.

Der dritte Punkt betrifft die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Auf Autobahnen, die auf 100 km/h begrenzt sind, obwohl 120 oder 140 möglich wären, meinen einige, die Spurwahl sei egal, da der gesamte Verkehr gleich langsam fließt. Die Diskussion vermischt sich auch mit der Geschwindigkeit: Mit 120 km/h auf der mittleren Spur zu fahren, wird als „nicht ideal, aber weniger störend als mit 90“ verteidigt.

Überholen rechts und die Bestrafung dafür

Ein oft zitiertes Beispiel stammt aus Katalonien, wo die Mossos d’Esquadra (katalanische Polizei) dieses Verhalten überwachten und Berichten zufolge viel mehr Fahrer bestraften, die rechts überholten, als jene, die grundlos auf der mittleren Spur fuhren. Dies ist die Paradoxie, die den gesamten Austausch prägt: Das missbilligte Manöver – rechts überholen – wird eifriger sanktioniert als das Hindernis, das es provoziert.

Auch die institutionelle Reaktion wird hinterfragt. Es wird erwähnt, dass die DGT die Hälfte der Bußgeld-Einsprüche verliert und dass die Erfolgsquote für Einspruchsführer über 50 % liegt. Diese Daten werden gegen jene angeführt, die glauben, dass eine private Aufnahme als Beweis durchgehen würde.

Der Krieg der Aufnahmen: Was zählt als Beweis?

Der rechtliche Kernpunkt ist, ob eine private Aufnahme eine Anzeige tragen kann. Die Position des Meldenden ist, dass seine Aussage das Hauptbeweisstück ist und das Video nur Gewicht hat, wenn der Beschuldigte es konfrontiert; Zulassungen und Prüfungen existieren seiner Meinung nach, um allein auf Basis des Bildes zu sanktionieren, ähnlich wie bei Radargeräten. Die Gegenseite warnt, dass Aufnahmen im öffentlichen Raum in Spanien ohne Einwilligung Grenzen haben und dass die Agencia Española de Protección de Datos (Spanische Datenschutzbehörde) definiert, wo diese liegen. Die Sache ist nicht geklärt.



Mit diesen Fakten ist die praktische Schlussfolgerung unbequem: Die Regel sagt eines, die Praxis tut etwas anderes, und der Shortcut – rechts überholen – wird härter bestraft als das Hindernis. Ob die DGT die mittlere Spur zum Kampagnenziele macht oder das Problem den Filmerinnen und Filmern überlässt, bleibt abzuwarten. Genau dort stockt die Analyse.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (229 Antworten).

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