Cola Cao der 60er: 54% Zucker und Asche im Etikett
Eine Dose Cola Cao mit einem aufgedruckten Preis von 84,50 Pesetas (zzgl. Steuern) und einer Zusammensetzung, die Asche, Feuchtigkeit und unbestimmte Stoffe zu 1,9% enthält. Das Bild, datiert auf Mitte der 1960er Jahre, löste eine kollektive Überprüfung dessen aus, was spanische Kinder tranken, während das Land die Autarkie verließ. Die chemische Analyse des Städtischen Labors von Barcelona (Laboratorio Municipal de Barcelona), die auf der Verpackung angegeben ist, zerlegt das Produkt in 36,6% Kakao und 54,1% Saccharose. Übersetzt: Mehr als die Hälfte der Dose war Zucker.
Das Etikett ist keine Laune der Werbung. Es ist eine Laboraufschlüsselung mit Fetten, Proteinen, Kohlenhydraten, Asche, Feuchtigkeit und unbestimmten Stoffen. Diese Sprache, heute auf einer Verpackungsseite undenkbar, war damals technischer Standard. Und hier beginnt das erste Missverständnis: Die Asche waren keine Zigarettenkippen der Arbeiter, sondern der anorganische Rückstand, der bei der Veraschung einer Probe zur Qualitätskontrolle übrig bleibt.
Was Asche, Feuchtigkeit und Unbestimmtes auf einem Etikett der 60er bedeuten
Der Abschnitt „Asche“ misst die Mineralsalze, die nach dem Verbrennen des Produkts übrig bleiben: Natriumoxide, Calcium und andere Verbindungen. Es ist kein zugesetzter Inhaltsstoff, sondern eine Analysetechnik. Gleiches gilt für die Feuchtigkeit, die den Restwassergehalt quantifiziert, und für die unbestimmten Stoffe, jenes 1,9%, das die damalige Technologie nicht genau identifizieren konnte. Eine Toleranz, die heute unzulässig wäre und die damals ohne Scheu gedruckt wurde.
Die in der Formel enthaltenen Phosphate erfüllen eine pH-regulierende Funktion, ähnlich wie Phosphorsäure in Colagetränken. Phosphor ist ein wesentlicher Bestandteil des Organismus, obwohl sein mineralischer Ursprung und die Spurenstoffe, die der industrielle Prozess mit sich bringen kann, Gegenstand der Diskussion sind. Nichts davon macht das Produkt zu einem Gift, aber auch nicht zu dem gesunden Lebensmittel, das die Werbung der Zeit suggerierte.
Die unbequemste Zahl ist der Zucker. 54,1% Saccharose in der Dose der 60er gegenüber etwa 70%, die den aktuellen Rezepturen zugeschrieben werden. Der Vergleich kehrt die nostalgische Erzählung um: Das Cola Cao der Kindheit war weniger süß als das heutige. Der Kakao trug seinerseits 36,6% zum Gesamtgewicht bei, mit einer internen Zusammensetzung von 22% Fett, 22% Protein und 56% Kohlenhydraten, überwiegend Ballaststoffe und Stärke.
Der Preis von 84,50 Pesetas und das Gehalt der Epoche
Der aufgedruckte Preis, 84,50 Pesetas zzgl. Steuern, entspricht einem erheblichen Anteil des Mindestlohns (Salario Mínimo Interprofesional) von 1965, der auf 1.800 Pesetas monatlich festgelegt war. Für eine Arbeiterfamilie bedeutete der Kauf dieser Dose eine Ausgabe, die heute übertrieben wirkt. Die Praxis, den Preis ohne Steuern anzugeben, war im spanischen Handel der 50er, 60er und 70er Jahre üblich, als es indirekte Abgaben und kommunale Gebühren gab, die je nach Provinz variierten.
Die Diskussion über die Echtheit der Verpackung hat zwei Lager hervorgebracht. Eine Seite behauptet, es handle sich um eine KI-generierte Montage, da Dezimalstellen damals nicht verwendet wurden und die Währungseinheit hinter der Zahl stand. Die andere Seite verteidigt, dass die Verpackung echt sei, dass Centavos existierten und das Format den typografischen Gepflogenheiten der Mitte der 60er entsprach. Die vollständige Berechnung mit Umrechnung in konstante Euro und dem Vergleich mit dem heutigen Preis von 6,89 Euro für 760 Gramm ergibt eine überraschende Differenz.
Von kalter Milch zum Glasbecher: Das Cola Cao Ritual
Das Etikett versprach perfekte Auflösung in kalter Milch. Die Realität war laut kollektivem Gedächtnis eine andere: Klumpen. Der Trick, sie zu vermeiden, bestand darin, zuerst den Kakao ins Glas zu geben, eine kleine Menge Milch hinzuzufügen und mit dem Löffel zu einer feuchten Paste zu verrühren, bevor man den Rest der Flüssigkeit langsam eingoss. Eine Methode, die viele zu Hause lernten und die die Werbung nie erklärte.
Das Glas mit verziertem Boden und das Werbegeschenk gehörten zum Ritual. Ebenso die hausgemachten Mischungen: mit Honig zur Milderung der Bitterkeit, mit Kondensmilch, mit Keksen. Der Konkurrent Nesquik wurde als besser löslich wahrgenommen. Und Cola Cao blieb mit dieser dicken Textur verbunden, an die sich manche liebevoll erinnern, andere ablehnend.
Die Zusammensetzung hat sich geändert. Aktuelle Rezepturen enthalten Soja und pflanzliche Fette in einigen Produkten, und Zucker bleibt der Hauptbestandteil. Das Etikett der 60er war mit seiner Laborsprache in einem Sinne transparenter und in einem anderen undurchsichtiger: Es verbarg die Asche nicht, erklärte aber auch nicht, was sie war. Sechzig Jahre später sorgt die Dose weiterhin für Gesprächsstoff. Und niemand ist gestorben – das Schlussargument der Nostalgiker.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (76 Antworten).