Carrefour: Kurs unter 15 Euro, raus aus Top-10

Carrefour notiert unter 15 Euro mit einem Marktwert von weniger als 10 Mrd. Euro. Das Hypermarkt-Format verliert Marktanteile und Umsatz, während der Nahversorger boomt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Carrefour: Kurs unter 15 Euro, raus aus Top-10
Carrefour halbiert seinen Wert – das Ende des Hypermarkts

Der Weg zum Hypermarkt kostet ein Auto, einen Parkplatz und eine Stunde Zeit. Jahrzehntelang hat sich dieser Aufwand gelohnt; heute nicht mehr. Carrefour, das 2001 nach Walmart der zweitgrößte Händler der Welt war, ist aus den Top 10 der Branche verschwunden und auf Platz 15 abgerutscht. Die Aktie notierte zu Beginn des Jahrhunderts über 60 Euro; jetzt liegt sie unter 15, und im letzten Jahr und halben hat sie rund 30 % ihres Werts verloren. Das Format, das das Unternehmen groß machte — der Hypermarkt — ist genau das, was ihm gerade das Genick bricht.

Warum notiert die Carrefour-Aktie unter 15 Euro?

Weil der Markt keine Zukunft für das Kerngeschäft sieht. Das französische Unternehmen prüft alle Optionen zur Belebung des Kurses, wie Bloomberg vorab berichtete: Assetverkäufe, eine Fusion, eine interne Restrukturierung oder sogar ein kompletter Verkauf. Vor drei Jahren gab es bereits einen Käufer: Die kanadische Gruppe Couche-Tard bot 20 Euro pro Aktie und bewertete das gesamte Unternehmen mit 16,145 Milliarden Euro. Die französische Regierung legte ihr Veto ein.

Heute ist einer der nationalen Stolz Frankreichs an der Börse weniger als 10 Milliarden wert. Die Differenz zwischen dem, was jemand bereit war zu zahlen, und dem, was der Markt jetzt zahlt, erklärt besser als jeder Bericht das Ausmaß des Verfalls.

Der Hypermarkt stirbt aus: 1.182 Filialen und sinkende Umsätze

Ende 2023 betrieb die Gruppe weltweit 1.182 Hypermärkte: 204 in Spanien und 253 in Frankreich. Die französischen Filialen erwirtschafteten 48,7 % des Umsatzes auf ihrem Heimatmarkt mit 20,702 Milliarden Euro, was 22,4 % des globalen Gesamtumsatzes entsprach. Diese Zahl lag bereits unter dem Niveau von 2022, und der Trend hält an: In den ersten neun Monaten 2024 fielen die Umsätze der französischen Hypermärkte auf vergleichbarer Fläche — der einzige Markt, wo die Daten nach Format aufgeschlüsselt werden — um 4,3 %.

Der Marktanteil bestätigt dies. Carrefour ist heute der zweitgrößte Lebensmittelhändler in Frankreich mit 21,4 %, 2,7 Prozentpunkte hinter dem Marktführer E. Leclerc. 2018 betrug der Abstand nur einen halben Punkt. Der Rivale ist nicht zufällig günstiger: Er agiert schneller und dezentraler.

Warum gehen Kunden nicht mehr in den Hypermarkt?

Weil sich der Verbraucher geändert hat, bevor sich die Filiale änderte. „Für die Leute wird es immer unattraktiver, weite Wege für den Lebensmitteleinkauf zurückzulegen“, fasst der Handelsenshandel Javier Pérez de Leza zusammen: Nähe wird priorisiert, man wechselt zum Discounter, und wenn es bis an die Haustür geht, desto besser. Das Format steht unter doppeltem Druck. Im Lebensmittelbereich drängen Discounter und Eigenmarkenhändler wie Mercadona, Lidl und Aldi auf den Markt. Im Non-Food-Bereich dominieren Fachmärkte: Leroy Merlin für Heimwerkerbedarf, Decathlon für Sport, Inditex für Mode, Ikea für Möbel und Amazon für alles gleichzeitig.

Das Ergebnis, so Professor José Luis Nueno vom IESE, ist, dass Hypermärkte „mehr denn je reine Lebensmittelgeschäfte“ sind und genau dort konkurrieren, wo sie am schwächsten sind: gegen standardisierte, günstige Formate. Ähnlich argumentiert Andrés Núñez von der EAE Business School: Kunden finden ein ähnliches Frische-Angebot im Supermarkt um die Ecke und fahren nicht mehr extra für andere Produkte hin.

Flucht ins Viertel: Supermärkte, Convenience und Discounter

Die Antwort des Unternehmens lautet Diversifizierung. Es kommen etwa 4.300 Supermärkte und rund 8.800 Convenience-Stores hinzu, viele als Franchise unter der Marke Express, plus über 600 Cash-and-Carry-Märkte und 136 Discount-Filialen, um preislich konkurrenzfähig zu bleiben. In Spanien operiert dieses Format als Supeco. Unterschiedliche Sortimente, Preise und Verhandlungen für jeden Typus zu managen, bringt eine Komplexität mit sich, die Wettbewerber wie Mercadona oder Lidl durch Standardisierung eines einzigen Modells vermeiden.

Um Nähe zu gewinnen, wurde tief in die Tasche gegriffen: Letztes Jahr kaufte Carrefour 47 Supercor-Filialen von El Corte Inglés, vor drei Jahren 172 Supersol-Läden. Spanien ist nach Frankreich und Brasilien der dritte Markt und dient als Labor für diese Strategie. Es gibt Zweifel, ob all diese Übernahmen die drei Bedingungen erfüllen, die das Geschäft verlangt: günstig sein, besser gemanagt werden und Synergien erzeugen.

Gleichzeitig hat sich das Unternehmen das Ziel gesetzt, dass die Eigenmarke 40 % der Lebensmittelumsätze ausmacht, vier Punkte mehr als aktuell. Das ist die Domäne, in der jene führen, die damit groß geworden sind.

Vom vollen Einkaufswagen zur unvollständigen Online-Bestellung

Der Kundenverlust zeigt sich auch an der Kasse. Zu den verbreiteten Erfahrungen gehört, dass Kunden wegblieben, weil die Preise desselben Produkts zwischen Besuchen von 4 auf 7 Euro sprangen, oder dass sie vom wöchentlichen Einkauf auf „ein paar Mal im Jahr, nur als letzte Option“ umstellten. Auch Nachlässigkeit im Laden selbst — Unordnung, Gefühl der Vernachlässigung — taucht in vielen Berichten auf.

Der Online-Kanal löst das Problem nicht. Es gibt Berichte über halb gelieferte Bestellungen ohne Vorwarnung, bei denen das Sonderangebot fehlte, während der Rest berechnet wurde. Mit schlechter Logistik wird der Online-Lebensmittelhandel eher zu einem weiteren offenen Kriegsschauplatz als zu einem Rettungsring.

Hinzu kommt ein demografischer Wandel ohne Rückkehrmöglichkeit: Weniger große Haushalte, mehr Single-Haushalte und weniger Autos in den Städten. Der volle Großeinkaufswagen im Gewerbegebiet am Stadtrand ist ein Ritual aus einer anderen Epoche.



Die Bilanz der Transaktion, die die französische Regierung vor drei Jahren stoppte, ist die beste Zusammenfassung des Fiaskos. Jemand bot 16,145 Milliarden Euro für das Ganze. Heute zahlt der Markt weniger als 10 Milliarden. Der nationale Stolz ist billiger geworden, ohne dass jemand wieder an die Tür geklopft hätte.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (219 Antworten).

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