400.000 Euro für Vorruhestand: Rechnung geht nicht auf

Mit 400.000 Euro und 3 % Rendite bleiben netto nur 800 Euro monatlich. Die Inflationsrate und unerwartete Kosten entkräften die Pläne für den vorzeitigen Ruhestand.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

400.000 Euro für Vorruhestand: Rechnung geht nicht auf
400.000 Euro für den Ausstieg aus dem Berufsleben: Der Plan, der sich selbst widerlegt

Stellen Sie sich vor, Sie haben ein abbezahltes Haus, keinen Chef mehr und 400.000 Euro investiert. Die Idee kursiert mit einer runden Zahl: Mit diesem Kapital und 3 % Jahresrendite aus spanischen Staatsanleihen (Letras del Tesoro) oder einer zuverlässigen Bank erhält man 12.000 Euro im Jahr, also tausend pro Monat, und widmet sich seinen Hobbys, dem Schlafen und – in den Worten des ursprünglichen Gedankens – dem Landleben. Das klingt nach einem sorgenfreien Vorruhestand. Das Problem beginnt, sobald jemand den Taschenrechner zückt.

Von 12.000 Brutto zu 800 Euro Netto

Der erste Einwand ist steuerlicher Natur. Die 12.000 Euro jährlich sind Bruttobeträge. Nach Abzug einer Quellensteuer von 19 % verbleiben etwa 800 Euro netto pro Monat, nicht tausend. Damit, so behauptet eine verbreitete Berechnung, kann man in einem kleinen Dorf überleben, aber in einer mittelgroßen oder großen Stadt reicht es bei Weitem nicht. Und wer damit durchkommt, tut dies, wie hinzugefügt wird, unter quälender Entbehrung.

Die zweite Kluft ist die Inflation. Während man spazieren geht oder die Bauarbeiten im Viertel beobachtet, schmilzt die Kaufkraft dieser Ersparnisse leise dahin. Es braucht keinen Schwarzen Schwan: Es genügt, dass die Preise jedes Jahr steigen und das Kapital stillsteht. Die nominale Rendite von 3 % kann real deutlich niedriger ausfallen.

Das Unvorhergesehene, das das Hauptkapital auffrisst

Das Szenario bricht vollständig zusammen, wenn hohe Ausgaben anfallen. Ein medizinisches Problem, eine Renovierung, ein kaputtes Auto. Jede unvorhergesehene Ausgabe größerer Ordnung zwingt dazu, am Hauptkapital zu kratzen, und dann hört der Plan auf, eine ewige Rente zu sein, und wird zum Countdown. Bei Unterhaltspflichten schrumpft der Spielraum noch weiter: Manche weisen darauf hin, dass diese Summe kaum zum Leben reicht, wenn eine Familie versorgt werden muss.

Der Kontrast zur statistischen Realität ist brutal. Um 400.000 Euro netto anzusparen, wären im besten Fall 25 bis 30 Jahre eines vollständigen Erwerbslebens nötig. Das bedeutet ein ganzes Arbeitsleben. Die Mehrheit der Bevölkerung wird diesen Betrag nie auf ihrem Konto sehen, und wer ihn erreicht, tut dies oft erst um die 45, ausgebrannt nach Jahren in der Privatwirtschaft.

Die 3 % sind nicht der einzige Weg

Die Diskussion beschränkt sich nicht auf Staatsanleihen. Gegenüber den konservativen 3 % werden gemischte Portfolios vorgeschlagen: ein Teil in öffentlichen Schulden, ein Teil in dividendenstarken Aktien und ein Teil in Mietimmobilien. Eine verbreitete Aufteilung sieht 100.000 Euro in Anleihen, 100.000 Euro in Wertpapieren mit einer Dividende von etwa 6–8 % und 200.000 Euro in zwei kleinen Wohnungen in Madrid vor, die nach Grundsteuer (IBI), Versicherung und Gemeinschaftskosten etwa 510 Euro netto pro Monat abwerfen würden. Die vollständige Berechnung, Position für Position, ergibt ein überraschend knappes Ergebnis.

Immobilienbesitz hat seine Befürworter und Gegner. Die durchschnittliche Nettomietrendite liegt zwischen 3 % und 5 %, und je diversifizierter man ist, desto stärker nähert man sich diesem Durchschnitt. Demgegenüber bieten börsennotierte Immobilienfonds ähnliche Dividenden ohne Mieterverwaltung oder Mietausfälle. Der Vorteil der physischen Wohnung, so sagen sie, sei die Kontrolle; der Nachteil, die Verwaltung.

Was, wenn das Problem nicht das Geld, sondern die Zeit ist?

Hier taucht das weniger finanzielle und unbequemere Argument auf. Nichts zu tun, warnt eine Stimme in der Debatte, sei ein Tod bei lebendigem Leib. Gartenarbeit, Hühnerhaltung, Brennholz sammeln, Pilze suchen: Aktivitäten, die Körper und Geist fit halten und zudem die Lebensmittelausgaben senken. Die freie Zeit, argumentiert eine andere Stimme, erhöhe die Fähigkeit, zusätzliche Einkommen zu generieren und bei Dienstleistungen zu sparen, die früher mangels Zeit delegiert wurden.

Das eigentliche Hindernis ist nicht nur wirtschaftlicher Natur. Steuerlast, Bankvergütungen, Wohnraumregulierung und Unsicherheit bezüglich digitalem Geld zeichnen einen Horizont, in dem das Halten von Kapital weder kostenlos noch einfach ist. Manche treiben den Skeptizismus auf die Spitze und sprechen von Edelmetallen, Konten außerhalb des Systems und dem Verzicht auf Eigentum auf ihren Namen. Dies ist die radikale Version derselben Angst: dass der Boden unter den Füßen wegbricht.

Am Ende erweist sich die scheinbar runde Zahl als überall zu knapp. Mit abbezahltem Haus und 400.000 Euro kann man leben, ja, aber mit einem Puffer, den jeder Schock auffrisst. Und der beunruhigende Fakt ist nicht die 3 % oder die 19 % Quellensteuer: Es ist, dass manche behaupten, mit der Hälfte auch zu leben – und besser als jetzt.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (158 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver