Brief einer spanischen Apothekerin: "Wählt, wählt, verflucht nochmal!"

Eine Apothekerin aus Majadahonda in Spanien behauptet in einem Brief, Migranten erhielten kostenlose Rezepte und Lebensmittelgutscheine. Wir prüfen, was dran ist und was nicht.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Eine Apothekerin aus Majadahonda hat einen Brief verbreitet, in dem sie behauptet, Migranten erhielten täglich kostenlose Medikamente auf Rezepte, die sie selbst ausstellt. Der Brief mischt eine konkrete berufliche Beschwerde mit Behauptungen über kommunale Hilfen, für die es keinerlei Belege gibt.

Die Geschichte beginnt in einer Apotheke in **Majadahonda** bei Madrid. Eine Apothekerin, die nach eigenen Angaben dort seit Jahren arbeitet, schreibt einen Brief, in dem sie behauptet, täglich Rezepte von Migranten mit Vermerken wie „Ausländer ohne Mittel“ oder „kostenlose Medikamente für Ausländer“ zu sehen. Ihr Fazit: Diese Menschen zahlten nicht, was sie ihrer Meinung nach zahlen sollten. Der Brief kursiert in Foren und Messaging-Gruppen, und es lohnt sich, persönliches Zeugnis von überprüfbaren Fakten zu trennen.

## Was der Brief über die Rezepte sagt

Der Text behauptet, Spanier erhielten Rezepte als „Berechtigter Hauptversicherter“ oder „Rentner-Hauptversicherter“, was ihrer Ansicht nach beweise, dass sie eingezahlt hätten, während Migranten mit Vermerken auf Kostenbefreiung erscheinen. Die Verfasserin fügt hinzu, manche holten ihre Angehörigen aus ihren Herkunftsländern nach, damit diese kostenlose Behandlung und Medikamente erhielten, und schickten Medikamente in ihr Zielland. Sie nennt weder eine Anzahl von Rezepten noch einen Betrag noch ein Datum. Es ist eine Erzählung, keine Statistik.

Der Brief erwähnt außerdem, dass der **Gemeinderat von Majadahonda** Gutscheine für Babynahrung, Milch und Hygieneprodukte verteilt. Nach ihrer Darstellung nutzen manche Empfänger diese Gutscheine, um **50-Euro**-Cremes zu kaufen, und prahlen damit. Wieder ohne Dokument, ohne Datum und ohne Zahl der verteilten Gutscheine. Der Gemeinderat wird nicht mit einer Antwort auf diese Behauptungen zitiert.

## Die Drohungen, die ein echtes Problem am Arbeitsplatz sind

Eine Passage verdient besondere Aufmerksamkeit. Die Apothekerin schreibt, sie sei „mehrfach“ bedroht worden und verlasse die Arbeit um **9:30 Uhr** mit Angst, weil die Täter ihren Zeitplan und ihren Arbeitsplatz kennen. Falls das stimmt, ist das ein Fall von Sicherheit am Arbeitsplatz und einer Anzeige bei der Polizei, keine Debatte über das Gesundheitssystem. Eine Drohung gegen eine Arbeitnehmerin ist eine Straftat, egal in welcher Apotheke sie passiert und von wem sie ausgeht.

Der Brief mischt diese reale Angst mit einer Beschwerde über das Zuzahlungssystem und abwertenden Äußerungen über ganze Gruppen. Genau diese Mischung muss man entwirren: Etwas anderes ist es, wenn sich eine Berufstätige an ihrem Arbeitsplatz unsicher fühlt, und etwas ganz anderes, wenn einer Personengruppe die Schuld an Wartelisten oder Gesundheitsausgaben zugeschoben wird.

## Gesundheitsausgaben und kommunale Hilfen

Der Brief endet mit der Behauptung, „um in Spanien Erfolg zu haben, muss man Marokkaner oder Südamerikaner sein“, und verwendet abfällige Begriffe über Migranten. Diese Deutung hält den Daten nicht stand. Die öffentlichen Gesundheitsausgaben in Spanien werden über Steuern und Sozialabgaben finanziert, und die Regeln für Zugang und Zuzahlungen legen staatliche und regionale Gesetze fest, nicht die Nationalität der Person, die die Apotheke betritt. Ein kommunaler Gutschein für Milch oder Windeln erklärt keine Warteliste.

Überprüfbar ist, dass die Gesundheitsversorgung von Ausländern einem rechtlichen Rahmen mit Voraussetzungen und Ausnahmen unterliegt und dass Apotheken die Vorgaben des Systems anwenden. Wer einen konkreten Betrugsfall feststellt, sollte ihn bei der zuständigen Aufsichtsbehörde melden, mit Rezept und Datum in der Hand. Ein Brief ohne diese Angaben taugt zum Empören, aber nicht zur Lösung.

Gesundheit und Zugang zu Medikamenten sind ernste Angelegenheiten. Jede Entscheidung über Behandlung oder Zuzahlungen sollte mit einer Fachkraft oder der zuständigen Behörde besprochen werden, nicht mit einer Kette weitergeleiteter Nachrichten.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (6 Antworten).

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