Le Pen verwirft EU-Austrittsreferendum und öffnet die Euro-Debatte neu

Marine Le Pen hat ein Referendum über den EU-Austritt ausgeschlossen und lässt den Frexit ohne Datum. Der Brexit-Präzedenzfall und der Druck auf die französische Schulden erklären die Wende.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Le Pen verwirft EU-Austrittsreferendum und öffnet die Euro-Debatte neu
Le Pen verzichtet auf das EU-Austrittsreferendum: Der Frexit bleibt ohne Datum

Marine Le Pen hat es unmissverständlich gesagt: Es wird kein Referendum über den Austritt aus der Europäischen Union geben. Die Vorsitzende des Rassemblement National begründete die Wende mit einem Argument, das in der Politik fast wie eine Provokation klingt: Sie erkläre durchaus, warum sie ihre Meinung ändert, während andere das tun, ohne Rechenschaft abzulegen. Die Ankündigung kommt nach Jahren, in denen der Frexit das Aushängeschild der Partei war, und ein einziger Tweet genügte, um die Debatte in zwei Lager zu spalten.

Die erste Folge betrifft die innere Kohärenz. Wer für Le Pen gestimmt hat in der Hoffnung auf eine souveränistische Volksabstimmung, sieht nun, dass die Abstimmung ohne Urnengang aus dem Programm verschwindet. Die am häufigsten geäußerte Verteidigung lautet, die Partei habe sich mäßigen müssen, um gewinnen zu können, und diese Mäßigung sei der Preis dafür, die klassische Rechte zu ersetzen, die als schlechtere Verwalterin der Unzufriedenheit gilt. Die These, die kursiert: Es brauche eine noch weiter rechts stehende Kraft, die den Rahmen des Sagbaren verschiebt, sodass sich das Fenster des Akzeptablen bewegt und was heute radikal erscheint, morgen zur Mitte gehört.

Warum Le Pen auf das EU-Austrittsreferendum verzichtet

Das technische Argument wiegt schwerer als das ideologische. Der Ausstieg aus dem Euro und aus der Union erfordert einen Plan, den niemand auf den Tisch gelegt hat, und das britische Beispiel stimmt nicht optimistisch: Der Brexit wurde unter enormen Schwierigkeiten verhandelt, und Jahre später blickt ein großer Teil der britischen Wählerschaft wehmütig auf das zurück, was sie zurückgelassen hat. Für ein kontinentales Land mit dichten Handels-, Finanz- und menschlichen Verbindungen zu seinen Nachbarn ist das Unterfangen um ein Vielfaches komplexer. Der Schluss, der sich aufdrängt: Die EU zerfällt nicht durch die Tür eines einzelnen Staates, sondern allenfalls durch eine allgemeine Krise, die alle mitreißt.

Es gibt noch eine andere Front, die finanzielle. Über Frankreich schwebt der Verdacht, das schwache Glied der Eurozone zu sein, während Investmentbanken über einen Schutzwall für Spanien, Italien oder Griechenland spekulieren, der anfangs für Paris nicht errichtet würde. In diesem Kontext ist die Ankündigung eines Euro-Austritts keine Kühnheit: Sie spielt mit den Schuldenkosten eines ohnehin angespannten Landes.

Der Souveränismus blickt auf Kleinstaaten und vergisst die Größenordnung

Der Vergleich mit Andorra, der Schweiz, Liechtenstein, Monaco oder Singapur zieht sich wie ein Mantra durch die Diskussion. Es sind wohlhabende Volkswirtschaften außerhalb der EU-Architektur, das stimmt. Aber sie nutzen den Euro de facto, liegen im Schengenraum und verfügen über einen Spielraum, den ein Staat mit 68 Millionen Einwohnern und einem systemrelevanten Finanzsektor nicht hat. Die Analogie scheitert an der Größe.

Was vom Frexit bleibt, ist vor allem Rhetorik. Und Rhetorik hat im Wahlkampf ein Problem: Sie wird in Stimmen gemessen.



Der genaue Punkt, an dem die Analyse hängen bleibt, ist dieser: Wenn die Mäßigung dem Sieg dient, was bleibt dann vom Programm, wenn regiert wird? Niemand antwortet darauf. Und ohne Antwort darf sich der Wähler, der an die Volksabstimmung geglaubt hat, fragen, wozu der Glaube gut war.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (44 Antworten).

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