„Kauft keinen Bitcoin“: Die Warnung eines Nutzers, der bereits Bitcoins besaß
Manche Warnungen altern schlecht, diese hier ist eine Ausnahme. Im Jahr 2016 wurde eine Nachricht veröffentlicht, die alle Klischees des Skeptizismus vereinte: Ponzi-Schema, digitale Tulpen, staatliche Verbote, unvermeidlicher Crash und Ersetzung durch andere Kryptowährungen. Mit der Zeit wirkt dieser Thread wie die beste unfreiwillige Werbung für digitales Geld. Am Ende steht eine Zahl: 1 BTC = 90.000 US-Dollar. Das Entscheidende: Der Verfasser der Warnung besaß zu diesem Zeitpunkt bereits Bitcoins.
Was die ursprüngliche Anti-Bitcoin-Warnung enthielt
Die Liste der Einwände war umfassend: Regierungen werden es verbieten, es wird sich in Luft auflösen, der Kurs wird abstürzen, eine andere Kryptowährung wird den Platz einnehmen, die Verteilung sei ungerecht zugunsten früher Käufer, und es gebe keine Zentralbank als Rückhalt. Zwölf Monate später antwortete der Autor selbst – nicht mit einer Korrektur, sondern mit Selbstironie.
Auch die ersten Gegenargumente kamen nicht von Gläubigen. Jemand fasste die Einstiegshürde so zusammen: „Es ist schwer, jemandem zu sagen: Gib mir 600 Euro und nimm diese Zahlenfolge, als wäre es ein Los.“ Unverständnis über das Protokoll mischte sich mit sarracena Misstrauen: Verschwörungstheorien um die Neue Weltordnung (NWO) oder „magisches Internet-Geld“. Vieles in der Diskussion drehte sich mehr um Glauben als um Preise.
Das Update im Mai 2017: Nur eine Verfünffachung
Im Mai 2017, knapp ein Jahr nach dem Originalpost, aktualisierte der Nutzer seine Warnung mit Sarkasmus: Der Preis habe sich in zwölf Monaten verfünffacht, was laut seinem Text „lächerlich wenig“ sei. Die Gründe gegen einen Kauf wurden identisch wiederholt, nun aber im Tonfall eines Witzes, endend mit einem „Kauft nicht“, das längst zum Kaufsignal geworden war.
Dieser Absatz trägt die gesamte Spannung: Je schlechter die Warnung alterte, desto rentabler war es, ihr Gegenteil zu tun. Und der Verfasser war kein reumütiger Konvertit, sondern jemand, der bereits Bitcoins hielt und damit prahlte, eine Gesellschaft in Singapur mit einem Kapital von hunderten Bitcoins gegründet zu haben, ohne lokale Steuern auf die Übertragung zu zahlen.
Von 600 Euro auf 90.000 US-Dollar pro Coin
Der Größensprung lässt sich an den Posts nachvollziehen. 2017 berichtete ein Teilnehmer, dass das öffentliche Fernsehen gerade gemeldet habe, Bitcoin habe sich um 100 % verteuert und sei nun mehr wert als eine Feinunze Gold. Kurz darauf zeigte derselbe Thread, dass 0,1 BTC etwa 10.000 Euro kosteten. Am Ende steht die Zahl von 90.000 US-Dollar pro Einheit.
Warnungen vor dem Handel tauchten anderswo wieder auf. Ein Post fasste es hart zusammen: Wenn jemand bei 90.000 verkauft, hat gerade erst jemand anders diese 90.000 bezahlt. Die Liquidität hängt also vom Zufluss neuen Geldes ab – ein Problem, das die Zeit nicht gelöst hat.
Wer ging in Rente, wer kam zu spät?
Die persönlichen Zeugnisse sind der unangenehmste Teil. Ein oft zitiertes Beispiel: Jemand wurde arbeitslos, las und analysierte monatelang und investierte im Februar 2017 alles in Bitcoin; heute erklärt er sich als aus dem Arbeitsmarkt ausgeschieden. Ein anderer gab an, acht Monate nach der Warnung eingestiegen zu sein und besitzt nun Vermögen, das er anders nie erreicht hätte. Dem gegenüber steht ein Nutzer, der Bitcoin seit 2013 kannte, aber zu jung war, um Geld zu haben, und nur zusah.
Das Argument jenseits des Preises: Zensur und 21 Millionen
Es gibt einen technischen Kern, den der Preis nicht berührt. Es wird nur 21 Millionen Bitcoins geben, und die Termine der Halvings stehen fest: Die Regeln können nicht mitten im Spiel geändert werden, anders als bei Kapitalerhöhungen oder Bodenreform. Das zweite Element ist die Unveränderlichkeit der Blockchain: Ein Betrag, der einer Adresse zugewiesen ist, kann ohne privaten Schlüssel nicht umgebucht werden – selbst wenn das Internet zusammenbricht.
Deshalb argumentieren einige, dass der Staat den Bitcoin-Handel nicht verhindern kann, solange niemand die Coins in Euro tauscht. Mehrere Posts ergänzten die institutionelle Variante dieses Arguments: Die Zulassung von ETFs und die These, dass Regierungen kaufen und Zentralbanken strategische Bitcoin-Reserven anlegen.
Die Schwachstelle: Finanzamt und undeklarierte Bitcoins
Der Bruch liegt nicht im Protokoll, sondern bei der Bank. Wie ein Teilnehmer zusammenfasste: Niemand kann 2040 mit fünf Millionen in Bitcoin, gekauft 2019, zur Bank gehen und sie einzahlen, ohne ihre Herkunft zu erklären. Wer alte, versteckte Positionen hält, muss entweder deklarieren und Gewinne versteuern, oder das Geld existiert nur auf dem Bildschirm.
Darauf antwortet ein anderer mit seiner Bilanz: Unter 10.000 Euro gekauft und nie verkauft zu haben, bedeutet einen wirtschaftlichen Sprung, selbst unter Risiko. Die Rendite sei brutal, gibt er zu, und hält bisher stand.
Lohnt es sich noch, nicht zu kaufen?
Bleibt die Frage mancher Posts: Verdient nur, wer schon vorher dabei war? Bei Bitcoin-Preisen über 90.000 US-Dollar ist die Einstiegshürde heute ungleich höher als bei der ursprünglichen „Kauft-nicht“-Warnung. Wer jetzt einsteigt, kauft ein Asset auf Höchststand, mit institutioneller Akzeptanz und einem Narrativ der Wertaufbewahrung, das längst Teil des Systems ist, das es einst bekämpfen sollte. Ist es noch derselbe Bitcoin wie 2016, oder etwas anderes mit demselben Ticker?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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