Betrug bei spanischen Beamtenprüfungen: Gewerkschaftler leckte Fragen
Ein Kriegsdienstverweigerer, der an den Gerichten am Plaza de Castilla arbeitete, hatte eine Woche vor der Prüfung Zugang zu den Testfragen. Er tat, was jeder Bürger tun könnte: er kopierte sie und fertigte sechs oder sieben Kopien an. Der Protagonist, heute Journalist, erzählt dies in einem Text über Lecks bei Beamtenprüfungen und die tiefgreifenden Mängel der spanischen öffentlichen Verwaltung. Was ihn am meisten schockierte, war nicht die Methode, sondern wer sie initiierte: der Lecker war Mitglied von Comisiones Obreras. Er schien ein anständiger Mensch zu sein. Der Verweigerer konnte nicht verstehen, wie Gewerkschaftswesen mit dem Manipulieren von Beamtenprüfungen zusammenhängt.
Der Satz, der ihm im Gedächtnis blieb, stammte von der Sachverständigen, die ihn bat, die Kopien anzufertigen: "Hier ist jeder jemandes Sohn oder Tochter." Dies ist keine soziologische Hypothese, sondern eine Beschreibung der Arbeitsrealität.
Was passiert, wenn Gewerkschaften im Prüfungsausschuss sitzen
Das Thema gelangte über RTVE in die öffentliche Debatte. Ein Journalist von El Independiente fasste es so zusammen: Jeder, der den Sender kennt, weiß, dass die Prüfungsausschüsse für den öffentlichen Dienst aus Personen bestehen, die mit Gewerkschaften verbunden sind, was bedeutet, dass der Prozess nicht sauber ablaufen wird. Die Reaktion ließ nicht auf sich warten: Gewerkschaften, nur Geschwätz und Lecks.
Die Anatomie dieses Netzwerks hat mehrere Schichten. RTVE verliert Geld, hat Schulden und erhält atemberaubende Schuldenerlasse: 7,5 Milliarden Euro im Jahr 2006. Correos verlor im vergangenen Jahr 125 Millionen Euro, mitten im Boom des Paketversands. Die Diagnose ist klar: Diese Institutionen unterstützen ganze Familien, Geliebte und Freunde. Der Originaltext kommt zu dem scharfen Schluss: Spaniens Hauptproblem ist die öffentliche Verwaltung. Es ist nicht ein Skandal, sondern Tausende. Falsche Krankmeldungen, gefälschte Prüfungen, Schein-Homeoffice.
Der Mechanismus: Nur die Ausschussvorsitzende kennt die endgültigen 150 Fragen
Dieser Abschnitt enthält das wertvollste Zeugnis, das eines Ausschussmitglieds. Es gab fünf Mitglieder. Die Vorsitzende verteilte den Stoff: Von 150 Fragen sollte jedes Mitglied 120 vorschlagen, und sie wählte die endgültigen 30 aus. Ergebnis: Jedes Mitglied kannte nur seine eigenen 120 Vorschläge, und die Vorsitzende war die Einzige, die die definitiven 150 von den eingereichten 600 kannte. Die Mitglieder kannten sich kaum untereinander.
Der Sicherheitsmangel ist für jeden offensichtlich, der Organigramme versteht. Wenn eine Person die endgültige Auswahl konzentriert, ist sie der einzige Schwachpunkt. Wenn diese Person mit einer Gewerkschaftsstruktur verbunden ist, die Kurse, Mitgliedschaften und Pools für Zeitarbeitskräfte verwaltet, liegt der Anreiz vor. Einige argumentieren, dass die Vorsitzende die 150 aus 600 auswählt, viele davon im Voraus festgelegt. Das Mitglied antwortet ehrlich: Sie schließt es nicht aus, aber nur die Vorsitzende kannte sie. Das System ist nicht durch Design manipuliert, sondern durch Konzentration.
Ein Punkt für Lachtherapie, ein Punkt für einen Stanford-Doktor
Die Bewertungskriterien sind ein weiteres großes Loch. Ein 30-stündiger Kurs über Weinverkostung, Gewalt gegen Frauen oder Lachtherapie, angeboten von einer Gewerkschaft, ist 1 Punkt wert. Eine Promotion an der Stanford University, der Sorbonne oder der Universidad Complutense ist ebenfalls 1 Punkt wert. Die Wahl, die die meisten Kandidaten für befristete Stellen treffen, erklärt sich von selbst. Das System ist ein Wettbewerb, in dem Zeitarbeit und Kurzlehrgänge mehr wiegen als tatsächliches Wissen.
Der zirkulierende Vorschlag ist ein MIR-artiges Modell für Disziplinen und Sprachen: eine einzige jährliche Prüfung, deren Punktzahl für alle Auswahlverfahren der folgenden Jahre gelten würde. Es wäre selektiver und weniger manipulierbar. Es wird nicht umgesetzt, weil es nicht opportun ist. Ein solches System würde "Chelo" ausschließen, die nur den Sekundarschulabschluss hat und eine Führungsposition innehat, ohne viel zu arbeiten, weil sie Gewerkschaftsmitglied ist und die Provinzdelegierte ihre Schwägerin ist. Der Status quo der Bewerber, Günstlinge und Vetternwirtschaft beruht auf diesen Bewertungskriterien.
Klientelnetzwerke und Kündigungsschutz als Schild
Es gibt eine technische Nuance, die oft übersehen wird. Karrierebeamte haben gerade deshalb Kündigungsschutz, um Klientelismus zu verhindern: Wenn sie nicht aus politischen Gründen entlassen werden können, taugen sie nicht als Verhandlungsmasse. Das Problem ist, dass die parallele Verwaltung – befristete Verträge, Zeitarbeiter, Berater, Angestellte – die Art ist, wie die Macht diesen Zweck umgeht. Feste Stellen schützen die Insider. Die Hintertür lässt das System ungeschützt.
Das Ergebnis ist ein Markt der Gefallen, wo Stellen vergeben werden, bevor die Ausschreibung veröffentlicht wird. Man schätzt, dass mehr als die Hälfte der Plätze im Voraus vergeben sind. Und es betrifft nicht nur Gewerkschaften: Bei den Streitkräften und der Marine gibt es Familiendynastien, die miteinander konkurrieren. Beim Metro Madrid dasselbe. In kleinen Gemeinden ist Vetternwirtschaft leichter, weil sich alle kennen und der Druck auf die Ausschüsse höher ist. Daher der Vorschlag, dass lokale Regierungen ihre Prüfbefugnis verlieren und das Ministerium die Fragen nach anonymen Kriterien erstellt.
Gewerkschaften als Einstiegspunkt, nicht als Arbeitnehmervertreter
Der häufigste Vorwurf ist nicht spezifischer Betrug, sondern die Verwandlung der Gewerkschaften in Arbeitsvermittlungen. Einige argumentieren, dass Gewerkschaften darauf trainiert sind, als Systeme der Gefälligkeiten und Vollstrecker von Protesten gegen die Rechte zu fungieren, statt gegen Missbrauch am Arbeitsplatz. Der vorgeschlagene Rezept ist die Streichung aller Subventionen und eine gründliche Prüfung bis zur Unterwäsche.
Persönliche Erfahrungen verstärken die Diagnose. Mehrere Beamte haben berichtet, dass man, um sich gut über Prüfungen zu informieren und einzusteigen, zu den Gewerkschaften gehen musste: Sie kennen viele Ausschreibungen, die sonst niemand kennt, wissen, wann sie erscheinen und was verlangt wird. Letztendlich kommen nur Leute rein, die aus diesem Netzwerk stammen. Einige haben es am eigenen Leib erfahren: Einer kam erst bei Correos rein, nachdem er der Gewerkschaft beigetreten war. Man gab ihm die Prüfung.
Das Problem ist nicht, dass Menschen versuchen, Familie und Freunde zu begünstigen. Das Problem ist, dass das System, das genau dafür geschaffen wurde, dies zu verhindern, verdorben wurde, um es zu fördern. Der öffentliche Dienst wurde als Schutzschild gegen Klientelismus geboren. Heute funktioniert er als dessen Hauptvertriebskanal. Und so bleibt es, ohne dass jemand einen Weg gefunden hat, es zu zerlegen, ohne auch jene zu zerlegen, die davon leben.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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