Spanien: 30 Tage für Anmeldung, 50 für Baugenehmigung

In Spanien dauern Behördengänge oft Monate. Termine sind knapp, digitale Lösungen unzuverlässig und Bürger müssen viel Arbeit selbst erledigen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien: 30 Tage für Anmeldung, 50 für Baugenehmigung
Von 30 Tagen für die Meldebescheinigung bis zu 50 für Fliesenarbeiten

Wie lange muss man in Spanien warten, um sich nach einem Umzug neu anzumelden? Dreißig Tage nur für einen Termin, wie ein Teilnehmer berichtet. Und wie lange dauert es, bis eine Gemeinde die Baugenehmigung für den Austausch von Bodenfliesen erteilt? Fünfzig Tage, laut einem anderen Fall im Thread. Die öffentliche Verwaltung ist vom Schalter zur Warteliste geworden, auf der der Bürger Zeit, Papierkram und immer mehr eigene Arbeit investiert. Die Schilderungen gleichen einer Kette von Hürden: Da das Standesamt streikt und Reklamationen nicht persönlich eingereicht werden können, fallen 6 Euro für Einschreiben an. Wenn die Prozesskostenhilfe versagt, lautet die Antwort, dass man bereits zwölf Monate gearbeitet hat und nun einen Anwalt bezahlen kann.

Hohe Steuern zahlen und am Ende die Büroarbeit vom Wohnzimmer aus erledigen. Das ist die häufigste Zusammenfassung.

Wie lange dauert ein Verwaltungsakt?

Die Bearbeitungszeiten bei alltäglichen Angelegenheiten stehen im Zentrum der Kritik. Ein Termin für die Ummeldung nach einem Wohnungswechsel erfordert 30 Tage. Eine Baugenehmigung für Fliesenarbeiten zog sich über 50 Tage, währenddessen die Arbeiten dennoch durchgeführt wurden. Eine Grundbuchänderung, eingereicht mit Gutachten, braucht ein halbes Jahr: Bei telefonischer Nachfrage heißt es, „Anträge werden nach Eingangsdatum bearbeitet“. Ein Gerichtsverfahren bedeutet sieben Jahre Wartezeit.

Der Vergleich der Fristen zeigt, was manche als Machtmittel beschreiben: Je langsamer die Bearbeitung, desto abhängiger ist der Bürger vom Sachbearbeiter. Langsamkeit, so ein Teilnehmer, ist nicht immer Inkompetenz. Manchmal ist sie das einzige Druckmittel für Mitarbeiter, die nicht gekündigt werden können.

Terminpflicht durch die Pandemie

Die obligatorische Terminvergabe für fast alle Dienstleistungen etablierte sich nach der Gesundheitskrise und ist geblieben. Dieser Punkt führt zu den meisten Übereinstimmungen. In einem Rathaus sind um zwölf Uhr zehn Schreibtische leer, und Räume sind durch milchige Glaswände getrennt, sodass man nicht sieht, was drinnen passiert, während nur eine Person die Aufrufe tätigt. In einer regionalen Arbeitsagentur wirkt der Warteraum leer, obwohl die Telefonzentrale meldet, man sei überlastet.

Daraus entstehen die Szenen, die am meisten ärgern: Personal, das vormittags andere Dinge tut, oder ein elektronisches Selbstbedienungs-Terminal, das nur während der Bürozeiten von 8:30 bis 14 Uhr funktioniert und direkt am Eingang steht, um Kunden vom Schalter wegzuleiten. Das Gefühl der Benachteiligung kommt nicht nur durch die Wartezeit: Es entsteht durch den Verdacht, dass das Personal nicht abnimmt, während die Arbeitslast der Bürger steigt.

Digitales Zertifikat löst keine Bürokratie

Die in fast allen Gesprächen empfohlene Lösung ist die Digitalisierung. Mit einem digitalen Zertifikat lassen sich viele Verfahren von zu Hause aus erledigen; auf einem beschriebenen Weg kostet dies 3 Euro plus MwSt., ohne ein Amt betreten zu müssen. Manche erinnern daran, dass es zu viele verschiedene Zugangsdaten für dieselbe Sache gibt — Schlüssel, PIN-Schlüssel, permanenter Schlüssel, Zertifikat, elektronische Signatur — und dass die Websites weiterhin abstürzen: Man füllt ein Formular fünfzehn Minuten lang aus und erhält beim Absenden eine Timeout-Fehlermeldung.

Trotzdem löst das Zertifikat nicht alles. Ein Teil der Dokumente benötigt weiterhin menschliche Bestätigung, was den Bürger zum persönlichen Termin zurückführt. Ein anderer Teil enthält einen sicheren Verifizierungscode, der zur Beglaubigung ausreicht, es sei denn, eine ausländische Behörde verlangt Stempel oder beglaubigte Kopien. Die vollständige Aufschlüsselung dessen, was möglich ist und was nicht, würde hier den Rahmen sprengen.

Und der digitale Ausweis?

Hier taucht eine der meistzitierten Paradoxien auf: Der physische DNI (spanischer Personalausweis) gilt zehn Jahre, aber seine digitale Version läuft nach zwei Jahren ab, ohne Vorwarnung und mit verpflichtender persönlicher Verlängerung. Hinzu kommt das grundlegende Problem der Meldebescheinigung: Ohne diese kann weder der DNI noch der Reisepass erneuert werden, und ohne Pass kein Auslandsreise. Der gesamte Kreislauf hängt von einem Termin ab, der einen Monat dauern kann.

Prozesskostenhilfe: Zwölf Monate Beitragszeit und Anwaltskosten

Das zweite große Thema ist der Zugang zur kostenlosen Justiz. Der Antrag auf kostenlose Verteidigung zur Einforderung ausstehender Zahlungen eines Unternehmens wurde abgelehnt, weil der Antragsteller zwölf Monate gearbeitet und Einkommen erzielt hatte, was ihn laut Bescheid dazu verpflichtet, einen Privatanwalt zu beauftragen. Die offene Frage bleibt die alte: Wenn ich arbeite und Beiträge zahle, warum zahle ich dann Steuern?

Manche antworten darauf von der anderen Seite: Das System trägt sich, um denen Verteidigung zu garantieren, die sie nicht bezahlen können, und die Mehrheit der Steuerzahler nutzt einen Anwalt nur einmal alle vielen Jahre. Der Kontrast zwischen beiden Positionen wird nie aufgelöst.

70 % des Personals streichen: Vorschlag aus dem Thread

Unter den diskutierten Lösungen ist auch die Reduktion: Entlassung von 70 % der Beamten und Beibehaltung der restlichen 30 %, basierend auf der Annahme, dass der Service gleich bliebe und die Gehaltseinsparungen erheblich wären. Ein anderer Beitrag nennt Homeoffice als Ursache für die Verschlechterung: Mehr Verkehr am Vormittag und mehr Menschen, die während der Arbeitszeit Sport treiben.

Dem gegenüber steht die politische Lesart: Wenn nichts korrigiert wird, liegt es daran, dass ein Teil der Wählerschaft vom aktuellen System profitiert. Und der Vergleich mit anderen Ländern, der immer wieder auftaucht: Im Vereinigten Königreich erfolgt die Identitätsprüfung per Foto des Führerscheins und alles wird über das staatliche Portal gelöst, während hier ein halbes Dutzend Systeme koexistieren, deren Zweck niemand kennt.

Angesichts dieser Lage scheint der 30-Tage-Termin kein Systemfehler zu sein. Er wirkt wie ein gut durchdachter Anreiz: Je schlechter der Service, desto schneller lernt der Bürger, Probleme selbst zu lösen. Und das ist zudem billig.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (169 Antworten).

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