29N: Spaniens Oppositionschef gegen Anstieg des Durchschnittslohns

Alberto Núñez Feijóo sagte bei Cadena SER, die PP lehne den Mindestlohn nicht ab, wohl aber eine Erhöhung des Durchschnittslohns. Der Satz ließ den Interviewer fassungslos zurück.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Feijóo erklärte bei Cadena SER, die PP sei nicht gegen eine Erhöhung des Mindestlohns, aber gegen eine Erhöhung des Durchschnittslohns, und fügte "woher soll ich das denn wissen" hinzu, als der Interviewer um eine Erklärung bat.

## Der Satz, der den Interviewer sprachlos machte

Alberto Núñez Feijóo war bei Cadena SER zu Gast und lieferte eine jener Aussagen, die sich von selbst kommentieren. "Ich werde nicht in die Falle tappen, dass die PP gegen eine Erhöhung des Mindestlohns ist. Die PP ist gegen eine Erhöhung des Durchschnittslohns", sagte der Vorsitzende der Partido Popular (Spaniens größter konservativer Oppositionspartei). Aimar Bretos, der das Interview führte, war fassungslos: "Was sagen Sie da, Herr Feijóo?". Die Antwort des Politikers war noch erstaunlicher: "Woher soll ich das denn wissen...".

Die Sequenz machte schnell in den sozialen Medien die Runde. Und das nicht zu Unrecht. Eine Erhöhung des Mindestlohns ist eine Maßnahme mit begrenzter Wirkung: Sie betrifft die am schlechtesten verdienenden Arbeitnehmer und die Unternehmen, die sie beschäftigen. Eine Erhöhung des Durchschnittslohns ist etwas völlig anderes. Der Durchschnittslohn ist eine statistische Kennzahl, kein Gehaltszettel, den man per Dekret festlegen könnte. Keine Regierung "erhöht den Durchschnittslohn" per Dekret, so wenig wie sie den Preis für Wohnraum oder Benzin per Dekret festlegen kann.

## Was der Durchschnittslohn misst und warum man ihn nicht per Dekret ändern kann

Der Durchschnittslohn ist das arithmetische Mittel dessen, was alle Arbeitnehmer eines Landes verdienen. Er wird aus Erhebungen wie der Lohnstrukturerhebung des INE (Spaniens Statistikinstitut) berechnet und dient dem Vergleich, der Trendanalyse, der Statistik. Eine Regierung kann ihn über Steuerpolitik, über den Mindestlohn, über Tarifverhandlungen oder über öffentliche Ausgaben beeinflussen, aber es gibt keinen Knopf, der ihn erhöht, und kein Gesetz, das ihn festlegt. Die Verwechslung von Mindestlohn und Durchschnittslohn ist keine Kleinigkeit: Es sind zwei Konzepte, die auf völlig verschiedenen Ebenen wirken.

Feijóos Satz kommt zudem mitten in einer Debatte über den Mindestlohn. Die PP hat die von der Koalitionsregierung beschlossenen Mindestlohnerhöhungen mehrfach kritisiert mit dem Argument, sie könnten kleinen Unternehmen und der Beschäftigung schaden. Das ist eine diskussionswürdige, aber nachvollziehbare Position. Was nicht passt, ist die Übertragung dieser Kritik auf den Durchschnittslohn, der keine Politik, sondern eine Zahl ist.

## "Woher soll ich das denn wissen": Wenn der Interviewte selbst die Schlagzeile liefert

Feijóos Antwort hat einen unbestreitbaren journalistischen Wert. Nicht jeden Tag verliert ein Oppositionschef live on air seine Argumente. "Woher soll ich das denn wissen" ist eine verbale Kapitulation, ein stillschweigendes Eingeständnis, dass der vorherige Satz nicht haltbar war. Der Moment ereignete sich zudem in einem Interview bei Cadena SER, einem Sender mit großer Reichweite und der Fähigkeit, die Agenda zu setzen.

Die Anekdote hat Substanz, weil sie ein größeres Problem verdichtet: die Schwierigkeit der Parteien, über Löhne zu sprechen, ohne in Widersprüche zu geraten. Die PP will sich in Wirtschaftsthemen von der Regierung abgrenzen, ohne als die Partei dazustehen, die dagegen ist, dass die Menschen mehr verdienen. Das Ergebnis ist ein Satz, der wörtlich gelesen klingt, als sei die PP dagegen, dass der Durchschnittslohn der Spanier steigt. Und das ist, so gesagt, schwer zu verteidigen.

## Der Preis für die Vermischung ökonomischer Begriffe

Die Verwechslung von Mindestlohn und Durchschnittslohn ist kein Einzelfall. In der öffentlichen Debatte werden beide Begriffe oft durcheinandergebracht, was zu verwirrenden Schlagzeilen und fruchtlosen Diskussionen führt. Der Mindestlohn (SMI) wird jedes Jahr per Königliches Dekret festgelegt und betrifft die am schlechtesten verdienenden Arbeitnehmer. Der Durchschnittslohn ist ein statistisches Mittel, das die Produktionsstruktur eines Landes widerspiegelt. Wer sie verwechselt, landet in unmöglichen Debatten: Niemand kann "dagegen" sein, dass ein Durchschnittswert steigt, denn der steigt oder sinkt je nachdem, was am Arbeitsmarkt passiert.

Am Ende bleibt Feijóos Satz ein Bild, das schwer zu vergessen ist. Ein Politiker, der abstreitet, dass seine Partei gegen eine Erhöhung des Mindestlohns ist, während er behauptet, sie sei gegen eine Erhöhung des Durchschnittslohns. Und ein Interviewer, der nachfragt, was genau gemeint ist. Und ein "woher soll ich das denn wissen" als Antwort. So ist das in der Wirtschaftspolitik: Manchmal vermischen sich die Begriffe, und das Ergebnis ist eine Schlagzeile, die sich von selbst erklärt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (6 Antworten).

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