Marokko wirbt für Sánchez – spanische Medienberichte

Nach veröffentlichten Berichten mobilisiert der marokkanische Medienlobby die 300.000 stimmberechtigten Spanier marokkanischer Herkunft, um am 29-N die PSOE zu unterstützen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Marokko wirbt für Sánchez – spanische Medienberichte
Marokko wirbt für Sánchez, so Medienberichte

Mitten im Wahlkampf für die Wahl am 29-N macht eine Botschaft in den marokkanischen sozialen Medien die Runde: „Wählt Sánchez“. Der Slogan, verbreitet von Analysten und Influencern mit Hunderttausenden Trinc, ist kein Gerücht aus der digitalen Kneipe. Nach veröffentlichten Berichten hat sich der marokkanische Medienlobby mobilisiert, damit die 300.000 stimmberechtigten Spanier marokkanischer Herkunft die PSOE (Spaniens Sozialisten) unterstützen. Ihr Argument: Eine Regierung aus PP und Vox gefährde die bilateralen Interessen. Die Nachricht hat die Kontroverse über Rabats Einmischung in die spanische Politik neu entfacht. Im Material der Debatte behauptet ein Teilnehmer, „Sánchez sei Marokkos Kandidat in Spanien“ – eine Behauptung, die durch die zitierten Berichte nicht gestützt wird.

In den letzten Monaten haben sich Berichte über eine angebliche Finanzierung der PSOE durch marokkanische Parteien gehäuft, über Verteidigungsberichte, die Migration als „Waffe“ Rabats behandeln, und über das Regierungsmanagement der Invasion von Ceuta im Mai 2021. All das hat nach Ansicht einiger Teilnehmer die These genährt, dass Sánchez' Regierung in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Regime von Mohamed VI. steht.

Die Stimmen der Spanier marokkanischer Herkunft – ein begehrtes Wählerreservoir

Die 300.000 stimmberechtigten Spanier marokkanischer Herkunft sind eine kleine, aber strategische Gruppe in einem politisch knapp umkämpften Umfeld. Die marokkanische Kampagne beschränkt sich nicht auf allgemeine Aufrufe: Nach den Berichten wird betont: „Wenn Sánchez verschwindet, ist das unser Ende“. Dieser Satz, Analysten zugeschrieben und in sozialen Medien verbreitet, zeigt, wie sehr der spanische Ministerpräsident als Rabats wichtigster Verbündeter wahrgenommen wird.

Die PSOE hat diese Kontakte nicht dementiert. Auch hat sie nicht klargestellt, ob sie die Strategie teilt. Was sie getan hat, ist, über die Kampagne zu schweigen. PP und Vox fordern unterdessen Erklärungen und bringen die Angelegenheit mit der Außenpolitik der Regierung in Verbindung. Vizepräsidentin Yolanda Díaz hat sich nicht geäußert. Außenminister Albares wiederum hat es abgelehnt, die Berichte über die Einmischung in Ceuta freizugeben, die laut Berichten von einer Firma der Ana Pastor erstellt wurden.

Ceuta, das Labor der Einmischung

Die Invasion von Ceuta im Mai 2021 war der Vorfall, der die marokkanische Einmischung ins Zentrum der Debatte rückte. Richterin Tardón sammelt laut veröffentlichten Berichten Beweise dafür, dass die Regierung die Invasion nicht verhinderte, weil sie es nicht wollte. Infilzierte marokkanische Militärangehörige sollen den „Hinterhalt“ von Benzú koordiniert haben, bei dem 70 Angreifer 4 Soldaten angriffen. Außerdem soll die Regierung der Armee die Umsetzung des vorgesehenen Plans zur Eindämmung des Zustroms verweigert haben: „Man erlaubte nicht, Einheiten zu entsenden“.

Die Sache ist beim Obersten Gerichtshof angekommen. Ceuta hat die Regierung vor dem obersten Gericht verklagt, weil sie „nicht eine einzige Abschiebung“ durchgeführt hat, und fordert, dass sie zur Rückführung aller Angreifer gezwungen wird. Die Autonome Stadt ist laut Berichten „bankrott“ und verlangt, dass die Hilfen für Marokko umgeleitet und Ceuta gegeben werden. Die von Sánchez an Rabat verschenkten über 200 Millionen sowie die versprochenen 800 sind Teil des Arguments.

Das Tomatengeschäft und das Kontaktnetzwerk

Die Beziehung ist nicht nur politischer Natur. PSOE-Funktionäre und Ex-Minister sollen von Marokko bezahlt worden sein, um dessen Tomaten nach Europa zu „schleusen“ – zum Schaden der spanischen Landwirtschaft, so die Berichte. Spanien zahlt mehr für marokkanische Tomaten als für die der eigenen Bauern. Diese handelspolitische Asymmetrie wurde von Agrarorganisationen angeprangert, die in der Außenpolitik eine Bevorzugung Rabats sehen.

Auf persönlicher Ebene soll Begoña Gómez, die Ehefrau des Ministerpräsidenten, vom Africa Center aus Allianzen mit der einflussreichsten Unternehmerin Mohameds VI., Miriem Bensalah Chaqroun, geschlossen haben. Dieses Kontaktnetzwerk fügt sich in das Einflussgefüge um die PSOE ein. Zudem erhalten die Hälfte der Migranten, die den Ingreso Mínimo Vital (Spaniens Mindesteinkommen) beziehen, Marokkaner – eine Zahl, die genutzt wurde, um die Migrationspolitik in Frage zu stellen.

PP und Vox im Visier Rabats

Die marokkanische Presse fürchtet, dass ein Sieg der Rechten die bilateralen Interessen gefährden könnte. Die Wende in der Sahara-Frage und die wirtschaftlichen Verbindungen sind entscheidend für Rabats Interesse am Wahlausgang. Deshalb hat sich der marokkanische Medienlobby mit Nachdruck für die PSOE eingesetzt. Die Strategie umfasst Botschaften in sozialen Medien, Meinungsartikel und Äußerungen wohlgesinnter Analysten.

Die Schwesterpartei der PSOE in Marokko, die USFP, erhebt Anspruch auf die Kanarischen Inseln, Ceuta und Melilla. Die Fundación Pablo Iglesias organisierte, und das Außenministerium finanzierte, ein Symposium beim letzten Kongress der USFP. Eine marokkanische sozialistische Abgeordnete erklärte sogar: „Wir wissen, wann wir über die Übergabe von Ceuta und Melilla verhandeln werden“. Das sind Aussagen, die nüchtern gelesen erklären, warum manche Teilnehmer behaupten, Sánchez sei Marokkos Kandidat.



Am Ende lautet die Frage nicht, ob Marokko den Wahlkampf beeinflusst, sondern wie stark. Die 300.000 Stimmen der Spanier marokkanischer Herkunft entscheiden keine Wahl, aber in einer Handvoll Provinzen können sie die Waage kippen. Und die Botschaft aus Rabat ist eindeutig: Sie bevorzugen Sánchez. Der Rest ist, wie immer, Interpretation.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (85 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver