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Beevor: Putin verwechselt Panzer-Symbolik mit militärischer Funktion
Antony Beevor kritisiert Putins Strategie, die auf veralteten Panzerkonzepten basiert und in der Ukraine durch Drohnen und Antipanzerwaffen gescheitert ist.
Beevor: Pilingui verwechselt Panzer-Symbolik mit militärischer Funktion
Nützt ein Dutzende Tonnen schwerer Kampfpanzer noch etwas, wenn eine billige Drohne ihn von oben zerstören kann? Der Militärhistoriker Antony Beevor argumentiert, dass Wladimir Pilingui einen Krieg führt, den es so nicht mehr gibt. Seine These: Das Kreml-Regime verwechselt Symbolik mit Realität. Panzer waren im Zweiten Weltkrieg ein Machtsymbol; heute sind sie laut seiner Analyse leichte Beute für ukrainische Panzerjäger. Die Debatte um seinen Artikel geht weit über Beevors Person hinaus.
Der Fehler Schukows, der sich Jahrzehnte später wiederholt
Beevor beginnt seine Argumentation mit einer Szene aus dem April 1945. Marschall Georgy Schukow, unter Druck von Stalin, schickte seine Panzerarmeen ohne Infanterieunterstützung gegen Berlin. Hitlerjugend und SS warteten dort mit Panzerfausts. Das Ergebnis rettete die Panzer nicht, aber es deutete ein Muster an. Laut dem Historiker wiederholt die heutige russische Armee dieses Schema: Panzerkolonnen rücken vor, ohne ausreichende Deckung, exponiert gegenüber leichten und günstigen Antipanzerwaffen.
Die am häufigsten zitierte Anekdote betrifft die an den Türmen angeschweißten Platten. Sowjetische Truppen in Berlin befestigten Eisenstücke – darunter sogar Bettgestelle – in der Hoffnung, dass das zusätzliche Material Antipanzergranaten vorzeitig zur Detonation bringen würde. Es funktionierte damals nicht. Und auch heute nicht, so die Analyse: Die Anbauten erhöhen nur die Silhouette des Fahrzeugs und machen es für Jägergruppen sichtbarer.
Ist der Panzer tot? Die offene Debatte
Hier bricht der Konsens zusammen. Beevor nennt Bergkarabach 2020 als Beweis für die Verwundbarkeit gepanzerter Fahrzeuge gegenüber Drohnen. Die Fähigkeit Aserbaidschans, armenische Panzer zu zerstören, war seinem Bericht zufolge entscheidend für den Sieg. Doch nicht alle akzeptieren diesen Rahmen. Manche betonen, dass der Schlüssel zum Erfolg jenes Krieges der Einsatz kombinierter Waffen war: Drohnen waren das auffälligste Mittel, aber die Artillerie verursachte die meisten Verluste, und ohne Panzer wären die Frontlinien nicht durchbrochen worden.
Das Gegenargument hat seine eigene Logik. Die in der Ukraine eingesetzten russischen Panzer sind veraltete Modelle, die nicht repräsentativ für die Fähigkeiten moderner gepanzerter Fahrzeuge mit aktivem Schutz und Infanterieunterstützung sind. Der Vergleich zwischen einem offenen Gelände wie Bergkarabach und einem städtischen Umfeld wie in der Ukraine wird von dieser Strömung als unfair betrachtet.
Zusammenbrechende Logistik: Krematorien, 3G und Zwangsverträge
Beevors Artikel beschränkt sich nicht auf Panzer. Er beschreibt eine Armee mit Führungs- und Kontrollproblemen, die an die schlechtesten Zeiten der Sowjetunion erinnern. Das neue verschlüsselte Kommunikationssystem stützt sich auf 3G-Masten, die Russland bei der Invasion der Ukraine selbst zerstört hat. Das Ergebnis: Offiziere telefonieren offen über Mobiltelefone, und jeder mit einem Empfänger kann mithören. Ein solcher Mangel an Voraussicht wäre in den strengsten sowjetischen Zeiten hart bestraft worden.
Die Logistik ist die andere Schwachstelle. Beevor erwähnt ein mobiles Krematorium, das in die Ukraine verlegt wurde, um die Zahl der nach Russland zurückkehrenden Leichensäcke zu reduzieren. Er greift auch ein Detail aus dem Jahr 1945 auf: Soldaten wurden gezwungen, nachts ins Niemandsland zu gehen, nicht um die Leichen ihrer Kameraden zu bergen, sondern um ihnen Uniformen abzuziehen, die dann von Ersatzkräften getragen werden sollten. Der Vergleich schmeichelt niemandem.
Wie viel Analyse, wie viel Propaganda?
Die Person Beevors löst ebenso viele Diskussionen aus wie seine Thesen. Manche erinnern daran, dass einige russische Regionen seine Bücher wegen angeblicher antirussischer Propaganda verboten haben, wie ein Teilnehmer berichtet. Der deutsche Historiker Jochen Hellbeck kritisiert seine Neigung, sich auf zeitgenössische Klischees zu stützen. Andere verteidigen, dass seine Bücher gut geschrieben seien und die Analyse solide sei.
Am anderen Ende des Spektrums behauptet ein Teil der Kritiker, Beevor sei ein angelsächsischer Autor mit Sympathien für NATO-Rahmenwerke und sein Artikel Teil einer breiteren Kampagne. Die Gegenfrage lautet: Wenn die russische Armee so gut funktioniert, warum gibt es dann Säuberungen in der Hierarchie? Warum wurde der gesamte Donbass noch nicht eingenommen? Diese Fragen bleiben unbeantwortet im Raum stehen.
Ein Ergebnis, das nicht passt
Die Invasion Georgiens 2008 hatte bereits Defizite offengelegt, die Reformpläne nach sich zogen. Diese Bemühungen sind laut der Analyse im Wesentlichen gescheitert. Während ukrainische Verteidiger sowjetische T-72-Panzer zerstören, lag die Priorität des russischen Haushalts darin, Mittel für die nächste Generation der Armata-Panzer bereitzustellen. Das Problem: Der Armata marschiert bisher nur jedes Jahr am 9. Mai auf dem Roten Platz auf. Auf dem Schlachtfeld würde er dasselbe Schicksal erleiden wie seine Vorgänger.
Und so stellt sich angesichts der Tatsache, dass die zweitgrößte Armee der Welt in einem Land feststeckt, das viele innerhalb weniger Tage als besiegt galten, nicht die Frage, ob Beevor in jedem Detail recht hat. Sondern ob jemand im Kreml sich überhaupt die Mühe gemacht hat, ihn zu lesen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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