Die Basquen in Idaho: 60.000 Nachfahren und ein schwieriges Erbe
In Boise, der Hauptstadt von Idaho, werden Aurreskus getanzt und Ikurriñas (baskische Flaggen) in sozialen Einrichtungen aufgehängt, die älter sind als viele Rathäuser in Bizkaia. Die Zahl, die in der Ausgangsthese genannt wird, ist beeindruckend: Rund 60.000 Nachfahren von Basken, die vor einem Jahrhundert auswanderten, pflegen ethnokulturelle Bräuche — regionale Tänze, Trachten, Feste, Religion — und verfügen über ihre eigenen Batzokis (baskische Kulturvereine). Die zentrale These der Diskussion ist, dass diese Gruppe heute die einzige Gemeinschaft spanischer Herkunft in den USA ist, die ein erkennbares kulturelles Repertoire bewahrt, und dass deren Förderung als Essenz des Iberischen könnte, das mit dem Hispanischen assoziierte Image im Land herausfordern.
Von den Hirten Nevadas bis zu Brokeback Mountain
Die dokumentarische Spur dieser Emigration ist mehr als nur Folklore. Robert Laxalt, ein Nachfahre eines aus dem französischen Soule stammenden Hirten, der nach Nevada auswanderte, schrieb „Sweet Promised Land“, die Chronik seines Vaters; sein Bruder Paul wurde Gouverneur von Nevada und republikanischer Senator. Auf der demokratischen Seite stammt der Kongressabgeordnete aus Kalifornien, John Garamendi, ebenfalls von Basken ab. Der literarische Fußabdruck ist populärer: In „Brokeback Mountain“ heißt der Cowboy-Chef Joe Aguirre, und die von Annie Proulx verfasste Erzählung, die dem Film zugrunde liegt, ist Teil von „Close Range: Wyoming Stories."
Die Geografie der Besiedlung folgte einer Logik. Baskische Hirten ließen sich an der Westküste und im Landesinneren von Kalifornien nieder, sowie im Gebiet von Cascadia, wie das Diskussionsmaterial zeigt. Es war kein spontaner Fluss: Es wird argumentiert, dass die Migrationen vom Empfängerland gesteuert wurden, das Hirten anwarb und auch viele französische Basken mitbrachte. Bei einem Flugzeugabsturz, bei dem ein berühmter Boxer ums Leben kam, befanden sich zwei oder drei junge französische Basken auf dem Weg nach Idaho.
Der Konflikt zwischen Mythos und heutiger baskischer Politik
Hier spaltet sich die Diskussion. Eine Strömung vertritt die Ansicht, dass der von Sabino Arana und der PNV (Baskische Nationalistische Partei) artikulierte Nationalismus ein neues Narrativ über eine bereits existierende Gemeinschaft konstruiert hat: Die standardisierte Sprache, hunderte von Wörtern, die Flagge, ein Großteil der Folklore und die historischen Neuinterpretationen seien moderne Erfindungen. Die Gegenthese lautet, dass dieser Vorwurf für jede moderne Nation-Staat gilt und dass die relevante Frage nicht die nach der Erfindung ist, sondern ob das Ergebnis ehrlich oder ein ideologisches Manöver ist.
Der Kontrast, der die Verteidiger des offiziellen Narrativs am meisten verunsichert, ist soziologischer Natur. Es wird angemerkt, dass ein Baske, der Traditionen in einer ländlichen Gegend der USA bewahrt, dazu neigt, rechts zu wählen, während ein Baske, der in Andoain oder Ordizia dasselbe zu denken glaubt, linke, feministische und multikulturelle Parteien wählt. Das Paradoxon bleibt ungelöst.
Warum heißt es, die Basken seien die Ersten in Amerika gewesen?
Diese Zuschreibung geht auf ein Zitat zurück, das dem US-Präsidenten Thomas Jefferson zugeschrieben wird: „Die Ersten waren die Basken“. Dies stützt sich auf ihre Eigenschaft als exzellente Seeleute, Navigatoren und Walfänger. Es ist ein Zitat, das als symbolische Verstärkung der baskischen Rolle bei der Kolonialisierung des Kontinents zirkuliert, nicht als demografischer Fakt.
Das Paradoxon der Diaspora, die nicht zurückkehrt
Das reale Bild der Nachfahren ist weniger episch und eher prosaisch. Ein Zeugnis beschreibt einen Basken-Amerikaner, der sich in keiner Weise von einem gewöhnlichen Amerikaner unterschied: Er hatte das Baskenland nie betreten, sprach weder Baskisch noch Spanisch, und seine einzige Besonderheit war der Name Peio Iribar, weil ein Vorfahre dort gelandet war und die Familie die Tradition beibehielt, baskische Namen zu vergeben. Ebenso amerikanisch wie ein Joe Smith.
Die familiären Bindungen werden, sofern sie existieren, nur schwer aufrechterhalten. Ein Teilnehmer berichtet, dass zwei Onkel seines Großvaters Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts auswanderten und dass während des Bürgerkriegs ein Teil der Familie dank dieser Kontakte fliehen konnte, einschließlich der Aufnahme in die USA. Es waren bescheidene Hirten, die in Kalifornien ansässig waren. Heute hält er Kontakt zu einer Cousine zweiten Grades in Texas, deren Kinder versuchen, das Erbe nicht zu vergessen. Die Schlussfolgerung ist bitter: Diejenigen, die in Spanien blieben, wanderten am Ende ebenfalls aus, und es gibt niemanden mehr, der in der ursprünglichen Heimat verblieben ist.
Das Material schließt selbst ab. Von den 60.000 Nachfahren, die Batzokis, Tänze und Feste in Idaho pflegen, behaupten einige, dass die meisten weder Baskisch noch Spanisch sprechen, das Baskenland nie besucht haben und so wählen, wie jeder andere Bewohner von Boise wählen würde. Die Tradition überlebt; das politische Subjekt, das ihr zugeschrieben werden soll, nicht.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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