Barnard vs. Fung: Zwei Diäten gegen Typ-2-Diabetes

Vegan-fettarm oder ketogen? Zwei gegensätzliche Theorien zur Behandlung von Typ-2-Diabetes. Das Problem liegt nicht in Kohlenhydraten, sondern in ihrer Konzentration.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Barnard vs. Fung: Zwei Diäten gegen Typ-2-Diabetes
Ketogene und vegane Ernährung im Streit um Typ-2-Diabetes

Ein Mann beginnt die zweite Phase seiner ketogenen Diät und teilt unumwunden mit: acht Kilo in fünfundzwanzig Tagen. Ein anderer rühmt sich zwanzig Kilo weniger in sechs Monaten, während er Paleo „wie ein Tier“ isst, ohne Hunger zu leiden. Keiner der beiden ähnelt dem Patienten, den ein Endokrinologe mit Kohlenhydraten und Insulin behandeln würde. Und beide glauben, recht zu haben. Die Frage, die alles aufwirft, ist einfach zu stellen und teuflisch schwer zu beantworten: Wie können eine fettreiche und eine kohlenhydratreiche Ernährung beide behaupten, Typ-2-Diabetes zu kontrollieren oder sogar rückgängig zu machen?

Zwei Theorien, die nicht gleichzeitig wahr sein können

Dr. Neal Barnard vertritt die Ansicht, dass in den Zellen angesammeltes Fett verhindert, dass Zucker in sie eindringt. Seine Empfehlung daher: pflanzenbasierte Ernährung, fettarm – auch frei von Pflanzenölen – und reich an komplexen Kohlenhydraten wie Vollkorn, Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten, wobei zugesetzter Zucker minimiert wird.

Dr. Jason Fung vertritt genau das Gegenteil. Seine These lautet, dass die Zelle nicht verfettet, sondern „zuckersatt“ sei. Er reduziert Kohlenhydrate auf ein Minimum, erhöht den Fettanteil für die Sättigung und ergänzt intermittierendes Fasten: weniger Kohlenhydrate, weniger Blutzucker, weniger Insulin und langfristig bessere Insulinsensitivität. Beides kann nicht stimmen. Oder doch? Hier beginnt die Debatte.

Warum zwei gegensätzliche Diäten denselben Blutzucker senken

Ein Teil des Konflikts löst sich auf, wenn man die Zahlen genauer betrachtet. Ein Gramm Kohlenhydrat aus einer Aubergine verhält sich anders als eines aus einem Brötchen. Laut den in der Diskussion kursierenden Daten enthält die Aubergine etwa 10% Kohlenhydrate, Brot kommt auf 60% und Zucker auf 99%. Entfernt man Wasser aus getrocknetem Obst, vervielfacht sich der Prozentsatz fast um das Zehnfache. Die Schlussfolgerung vieler: Das Problem sind nicht die Kohlenhydrate selbst, sondern ihre Konzentration.

Daher reduzieren beide Ansätze letztlich die tatsächliche glykämische Last, der eine über den Weg des Fetts, der andere über das ganze Gemüse. Ballaststoffe sind der Faktor, den kaum jemand anzweifelt: Gemüse mit hohem Ballaststoffgehalt lässt den Insulinspiegel kaum ansteigen. Und eine gekochte Kartoffel, so heißt es, verliert einen großen Teil ihres glykämischen Index, wenn sie über Nacht steht.

Der gemeinsame Nenner: Fructose und raffinierte Produkte

Es gibt eine These, die den Konflikt mittig schneidet: Der Feind seien nicht pauschal Kohlenhydrate, sondern freie Fructose und raffinierte Produkte – Salz, Zucker und Mehl. Wer diese kontrolliert, kontrolliert die Krankheit, unabhängig davon, auf welcher Seite des Pendels die Ernährung liegt. Nach dieser Logik wären beide Wege gültig und unterschieden sich nur durch den metabolischen Preis, den sie fordern.

In diesem Rahmen spaltet sich die Debatte in drei Lager. Eine Gruppe vertritt die Meinung, dass alle Kohlenhydrate in Glukose umgewandelt werden und dass Pflanzenöle „das Übel“ seien. Eine andere plädiert für Mäßigung, ohne auf Makronährstoffe zu verzichten. Und eine dritte Gruppe fasst es mit dem häufigsten Satz zusammen: Iss alles, ohne dich zu obsessiv zu verhalten, und führe ein ausgeglichenes Leben.

Das Zeugnis, das mehr wiegt als die Studie

Angesichts von Studien und Universitäten füllt sich die Diskussion schnell mit persönlichen Erfahrungen. Ein Teilnehmer mit mehr als zwanzig Jahren Typ-1-Diabetes fasst seine Formel zusammen: Kohlenhydrate nahe null, Krafttraining und perfekte Kontrolle. Er fügt hinzu, dass ein Arzt, der massiven Kohlenhydratkonsum vorschlage, „keine Ahnung habe“. Jemand vergleicht dies damit, ein Feuer mit Benzin zu löschen.

Nicht alle sehen das gleich. Es wird gewarnt, dass Fastenvorschläge für Diabetiker oder stark Übergewichtige der direkte Weg zum Abbruch seien, und dass wer aufgibt, zum Ausgangspunkt zurückkehrt. Manche erinnern daran, dass permanente Ketose suboptimal sein kann: Das wahrscheinlichste evolutionäre Muster wäre saisonale Abwechslung, nicht ein fester Zustand.

Von Insulin zur menschlichen Evolution

Je weiter das Thema reift, verschiebt sich der Fokus vom Teller zur Spezies. Diskutiert wird, wann der Mensch auftauchte – vor etwa 150.000 Jahren –, wann das Feuer domestiziert wurde – zwischen 700.000 und 1,5 Millionen Jahren – und ob wir Zähne eines Fleischfressers haben. Man zitiert die Eckzähne unserer vegetarischen Verwandten, Speere von vor einer halben Million Jahren und die Gewohnheit anderer Tiere, Werkzeuge zu benutzen.

Gegen Ende lenkt sich der Blick auf Landwirtschaft und Agrochemie. Ein Teil argumentiert, dass modernes Gemüse nicht dem von vor zweihundert Jahren gleiche und dass Pestizide systemische Gifte seien; ein anderer antwortet, dass die Dosis das Gift macht und dass auch Pflanzen ihre eigenen chemischen Abwehrstoffe produzieren.

Bei diesem Stand ist die Zahl, die am meisten verwirrt, keine Laborergebnis: Jemand erinnert daran, dass der Körper etwa 6.000 Kalorien in Form von Zucker speichern kann und keinen externen Kohlenhydratzufuhr zum Überleben braucht. Diabetes, so lautet die Botschaft, entscheidet sich nicht zwischen zwei Lagern, sondern bei jeder einzelnen Mahlzeit.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (193 Antworten).

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