Bardem: Ein Viertel der jungen Männer in Spanien sind Faschisten

Schauspieler Carlos Bardem behauptet, 25 % der jungen spanischen Männer seien faschistisch. Er fordert mehr Erinnerungskultur im Unterricht.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Bardem: Ein Viertel der jungen Männer in Spanien sind Faschisten
Bardem schätzt Anteil junger Faschisten auf 25 % und fordert Erinnerungskultur in Schulen

Carlos Bardem nahm den Preis „La Cultura Comprometida“ (Engagierte Kultur) mit einer Rede entgegen, die den Fokus auf Bildung legte: „Wir müssen die Erinnerung in die Klassenzimmer bringen. Es ist schrecklich, junge Faschisten zu sehen.“ Der Schauspieler und Autor, ausgezeichnet von der Vereinigung Arte y Memoria (Kunst und Erinnerung) bei einer Veranstaltung anlässlich des 50. Todestages von Franco, behauptete, dass 25 % der jungen Männer in Spanien Faschisten seien, und forderte die Regierung auf, das Bildungssystem als „Übertragungsriemen“ für die Erinnerung an die Verlierer zu nutzen. Die Zahl, ohne statistische Quelle genannt, wurde zum Kern einer Debatte über die soziale Herkunft des Preisträgers und die Verwendung öffentlicher Mittel für politische Veranstaltungen.

Was genau sagte Carlos Bardem in der Filmakademie?

Die Rede verband historische Aufarbeitung, Antifaschismus und Feminismus. Bardem verknüpfte beide Bewegungen – „Deshalb ist Feminismus das Hauptziel der Faschisten“ – und kritisierte den mythologischen Umgang mit Symbolen durch die Rechte: „Es ist kein Zufall, dass Abascal mit einem Helm auftritt oder der bedauernswerte Aznar sich als El Cid verkleidet.“ Er schloss mit einem familiären Versprechen: „Als meine Mutter starb, schworen wir uns, nie etwas zu tun, worauf sie nicht stolz wäre.“

Der Preis wird von der 2017 gegründeten Vereinigung Arte y Memoria in Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für Demokratische Erinnerung (Secretaría de Estado de Memoria Democrática) vergeben. Neben Bardem wurden die Schauspielerin Luisa Martín, die Regisseurin Azucena Rodríguez, die Produzentin Ana Amigo, der Maler Ángel Aragonés, die Sängerin Rosa León und der Schriftsteller Benjamín Prado ausgezeichnet. Im Publikum waren Luis García Montero, Direktor des Instituto Cervantes, und Fernando Méndez-Leite, Präsident der Spanischen Filmakademie.

Woher kommt die Zahl von 25 % jungen Faschisten?

Es gibt keine zitierte Umfrage oder Studie. Die Zahl dient als rhetorisches Mittel: Bardem präsentiert sie als „schreckliche Statistik“, wonach jeder vierte junge Mann ein Faschist sei. Befürworter sehen darin ein Warnsignal; Kritiker bemängeln das Fehlen von Methodik, Stichprobe und verantwortlichen Institutionen. Die Diskussion wandte sich schnell der Wahldemografie und dem tatsächlichen Einfluss der extremen Rechten unter jungen Männern zu.

Einige argumentieren, die Zahl sei politisch konservativ geschätzt, da ein höherer Prozentsatz eine Analyse des Wandels im Jugendwahlverhalten erfordern würde. Andere entgegnen, der Begriff „Faschist“ werde elastisch verwendet: Wer ihn gegen Andersdenkende einsetzt, macht ihn zur Waffe und entleert ihn seiner Bedeutung.

Soziale Herkunft der Bardems und Kritik am „reichen Linken“

Der häufigste Angriffspunkt war biografischer Natur. Man untersuchte die Familiengeschichte des Schauspielers und betonte, dass unter seinen Vorfahren Großgrundbesitzer und Adlige waren, darunter ein wohlhabender Urgroßvater, der in der Region Salamanca Stiere züchtete. Die ausgenutzte Paradoxie ist bekannt: Wer andere des Faschismus beschuldigt, stammt selbst aus hohen Kreisen und lebt von öffentlichen Subventionen.

Hinzu kommt ein berufliches Argument. Es wird daran erinnert, dass Bardem selbst Mitarbeiter seines Unternehmens unter Berufung auf die Arbeitsmarktreform entlassen habe, die er morgens öffentlich kritisiert hatte. Die Schlussfolgerung dieser Analyse lautet einfach: Die erklärte Ideologie hält nur so lange, bis es ans eigene Portemonnaie geht.

Subventionen, Steuergeld und die Kosten der Veranstaltung

Das zweite Thema war Geld. Der Preis wird in Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für Demokratische Erinnerung verliehen, einer Behörde, die von Teilen des Publikums als unnütze Bürokratie auf Steuerzahlerkosten angesehen wird. Die Kritik erstreckt sich auch auf die Preisträger: Künstler mit geförderter Karriere, die Lektionen über Engagement erteilen, obwohl sie ihre Position möglicherweise nur dank Namen und Beihilfen erreicht hätten.

Der oft wiederholte Kontrast betrifft die Entbehrlichkeit des Kinos als Produkt. Wenn Kino nicht lebensnotwendig ist, so die Argumentation, dann ist es auch nicht notwendig, jene zu finanzieren, die mit dem Flugzeug reisen, während sie anderen raten, Fahrrad zu fahren. Die angekündigte praktische Konsequenz ist ein Boykott: Keine Filme mit diesen Namen mehr konsumieren.

Feminismus, Antifaschismus und das Narrativ der Transition

An der Veranstaltung nahmen weitere Redner teil. Amparo Climent, Leiterin von Arte y Memoria, schloss mit einem „Nein zum Krieg“ in Anspielung auf den „Genozid an der palästinensischen Bevölkerung“ und betonte Kunst als Widerstand. Der Bildhauer Tino Calabuig sprach von „einem Trio von Verbrechern, die das Gedächtnis ehrlicher Menschen betrogen haben“ und warnte vor Trumps Gewaltbereitschaft als Warnsignal. Benjamín Prado ironisierte mit „Abascaldabra, Ziegenhuf, sie sind schon wieder hier“.

Der Rahmen der Veranstaltung war die Gedenkfeier zum 50. Todestage Francos. Dieser zeitliche Anker erklärt den Tonfall: Die Erinnerung an die Besiegten, Verfolgten und Exilierten wird als „wahre Erinnerung“ gegen ein von der Rechten konstruiertes mythisches Vergangenheit dargestellt. Die Diskussion drehte sich darum, ob dieses Narrativ junge Menschen erreicht oder ob die Jugend nur die Gegenwart beachtet.

Warum das Etikett „Faschist“ junge Leute nicht mehr mobilisiert

Eine Analyse besagt, dass die Vergangenheit das Wahlverhalten der Jugend nicht erklärt. Ein junger Mensch ist weder antifaschistisch noch faschistisch wegen der Ereignisse von 1936, so wie ein Unabhängigkeitsbefürworter es nicht wegen der Krone von Aragón ist, sondern wegen dessen, was er heute sieht. Wenn dies stimmt, hat der Appell an die historische Erinnerung als Bildungswerkzeug eine niedrige Reichweite.

Das andere gängige Argument ist ökonomischer Natur. Wenn heute 25 % der Jugendlichen faschistisch sind, werden dieselben Prozentzahlen in einigen Jahren bessere Arbeitsbedingungen fordern, weil das Problem nicht ideologisch, sondern arbeitsmarktbezogen ist. Das Etikett verwischt sich, wenn der Geldbeutel drückt.

Und wenn der Prozentsatz viel höher wäre? Diese Frage schwebt über dem Thema. Wenn die reale Zahl 90 % überschreitet, wie einige behaupten, greift Bardems Diagnose zu kurz und das Problem wird strukturell statt bildungsbezogen. Bislang hat niemand eine Umfrage vorgelegt, die dies klärt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (183 Antworten).

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