Barbarossa: Kein Friedensplan war der Fehler, nicht Moskau

Das deutsche Oberkommando wusste, dass es die UdSSR nicht erobern konnte. Ihre einzige Hoffnung war ein sowjetischer Kollaps. Er blieb aus.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Barbarossa: Kein Friedensplan war der Fehler, nicht Moskau
Barbarossa: Kein Friedensplan war der Fehler, nicht Moskau

Die Operation Barbarossa begann am 22. Juni 1941; Deutschland verlor den Krieg vier Jahre später. Zwischen diesen Daten liegt eine Reihe von Entscheidungen, über die Historiker seit Jahrzehnten diskutieren: die Umleitung der Panzergruppen nach Leningrad und Kiew nach Smolensk, die Kriegserklärung an die USA nach Pearl Harbor, die Wette auf den Zusammenbruch des sowjetischen Systems. Eine unbequeme Erkenntnis beim Überprüfen dieser Themen für Fans von Fehlerlisten: Kaum einer dieser Fehler war allein entscheidend. Das Problem war konzeptionell.

Man kann niemals eine militärische Operation planen, indem man davon ausgeht, zu siegen, weil der Feind zusammenbrechen wird. Dieser Satz fasst die häufigste Diagnose zusammen. Das deutsche Oberkommando wusste, dass es die gesamte Sowjetunion nicht erobern konnte; ihre einzige Karte war, dass der sowjetische Staat nach aufeinanderfolgenden militärischen Niederlagen zerfallen würde, so wie das Zarenreich im Ersten Weltkrieg. Sie erlitten Napoleons Schicksal: Es gab keinen echten Plan jenseits davon, die Russen zu bestrafen und darauf zu hoffen, dass sie verhandeln würden. Als Stalin nicht verhandelte, war der Krieg strategisch verloren, auch wenn weiterhin Schlachten gewonnen wurden.

Die Umleitung nach Kiew und Leningrad: Fehler oder Notwendigkeit?

Hitlers Entscheidung, Guderian nach der Ukraine statt weiter Richtung Moskau nach Smolensk zu schicken, ist einer der am meisten diskutierten Punkte. Die These vom Fehler hat eine solide Gegenantwort: Ein Angriff auf Moskau mit 800.000 feindlichen Soldaten an der südlichen Flanke wäre Wahnsinn gewesen. Die Einnahme des Donbas sicherte Ressourcen und zerstörte die Rotarmisten bei Kiew. Die ebenso solide Gegenthese: Jede Woche Verzögerung rückte den Winter näher, und der russische Winter gewinnt immer.

Eine oft übersehene Tatsache: Moskau war nicht nur ein Symbol. Es war der zentrale Kommunikationsknotenpunkt des Landes, mit dem gesamten Eisenbahnsystem dort zentralisiert. Wenn Moskau fiel, wäre die sowjetische Fähigkeit, Truppen und Versorgungsgüter zu mobilisieren, ins Stocken geraten. Dies ist die These derer, die argumentieren, dass die Hauptstadt von Anfang an das primäre Ziel hätte sein müssen, mit einer vor 1943 voll mobilisierten deutschen Wirtschaft.

Kriegserklärung an die USA: Der wahnsinnigste Fehltritt

Wenn es einen Punkt gibt, an dem sich fast alle Richtungen einig sind, dann ist es die Kriegserklärung an die Vereinigten Staaten nach Pearl Harbor. Amerikanische Hilfe für die UdSSR war nicht wichtig: sie war fundamental. Die US-Industrie war beeindruckend; Pittsburgh allein erzeugte mehr Stahl als die gesamte Achse kombiniert mal zwei. Als die Sowjets begannen, die Deutschen zurückzudrängen, trug der rote Soldat amerikanische Stiefel, aß amerikanisches Dosenfutter und fuhr in Studebaker-LKWs oder auf Carnegie-Waggons. Die US-Logistik ermöglichte es Russland, den Krieg zu gewinnen, oder zumindest ihn nicht jahrelang zu verlängern.

Eine Nuance, die oft von anderer Seite angeführt wird: Roosevelt befand sich in einer Situation, in der es sehr schwierig gewesen wäre, Ressourcen vom Pazifik-Front abzuzweigen und dies gegenüber dem Kongress und der öffentlichen Meinung zu rechtfertigen. Aber Hitler legte den roten Teppich aus. Die Erklärung vom 11. Dezember 1941 ersparte Roosevelt alle internen Debatten.

Invasion Großbritanniens: Der Plan, der nie existierte

Die Invasion Großbritanniens war nie ein ernsthafter Plan. Es war unmöglich, eine Insel einzunehmen, während die beste Flotte der Welt patrouillierte. Hinzu kam, dass die USA ohnehin in den Krieg eintreten würden, und was die Deutschen wirklich wollten, war Frieden mit den Briten. Napoleon scheiterte, obwohl er Europa viel klarer dominierte als Hitler. Die vorgeschlagene Alternative: Ein Angriff auf Suez und den Nahen Osten hatte viel größere Chancen und hätte sogar die UdSSR als Verbündeten anziehen können, da für Stalin die Einnahme Istanbuls und der Zugang zum Mittelmeer ein bedeutender strategischer Erfolg war.

Die spät kommende Kriegswirtschaft

Der Vierjahresplan von 1937 zielte darauf ab, Deutschland bis 1941 auf den Krieg vorzubereiten. Hjalmar Schacht trat im Januar 1939 als Präsident der deutschen Zentralbank zurück, weil er kein Geld mehr erfinden konnte, ohne dass es ein dreister Betrug wurde. Der Krieg musste im September 1939 beginnen. Und die Wirtschaft wurde erst 1943 vollständig mobilisiert, als es bereits zu spät war. Die Deutschen wechselten ihre Ziele willkürlich, ohne eine einzige strategische Richtung.

Panzer: Das Problem der deutschen Effizienz

Die Debatte über die deutsche Panzerwaffe hat ihre eigene Logik. Der Panther war zu groß, schwer, komplex, teuer, spritfressend und unzuverlässig. Das Fahrzeug mit dem besten Kosten-Effizienz-Verhältnis, das die Wehrmacht einsetzte, war keiner der großen Katzen, sondern der bescheidene 24-Tonnen-StuG III. Ein Tiger kostete, laut der letzten Seite des Tigerfibels, 300.000 Arbeitsstunden, wobei diese Zahl wahrscheinlich propagandistische Übertreibung ist.

Der Panzer IV ist das Beispiel dafür, was möglich gewesen wäre: Zwischen 1937 und 1943 produzierten drei Werke etwa 5.500 Einheiten vom Modell A bis H. Im letzten Kriegsjahr stellte ein einziges Werk, das das standardisierte Modell J produzierte, 3.000 Einheiten her. Die Schlussfolgerung ist unbequem: Die Deutschen hatten ein Rüstungsprogramm, das von den Widrigkeiten des Krieges losgelöst war und sich mehr auf die Waffenentwicklung selbst als auf das Gewinnen des Konflikts konzentrierte.



Mit diesen Elementen lautet die Frage nicht, welcher Fehler gemacht wurde, sondern warum Hitler einen Krieg führte, von dem er wusste, dass er ihn nicht gewinnen konnte. Die Erklärung, er sei unfähig gewesen, passt nicht. Auch die Idee, er sei völlig unter Drogen gestanden, passt nicht ganz. Was passt, ist, dass der Fehler konzeptionell war: Sie glaubten ihrer eigenen Propaganda. Sie nahmen an, sie seien die auserwählte Rasse und die UdSSR würde besiegt werden, weil es ein Land von Affen sei. Der gesunde Menschenverstand diktierte, dass sie Russland nicht erobern konnten. Aber natürlich mussten die Sowjets dafür kapitulieren. Und das taten sie nicht. Von da an blieb nur noch ein Abnutzungskrieg, der vor Beginn verloren war. Die vorsichtige Vorhersage: Wenn Deutschland einen Friedensvertrag mit einem verzweifelten Stalin gegen ukrainische Gebiete akzeptiert hätte und nicht den USA den Krieg erklärt hätte, würden wir heute vielleicht noch über ein im Kalten Krieg eingefrorenes Drittes Reich sprechen. Aber das ist kontrafaktisch, und kontrafaktische Szenarien können nicht überprüft werden.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (123 Antworten).

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